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Start-up Modifi : Handelsfinanzierung für den Mittelstand

Containerhafen in Dusiburg: 30 bis 40 Prozent des Handels entfallen auf mittelständische Unternehmen. Bild: dpa

Das Fintech will digitale Handelsfinanzierungen auch den Unternehmen eröffnen, die von großen Banken nicht bedient werden können.

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          Kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) digitale Lösungen für Handelsfinanzierungen im Geschäft mit größeren Partner im Ausland bereitzustellen, mit diesem Ziel wurde Modifi 2018 gegründet. „Leider besteht aufgrund der Größe der KMU oft ein Machtgefälle im Verhältnis zu größeren Handelspartnern“, sagt Nelson Holzner, Vorstandsvorsitzender des Fintech-Unternehmens. „Sowohl bei kleinen Exporteuren als auch Importeuren kann ein größerer Kontrahent oft die Bedingungen für eine Transaktion diktieren. Das führt bei den kleineren Partnern zu Liquiditätsproblemen, bei denen wir aushelfen können.“

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um das Geschäft auszubauen, hat sich nun Modifi selbst weiteres Kapital besorgt. In einer Series-B-Finanzierungsrunde konnte das Unternehmen 20 Millionen Euro frisches Kapital einsammeln.Im Kern ist das Geschäftsmodell von Modifi kein neues: Verlangt ein Exporteur von einem Unternehmen beispielsweise eine Vorabzahlung für das Versenden von Waren mittels eines Schiffscontainers, bezahlt Modifi vorab den Kaufpreis. Der Importeur zahlt Modifi den Betrag 30 bis 120 Tage später zurück. Dann hat er die Ware meist selbst weiterverkaufen können.

          Umgekehrt verlangen große Einkäufer von kleinen und mittelgroßen Exporteuren häufig Zahlungsziele bis zu vier Monate. In diesem Fall kann der kleine Exporteur über Modifi vorab 80 bis 90 Prozent des Kaufpreises bekommen und liquide bleiben. 2019, bevor Corona viele Länder dazu veranlasste, Häfen zu schließen, Reisen einzuschränken und Unternehmen dazu zwang, ihre Geschäfte einzuschränken, lag das globale Handelsvolumen bei rund 19 Billionen Dollar. Selbst 2020 verzeichnete das Statistikportal Statista noch ein Volumen von rund 17,6 Billionen Dollar. Und laut Holzner entfallen 30 bis 40 Prozent dieses Handels auf KMU.

          Banken meiden hohen Aufwand

          Viele größere Banken bieten auch Finanzierungen wie Modifi an – allerdings ist der Aufwand bei KMU für sie oft zu groß, sodass sich die geringen Volumina der Transaktionen nicht lohnen. „Kleine Banken hingegen können im internationalen Handel nur schwer die Risiken abschätzen und ihren Sorgfaltspflichten in Bezug auf Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung nachkommen. Mit unseren Kompetenzen können wir in Zusammenarbeit mit den kleineren Banken, bei denen unsere Kunden oft Konten haben, eine Nische füllen“, sagt Holzner.

          Modifi erweitert dieses Kerngeschäft um digitale Dienstleistungen. Im wenig digitalisierten Feld der Handelsfinanzierung können Nutzer auf der Plattform gemeinsame Verträge einsehen sowie den Status ihrer Lieferung nahezu in Echtzeit abfragen. Holzner sieht einen steigenden Bedarf solcher Werkzeuge: „Während der Suez-Krise im Frühjahr dieses Jahres wurde die Standortbestimmung stark nachgefragt. Viele wollten wissen, ob ihre Lieferung noch im Nadelöhr wartet oder es vor der Blockade noch hindurch geschafft hat.“

          Das frische Kapital soll in den Aufbau weiterer digitaler Werkzeuge fließen. „Lieferketten laufen nur so gut, wie Unternehmen selbst arbeiten können. Viele sind bei der Digitalisierung ihrer Akten noch nicht so gut. Wir ermöglichen Handelspartnern, ihre Rechnungen und andere Dokumente mit dem Handy abzufotografieren und sie auf unsere Plattform hochzuladen. Diese werden dann automatisch ausgelesen und können mit digitalen Unterschriften versehen werden. Das ersetzt manuelle Schritte, die früher viel Zeit in Anspruch genommen hätten“, sagt Holzner.

          Modifi hat auch Zukunftsthemen im Blick. Die Plattform könnte an Blockchain-Systeme zur Handelsfinanzierung andocken. „Zunächst wäre aber das Ziel, das Fax abzuschaffen. Damit würden viele Schmerzen verschwinden“, schätzt Holzner. Sobald das Geschäftsmodell eine gewisse Größe erreicht hat, sieht er Chancen für einen Börsengang: „Das ist für mich dieses Mal spannender als bei meinem letzten Projekt, Billpay. Im Moment müssen wir aber noch weiter wachsen.“

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