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Inflationsprognosen : Wie die EZB sich selbst überschätzte

EZB-Doppelturm in Frankfurt: Der Notenbank wird vorgeworfen, die Inflation falsch eingeschätzt zu haben. Bild: Imago

Die Notenbank wollte lange nicht glauben, dass die Inflation wirklich kommt. Dieser Irrtum hat System.

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          Es war November 2021. Deutschland hatte gerade erfahren, dass die Inflationsrate über fünf Prozent gesprungen war, und EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte im Fernsehinterview: „Wir wissen, dass die Preise im nächsten Jahr allmählich zurückgehen werden.“ Andere Prognostiker sahen da schon höhere Inflationsraten kommen als die EZB, die deutschen Wirtschaftsweisen zum Beispiel 2,3 Prozent, der renommierte Credit-Agricole-Analyst rechnete sogar mit 3,4. Prozent. Tatsächlich wurde die Inflation in der Zeit danach immer kräftiger, doch es sollte noch einige Monate dauern, bis die Europäische Zentralbank auch nur einen Ausstieg aus den Anleihekäufen in Aussicht stellte.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun sind Prognosen immer schwierig, eines aber fällt an den Vorhersagen der Europäischen Zentralbank auf: Sie sehen immer so aus, als würde die EZB sowieso bald ihr Ziel erreichen, nämlich eine Inflationsrate von rund zwei Prozent. Als die Inflation niedrig war, da überschätzten die EZB-Volkswirte die künftige Inflation. Prompt gewöhnten sich alle daran, auch die Chefs der Notenbank. Doch als die Inflation dann anzog, da rechnete die EZB mit einem baldigen Rückgang, der bisher nicht gekommen ist.

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