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Geld richtig anlegen : Wie die steigende Inflation die Sparer herausfordert

Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die EZB dürfte trotz der gestiegenen Inflation den Fuß noch nicht vom Gas nehmen. Sie strebt eine Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“ an. Bild: dpa

Die Inflationsrate für die Eurozone ist im Januar auf 0,9 Prozent gestiegen. Was können Anleger machen, um das zu schlagen? Es heißt: Ausgerechnet die Sparweltmeister sparen sich arm.

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          „Die Sparweltmeister sparen sich arm“: So überschreibt die Fondsgesellschaft Union Investment eine Studie, in der Oscar Stolper, Finanzprofessor in Marburg, vorrechnet: Die Deutschen haben ihre Bestände auf unverzinsten Girokonten erheblich erhöht. Innerhalb von zehn Jahren seien diese Bestände um 960 Milliarden Euro gestiegen. Seit dem Jahr 2000 habe sich der Anteil des Geldvermögens, der auf Girokonten schlummere, fast verdreifacht, von 10 auf 28 Prozent. Allein 2019 habe dadurch rechnerisch jeder Deutsche nach Inflation im Schnitt 380 Euro an Kaufkraft verloren, alle zusammen in zehn Jahren 130 Milliarden Euro. Besonders stark seien die Zuflüsse zuletzt auf den Girokonten gewesen. Nur: Mit dem Geld auf dem Girokonto sind keine Gewinne zu machen. Die Vermögen wuchsen fast nur noch, weil die Deutschen so viel zurücklegten.

          Das könnte zu einer Schwierigkeit werden, wenn die Inflation anzieht. Gerade hat die europäische Statistikbehörde Eurostat mitgeteilt, dass die Inflationsrate für die Eurozone im Januar auf plus 0,9 Prozent gestiegen ist – nach vier Monaten mit extrem niedrigen minus 0,3 Prozent.

          In ihrem aktuellen „Economic Bulletin“ beschäftigt sich die Europäische Zentralbank mit dem Thema. Sie kommt zu dem Ergebnis, die sehr niedrigen Inflationsraten im vorigen Jahr seien in erster Linie durch die niedrige Nachfrage in der Corona-Pandemie verursacht worden, weniger durch angebotsseitige Effekte. „Für den weiteren Inflationsverlauf ist entscheidend, wie schnell sich Angebot und Nachfrage erholen“, schreibt die Notenbank. So könnte die aufgestaute Nachfrage die wirtschaftliche Belebung fördern und eine Inflationszunahme bewirken. Zugleich könnten aber auch Angebotsengpässe rasch abgebaut werden, was einen Desinflationsdruck erzeugen würde, die Rate also senkt. Es bleibt also weiter etwas ungewiss. Die Prognosen der meisten Ökonomen sehen zwar keinen dramatischen Anstieg der Inflation vorher – aber die extrem niedrigen Inflationsraten scheinen doch erst mal vorbei zu sein.

          Was können Anleger machen, um 0,9 Prozent Inflation zu schlagen? Während als längerfristiger Schutz vor überraschender Inflation vor allem Aktien oder inflationsindexierte Anleihen helfen, ist eine Inflationsrate von 0,9 Prozent auch noch mit festverzinsten Sparangeboten von Banken zu schlagen, wie Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt sagt. Dabei gilt: Bei kürzeren Laufzeiten bieten gerade etwas exotische Banken mit einer ausländischen Einlagensicherung über Vermittler höhere Zinsen an – bei längeren Laufzeiten kommen dann aber beispielsweise auch deutsche Autobanken und andere Internetinstitute auf Zinssätze von mehr als 0,9 Prozent. Entweder das Adressrisiko oder das Zinsänderungsrisiko bei längeren Laufzeiten verhilft Anlegern also zu höheren Zinsen.

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