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Anlage-Profi zum Kursrutsch : „Es wird mindestens noch zwei Wochen alles schlimmer“

Händler sind nach den Kursverlusten an der New Yorker Börse verzweifelt. Bild: dpa

Bernhard Langer legt Milliarden für die Fondsgesellschaft Invesco an. Im Interview erklärt er, wie sehr das Coronavirus die Börse im Griff hält – und was noch droht.

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          Herr Langer, die Aktienkurse fallen rund um den Globus. Wie schlimm wird das?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Schlimm. Keiner kauft mehr momentan.

          Wie weit runter geht es noch?

          Da kann ich natürlich auch nur spekulieren, aber: Typische Korrekturphasen verlaufen zwischen 10 und 13 Prozent Kursverlust, das haben wir nun schon erlebt. Ein Bärenmarkt zeichnet sich statistisch durch Kursverluste von einem Drittel aus.

          Dann wäre der Dax wieder unter 10.000 Punkten beispielsweise.

          Ja, auszuschließen ist das nicht.

          Was meinen Sie damit: Keiner kauft mehr?

          Der Markt befindet sich sozusagen in einem Käuferstreik. Die Sicherungssysteme greifen, bestimmte Risikogrenzen sind überschritten – systematisch algorithmisch getriebene Anleger wie wir sichern sich nun umfangreich ab.

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          Wie? Verkaufen Sie Aktien oder schichten von konjunkturabhängigeren Werten um in weniger konjunkturabhängige?

          Nein. Wir machen das ausschließlich über Derivate. Wir werden an Futures-Märkten aktiv für den S&P 500, den Nikkei, den Eurostoxx und den FTSE.

          Schnäppchenjäger sind nicht unterwegs?

          Das weiß ich nicht, zumindest nicht, wie umfangreich. Große Eigenhandelstische der Banken gibt es ja nicht mehr, also wenigstens von dieser Seite ist nicht zu erwarten, dass jemand dagegen hält.

          Wie geht es weiter?

          Ich denke, dass mindestens noch zwei Wochen alles schlimmer wird, das Virus sich weiter ausbreitet eben auch in Europa, da haben wir den Zenit ja noch nicht überschritten im Gegensatz zu China möglicherweise.

          Bernhard Langer ist verantwortlich für die quantitativen Anlagestrategien der Fondsgesellschaft Invesco.

          Vielleicht bleibt Amerika verschont.

          Nein, das glaube ich nicht. Auch dort wird sich das Virus noch ausbreiten. Mir kann keiner erzählen, dass es in New York nicht auch Fälle gibt – die messen das einfach nicht nach. Und denken sie an die großen asiatischen Communities in San Francisco oder Los Angeles.

          Also noch kein Zeitpunkt für Mutige, um wieder einzusteigen?

          Nein, eher nicht. Wenn wir Glück haben, dann bekommen wir vielleicht die Ausbreitung am Ende des ersten Quartals in den Griff. Aber da wissen wir ja noch viel zu wenig über das Virus, was ist, wenn es beispielsweise mutiert?

          Die Märkte waren vor dem Coronavirus-Ausbruch ohnehin sehr weit gelaufen – zu weit?

          Das ist ein wichtiger Punkt: Meiner Ansicht nach stand eine Korrektur ohnehin bevor, das konnte so nicht weiter gehen. Das Virus ist in diesem Sinne der perfekte Katalysator.

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