https://www.faz.net/-gv6-a8ywu

Corona und Geld : Leben wie Dagobert Duck

Dagobert Duck und die unbändige Liebe zu seinem Geld: Abbild der Comicfigur im Erika-Fuchs-Haus im oberfränkischen Schwarzach an der Saale Bild: dpa

Eine Umfrage unter Deutschen zeigt, wie die Pandemie finanzielle Sorgen schürt und den reinen Besitz von Geld für viele attraktiver macht. Das jeweilige Alter sorgt jedoch für den großen Unterschied.

          3 Min.

          Die Corona-Pandemie betrifft nahezu alle Lebensbereiche und hat viele Facetten. Für die wohl meisten Menschen hat sie auch finanzielle Folgen, für manche sind diese fatal. Viele Deutsche plagen daher ganz akute oder auch langfristige Sorgen, wenn es um die Einkünfte, Erspartes und alte oder neue Schulden geht. Vor allem vergleichsweise junge Menschen ängstigt die Krise. Zudem erscheinen für nicht wenige der Wert von Geld in neuem Licht und die besonderen Erlebnisse, die man sich damit erfüllen könnte, etwas weniger erstrebenswert – obwohl man derzeit auf viel Liebgewonnenes verzichten muss. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage der Postbank, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Demnach machen sich durchschnittlich knapp zwei von drei Deutschen Sorgen, nicht über ausreichende Ersparnisse zu verfügen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (58 Prozent) sorgt sich im Durchschnitt um Wert und Sicherheit des Ersparten, fast ebenso viele bangen um ihr Einkommen. 43 Prozent der Befragten fürchten, dass sie die eigentlich für das Alter gedachte Vorsorge aufbrauchen müssen. Im Durchschnitt 41 Prozent der Bundesbürger plagt die Sorge, dass sie in dieser Situation Schulden machen müssen, etwa einem Drittel bereiten schon vorhandene Schulden schlaflose Nächte.

          Jüngere besonders beunruhigt

          Es gibt deutliche Unterschiede im Alter. Befragte, die jünger als 50 Jahre sind, zeigen sich insgesamt überdurchschnittlich häufig beunruhigt, wenn es um die eigene finanzielle Situation geht. Besonders 30 bis 39 Jahre alte Umfrageteilnehmer ragen mit ihren Ängsten hervor. So befürchten 72 Prozent, also fast drei Viertel dieser Altersgruppe, nicht über ausreichende Rücklagen zu verfügen. Von den 40 bis 49 Jahre alten Befragten sorgen sich darüber etwa zwei Drittel. Zum Vergleich: Insgesamt befürchten im Durchschnitt 60 Prozent der Bundesbürger, zu wenig gespart zu haben. Am wenigsten zeigt sich die Altersgruppe 70plus darüber besorgt (50 Prozent). Ähnlich sind die Werte mit Blick auf die Einkünfte, sie unterscheiden sich nur noch deutlicher.

          Das Altersgefüge ähnelt sich zudem in der Frage der Sicherheit der Rücklagen sowie den Sorgen über alte oder neue Verbindlichkeiten, wenn auch mit insgesamt geringeren Werten. Das Thema Schulden schlägt vor allem Familien besonders auf das Gemüt. So befürchtet demnach etwa jeder zweite Befragte, der in einem Haushalt mit vier Personen und mehr lebt, neue machen zu müssen, der höchste Wert in der Umfrage. Ähnlich sieht es mit bestehenden Verbindlichkeiten aus.

          Sicht auf Geld verändert

          Die Corona-Pandemie verändert nicht nur das Leben, sondern vielfach auch die Sicht auf Geld. Immer mehr Bundesbürger erfreuten sich an Geldbesitz, sagen die Postbank-Fachleute und sprechen in Anlehnung an Dagobert Duck, die bekannte Comicfigur Walt Disneys, von einer „Dagobertisierung“ Deutschlands. Die „reichste Ente“ der Welt ist bekannt für ihr riesiges Vermögen und ihren Geiz.

          Im Vergleich zur Zeit vor Corona sei es zum Beispiel für viele weniger wichtig geworden, Geld für ein schönes Erlebnis wie einen Urlaub oder einen Restaurantbesuch auszugeben – vor der Pandemie schätzten das im Durchschnitt rund 39 Prozent der Deutschen, zuletzt waren es 34 Prozent. Gewachsen ist dagegen die Wertschätzung, Geld zu besitzen, ob auf dem Konto oder in der Spardose daheim – von durchschnittlich 24 auf 28 Prozent.

          Corona-Liveblog: Alle Entwicklungen aus Deutschland und der Welt hier lesen.

          Vor allem viele junge Menschen seien überdurchschnittlich häufig von finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise betroffen, sagt die Postbank. Daher habe sich für diese Gruppe die persönliche Bedeutung von Geld am stärksten verändert. Während im Durchschnitt etwa für jeden zweiten Deutschen im Alter von 16 bis 29 Jahren vor der Pandemie eine schöne Erinnerung als besonders erstrebenswert gegolten habe, sage dies nun noch gut jeder Dritte. Und während unter Befragten dieses Alters zuvor etwa ein Viertel den Besitz von Geld als glückbringend bezeichnete, ist dies nun ein Drittel.

          Je jünger die Befragten seien, desto eher werde sich auch ihr Umgang mit Geld durch die Corona-Krise verändern, sagt die Postbank. So plane fast die Hälfte der befragten 16- bis 29-Jährigen, nun mehr zu sparen, der höchste Wert der Umfrage. Über alle Altersstufen hinweg sagen das 29 Prozent. Insgesamt gibt fast jeder Zweite an, dass sich sein Umgang mit Geld durch die Corona-Krise verändern werde. Viele wollen künftig weniger konsumieren – das sagen vor allem Frauen.

          Weitere Themen

          Der Dax schwebt in luftigen Höhen

          Börsenwoche : Der Dax schwebt in luftigen Höhen

          Trotz der dritten Corona-Welle markieren viele Aktienindizes Rekorde – positiven Konjunkturdaten und Unternehmensnachrichten sei Dank. Auch der deutsche Leitindex fliegt so hoch nie. Doch die Luft wird dünn und dünner.

          Topmeldungen

          Söder am Dienstag in München

          Entscheidung für Laschet : Wie Söder sich verkalkuliert hat

          Tagelang hatte es so ausgesehen, als könnte Markus Söder sich im Ringen um die Kanzlerkandidatur durchsetzen. Doch Armin Laschet gelang es offenbar am Sonntagabend, das Blatt zu wenden – bei einem denkwürdigen Zusammentreffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.