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Negativzins : Wenn Zinsen zu Gebühren werden

  • -Aktualisiert am

Dauerhafter Niedrigzins: Immer mehr Banken geraten unter Druck. Bild: dpa

Die Banken geraten wegen des Niedrigzins immer mehr unter Druck und drehen nun an der Gebührenschrauben. Das muss man als Kunde aber nicht mitmachen. Ein Leitfaden verrät, wie man richtig spart.

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          Es war eine unscheinbare Pressemitteilung, in der die Postbank jüngst eine Zeitenwende ankündigte. Ein Papier mit gerade einmal sieben dürren Absätzen. Die Banker vermeldeten ein „neues Kontomodell“. Für das Giro-Plus-Konto der Postbank sollen künftig mehr Kunden zahlen. 3,90 Euro im Monat kostet es bald auch jene, auf deren Konten zwischen 1000 und 3000 Euro monatlich fließen. Für viele Experten war es das Ende einer Ära.

          Dass Sparkassen und Volksbanken an der Gebührenschraube drehen, weil sie wegen der niedrigen Zinsen unter Druck stehen, wissen inzwischen viele. Aber auch die Postbank? Mit 14 Millionen Kunden ist sie das größte Einzelinstitut in Deutschland. Und vor knapp zwei Jahrzehnten hatte ausgerechnet die Postbank mit einem Kostenlosangebot den Preiskampf bei den Girokonten eröffnet.

          Der Fall macht klar: Auf der Jagd nach dem Geld müssen Anleger ihr Augenmerk verlagern. Gerade in Zeiten, in denen es kaum noch Zinsen gibt, müssen sie einen gern etwas versteckten Posten in den Blick nehmen, der an den mageren Erträgen nagt: die Kosten. Wer Kontogebühren vermeidet, Fondsprovisionen verringert und teuren Aktiendepots den Kampf ansagt, kann Jahr für Jahr Hunderte Euro sparen.

          Sparen beim Girokonto

          Sigrid Herbst staunte, als sie sich vor wenigen Wochen durch die Preislisten der Banken wühlte. Wie kreativ die Finanzmanager auf einmal neue Kontogebühren erfunden hatten. Manche verlangten plötzlich zehn Cent für eine TAN-Nummer per SMS, andere packten bei der Jahresgebühr für die Kreditkarte zehn Euro obendrauf. „In der Summe rechnet sich das für die Banken und es läppert sich für den Verbraucher“, sagt Herbst. Die Expertin der FMH Finanzberatung untersucht regelmäßig die Kontopreise deutscher Banken. Bis zu 150 Euro können Kunden im Jahr sparen, wenn sie wechseln.

          Sparen ist gerade beim Konto sehr einfach. Wer unbedingt bei der eigenen Filialbank bleiben will, kann aus dem Standardkonto meist in eine günstigere Online-Variante wechseln. Dann muss der Sparer seine Buchungen allerdings im Internet selbst eintippen. Und wer zumindest innerhalb derselben Bankengruppe bleiben möchte, für den lohnt sich bisweilen ein Wechsel zu Direktbanken wie Comdirect (Commerzbank) oder 1822 Direkt (Frankfurter Sparkasse). Die Beratung in der Filiale dürfen die Kunden dann nicht mehr nutzen, deshalb können ihnen die Banken günstigere Tarife anbieten. Bisweilen verlangen sie gar nichts.

          Wertpapierdepots

          „Konten, die für Normalnutzer kostenlos sind, gibt es aktuell unter anderem bei der ING Diba, der Norisbank und der DKB“, sagt Finanzexpertin Herbst. Günstige Kontomodelle dürften zunehmend Sparer locken. Gerade viele Jüngere kennen Bankfilialen sowieso nur vom Hörensagen. Vielleicht kommt also bald der alte Bankerwitz außer Mode, dass die Deutschen ihr Konto selten wechseln. Seltener jedenfalls als ihre Frau.

          Zehn Prozent Kurssteigerung - direkt die Gewinne mitnehmen. Unter dem Strich müssen sich Anleger jedoch oft mit weniger zufriedengeben. Der Grund für die wundersame Schrumpfrendite liegt bei den Banken. „Viele Anleger wissen gar nicht, dass die Institute für Aktieninvestments Geld verlangen“, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. Damit Banken die Wertpapiere der Anleger hüten, verlangen sie eine jährliche Depotgebühr. Viele Institute kassieren je nach Anlagesumme oft mehr als hundert Euro. Wer clever vergleicht, kann diese Kosten senken. Auf null.

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