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Anleihekäufe : Die EZB springt Italien zur Seite

Die EZB stockt ihre Bestände an Staatsanleihen zwar nicht weiter auf. Aber sie schichtet um. Zuletzt zugunsten Italiens. Bild: Frank Rumpenhorst

Im Juni und Juli hat die Europäische Zentralbank auffällig viele italienische Staatsanleihen gekauft und deutsche verkauft. Ganz ohne das neue geldpolitische Instrument. Heikel ist das auch so.

          4 Min.

          Es gehört zu den spannenden Diskussionen um die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Wochen: Soll die Notenbank des Euroraumes einspringen, wenn in einzelnen Euroländern jetzt im Zuge der Zinswende die Renditen der Staatsanleihen in die Höhe schießen? Mit Ach und Krach ist zuletzt im EZB-Rat ein neues geldpolitisches Instrument beschlossen worden, das solche gezielten Ankäufe der Anleihen einzelner Krisenländer möglich machen soll. Jetzt zeigt sich: Schon in den zurückliegenden schwierigen Wochen für Italien hat die EZB mit Anleihekäufen zugunsten des südeuropäischen Landes interveniert. Und zwar mit Geldern aus fällig werdenden Anleihen aus dem Corona-Krisenprogramm PEPP und dem älteren Anleihekaufprogramm APP.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach den jüngsten Zahlen hat das Eurosystem – dazu gehören die EZB und die nationalen Notenbanken der Euroländer – im Juni und Juli aus den Geldern fällig werdender Anleihen des PEPP-Programms italienische Staatsanleihen in einer Größenordnung von 9,8 Milliarden Euro erworben. 5,9 Milliarden Euro flossen in spanische Staatsanleihen. Auch Griechenland wurde mit 1,1 Milliarden Euro stark gestützt. Im Gegenzug wurden deutsche Staatsanleihen für 14,5 Milliarden Euro aus den Beständen verkauft, auch von niederländischen Staatsanleihen im Wert von 3,4 Milliarden Euro hat sich die Notenbank getrennt. Ein ähnliches Muster war im Juli beim älteren Programm APP zu beobachten, dessen Käufe zusätzlicher neuer Anleihen Ende Juni ausgelaufen waren.

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