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Digitales Geld : Notenbanken sehen in Bitcoin keine Konkurrenz

Bitcoin ist ein heißes Thema in der Finanzwelt. Bild: Reuters

Für den Präsidenten der amerikanischen Notenbank Powell und den Bundesbankpräsidenten Weidmann sind Krypto-Vermögenswerte spekulative Anlagen. Doch das digitale Zentralbankgeld bleibt ein Thema.

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          Der Kursverlauf von Bitcoin hält die Finanzmärkte in Atem. Doch die führenden Notenbanken sehen in einem solchen Krypto-Vermögenswert keine Konkurrenz für ihr Geldmonopol. Auf der Auftaktveranstaltung zur Innovationskonferenz, die die als Bank der Zentralbanken geltende Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den kommenden Tagen veranstaltet, bezeichnete Jerome Powell, Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), am Montag Bitcoin als rein spekulative Anlage. Diese seien eher ein Ersatz für Gold als für den Dollar. Sie seien durch nichts gedeckt und deshalb nicht als Wertaufbewahrungsmittel tauglich.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann pflichtete ihm bei und verwies auf den kaum vorhandenen Einsatz von Bitcoin als Zahlungsmittel. Die beiden Notenbankchefs wollen sich durch die jüngsten Entwicklungen von digitalen Vermögenswerten, zu denen auch die durch Währungen gedeckten Stablecoins wie der Diem, vormals Libra, des Internetkonzerns Facebook zählen, nicht unter Druck setzen lassen. Zwar sagte Weidmann, dass man von den Technologien der privaten Anbieter lernen könne. Es gebe aber noch viele weitere Instrumente, um die Bedürfnisse der Wirtschaft für schnellere Zahlungen zu befriedigen. Auch Powell wandte sich gegen die übereilte Einführung von digitalem Zentralbankgeld, mit dem sich die Fed aber schon seit Jahren beschäftigt. „Wir müssen das Projekt nicht beschleunigen“, sagte der Fed-Präsident.

          Risiken für die Finanzstabilität

          Zuletzt hatte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, gesagt, dass der digitale Euro innerhalb von fünf Jahren kommen könne. Sehr weit fortgeschritten mit ihren Arbeiten ist die chinesische Notenbank. Die BIZ erwartet, dass in den kommenden drei Jahren digitales Geld von Notenbanken eingeführt werden könne, die ein Fünftel der Weltbevölkerung repräsentierten.

          Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank.
          Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank. : Bild: Wolfgang Eilmes

          BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens sagte auf der Veranstaltung, dass digitales Zentralbankgeld sehr komplex sei und sich die Notenbanken bei der Einführung keinen Fehler erlauben dürften. Der frühere Notenbankgouverneur Mexikos sieht bei Stablecoins die Gefahr regulatorischer Arbitrage. Die Anbieter liehen sich die Rückendeckung von garantierten Werten wie zum Beispiel Zentralbankgeld, um damit neue Vermögenswerte zu schaffen. Solche Stablecoins habe es auch schon früher gegeben, und sie seien immer gescheitert. Auch Carstens will die Technologien der privaten Anbieter nutzen, zum Beispiel in öffentlich-privaten Partnerschaften.

          Sowohl Powell als auch Weidmann verwiesen auf die Risiken für die Finanzstabilität, die durch digitales Zentralbankgeld entstehen können. Einmal mehr wies der Bundesbankpräsident darauf hin, dass digitales Geld in Finanzkrisen die Flucht der Bankkunden aus ihren Einlagen bei Geschäftsbanken beschleunigen könne. Powell betonte, das aus Noten- und Geschäftsbanken bestehende Finanzsystem dürfe unter keinen Umständen bedroht werden. Da der amerikanische Dollar die internationale Leitwährung sei, müssten bei der Entwicklung einer digitalen Variante die Konsequenzen für die Weltwirtschaft berücksichtigt werden. Darüber hinaus sei dafür die Unterstützung der amerikanischen Politik und Öffentlichkeit notwendig.

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