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Höhere Zinsen, günstiges Geld : Wie die Banken von der EZB-Politik profitieren

Die EZB und Bankentürme in Frankfurt Bild: Lucas Bäuml

Die steigenden Zinsen kennen zunächst einmal einen Gewinner: die Banken. Doch auch auf andere Art spült ihnen die europäische Notenbank bares Geld in die Kassen.

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          Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer Notenbanken wird zunehmend zum Gewinngeschäft für die europäischen Kreditinstitute. Schon jetzt machen sich die steigenden Zinsen rund um die Welt in ihren Büchern bemerkbar. Über ein günstiges Kreditprogramm der EZB können sie zusätzlich noch hohe risikolose Erträge einfahren.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die 34 größten Banken in Westeuropa konnten ihre Nettozinserträge im ersten Halbjahr im Durchschnitt um 10 Prozent erhöhen, wie die Ratingagentur Moody´s nun in einer Studie vorrechnete. Die wichtigsten deutschen Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ Bank steigerten ihre Nettozinserträge in der ersten Jahreshälfte im Schnitt sogar um rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch größer sind die Zugewinne für österreichische Banken. Die Erste Group und die Raiffeisen Bank International nahmen nach den Moody´s-Zahlen sogar 23 Prozent mehr aus ihrem Zinsgeschäft ein als im Vorjahr.

          Im ersten Halbjahr konnten die Banken vor allem davon profitieren, dass die Notenbanken in Osteuropa, in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ihre Zinsen erhöhten. Das spielte zum Beispiel der Commerzbank mit ihre polnischen Tochtergesellschaft MBank in die Hände, oder eben auch den österreichischen Häusern, die in Osteuropa traditionell stark vertreten sind.

          Zinserträge dürften weiter wachsen

          Die Europäische Zentralbank hat erst später angefangen, ihre Zinsen anzuheben. Die Analysten von Moody's erwarten daher, dass die Zinserträge noch weiter deutlich wachsen werden. So sagte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde erst am Montag vor dem Europa-Parlament: „Wir gehen davon aus, dass wir die Zinssätze in den nächsten Sitzungen weiter anheben werden, um die Nachfrage zu dämpfen und uns vor der Gefahr einer anhaltenden Aufwärtsbewegung der Inflationserwartungen zu schützen."

          Das stimmt auch die Analysten positiv, die sich zu Bankaktien derzeit äußerst optimistisch äußern. So traut etwa Chris Hallam von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs der Deutschen Bank eine glatte Kursverdoppelung auf 17,30 Euro zu, hauptsächlich weil das Institut von den anziehenden Zinsen profitieren dürfte. Auch Jason Napier von der Schweizer Großbank UBS zeigte sich zuletzt optimistisch für den Bankensektor in Europa. Die Nettozinserträge lägen über den Erwartungen, und die Kapitalausstattung sei in der Regel mehr als ausreichend, um den voraussichtlichen Anstieg der Kreditkosten zu bewältigen, schrieb er in seiner jüngsten Analyse.

          Anleger bleiben skeptisch

          Die Anleger sind da allerdings bislang skeptischer. Eine einheitliche Richtung finden die Aktienkurse der Großbanken derzeit nicht. So schwankt der Kurs der Deutschen Bank seit Wochen zwischen 8 und 9,50 Euro. Beim aktuellen Niveau von 8,54 Euro steht sie fast 30 Prozent tiefer als vor einem halben Jahr.

          DT. BANK

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          Die Aktie der Commerzbank hat sich zwar innerhalb eines Monats um ein Viertel verteuert, auch diesem Aufschwung gingen aber erhebliche Kursschwankungen voraus.

          COMMERZBANK AG

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          Schließlich können die hohe Inflation, die rasant gestiegenen Energiekosten und die weiterhin anhaltenden Lieferkettenprobleme im Welthandel für eine große Zahl der Bankkunden zum Problem werden und die Kreditrisiken in die Höhe treiben. Vor diesen Risiken warnen auch die Moody's-Analysten in ihrer Studie.

          Erträge durch Umschichten

          Doch auch auf eine andere Weise sorgt die Politik der Zentralbank derzeit für Sondererträge bei den Banken. In der Coronakrise hatte die Notenbank ein Programm namens TLTRO aufgesetzt, über das sich die Institute günstig bei ihr refinanzieren konnten. Da die Banken inzwischen wieder positive Zinsen erhalten, wenn sie Einlagen bei der EZB parken, können sie durch das schlichte Umschichten bares Geld verdienen. Unterm Strich könnten die Banken im Euroraum laut einer Studie der Investmentbank Jefferies allein im Schlussquartal damit ihre Zinseinkünfte um rund 7,9 Milliarden Euro steigern. Als größte Profiteure sehen die Analysten die italienische Großbank Unicredit und die französische BNP Paribas.

          Wie lange die Banken noch aus dieser Sondersituation zehren können, ließ Lagarde im Europaparlament offen. Die Notenbank müsse dafür sorgen, dass die geldpolitischen Maßnahmen immer verhältnismäßig blieben, sagte sie. Die Bilanz zwischen Kosten und Vorzügen des TLTRO-Programms müsse positiv bleiben. „Wir werden uns diese Fragen anschauen.“ Die Geschäftsbanken hatten sich insgesamt rund 2,1 Billionen Euro über das Programm gesichert.

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