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Bundesbank : Klimapolitik könnte Börsenwert vieler Aktiengesellschaften drastisch drücken

Keine guten Aussichten für Unternehmen rund um die fossile Energie. Bild: AFP

Ökonomen der Bundesbank haben untersucht, wie eine Verschärfung der Klimapolitik auf die Aktienkurse von 5285 börsennotierten Unternehmen wirken würde. Immerhin etwa 7 Prozent könnten ihren Börsenwert halbieren. Betroffen seien vor allem bestimmte Branchen.

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          Die Deutsche Bundesbank rechnet mit einem weiterhin hohen Preisdruck. Die Inflationsrate dürfte „weiterhin außerordentlich hoch bleiben“, warnt die deutsche Zentralbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht. Dies zeichne sich ab, obwohl mehrere Sondereffekte mit dem Jahreswechsel herausfielen. Das Wirtschaftswachstum dürfte im Schlussquartal „etwas gesunken sein“, heißt es im Monatsbericht weiter.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bundesbank geht, anders als etwa die Umweltschutzorganisation Greenpeace, davon aus, dass die Klimapolitik zumindest in einer Übergangszeit tendenziell preistreibend wirken wird: Schätzungen, dass in der aktuellen Inflationsrate etwa ein halber Prozentpunkt an solcher „Greenflation“ stecke, lägen wohl nicht ganz falsch.

          Die Notenbank hat sich zudem in Modellstudien mit der Frage befasst, wie Klimawandel und Klimapolitik auf das Wirtschaftswachstum, aber auch auf einzelne Aktien wirken dürften. So setzt sie jetzt ein Modell namens „EMuSe“ („Environmental Multi-Sector“) ein, mit dem sich die Wirkung klimapolitischer Anpassungsprozesse auf die Gesamtwirtschaft und einzelne Sektoren analysieren lässt. Für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) kommt sie zu der Einschätzung, der BIP-Verlust durch die physischen Folgen des Klimawandels werde anders als in heißeren Regionen Europas zunächst eher klein sein, könnte in weiterer Zukunft jedoch erheblich werden.

          Die Bundesbank analysierte auch, welche Folgen eine konsequentere Klimapolitik, die über einen CO2-Preis die Klimaziele von Paris erreichen würde, auf die Aktienkurse großer Aktiengesellschaften hätte. Betrachtet wurden 5285 Aktiengesellschaften aus 75 Ländern, die für mehr als die Hälfte der globalen Börsenwerte stehen und für 17 bis 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.

          Die Analysten kommen zu dem Schluss, zwar blieben 81 Prozent aller betrachteten Unternehmen von emissionsbedingten Börsenwertverlusten von mehr als vier Prozent verschont. Bei immerhin sieben Prozent der Unternehmen sei allerdings mit Verlusten von mehr als der Hälfte des Unternehmenswertes zu rechnen. Dies betreffe vor allem Geschäfte, die auf fossile Energieträger ausgerichtet seien. Klimabezogene Wertänderungen dürften in Zukunft eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten spielen, schreiben die Bundesbank-Fachleute. Zu den stark von Wertänderungen betroffenen Aktiengesellschaften zählten die Kohle-, Stahl- und Zementindustrie, aber auch Fluggesellschaften.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer neuen Strategie beschlossen, dass sie und die nationalen Notenbanken dem Klimawandel mehr Aufmerksamkeit schenken müssten. Auch der neue Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat in seiner Antrittsrede angekündigt, auf diesem Gebiet mehr machen zu wollen.

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