https://www.faz.net/-gv6-ab40w

Steigende Schulden : Wie der Dollar die Schwellenländer beschäftigt

Corona hält das Schwellenland Indien im Griff: Menschen stehen in Mumbai Schlange, um eine Impfung zu erhalten. Bild: dpa

In den Wachstumsmärkten schnellen die Staatsschulden in die Höhe. Die Pandemie stellt sie vor Herausforderungen. Die Türkei gilt als Hochrisikoland.

          2 Min.

          Die aktuelle Schwächephase des Dollars dürfte der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) willkommen sein. Zum einen unterstützen günstigere Exportpreise für amerikanische Güter die Konjunktur, zum anderen hilft ein günstiger Dollar den von der Pandemie besonders betroffenen Schwellenländern. Wenn an diesem Mittwoch der Offenmarktausschuss der Fed über das weitere Vorgehen berät, ist eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik wahrscheinlich.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die auf Schwellenländeraktien spezialisierte Fondsmanagerin der skandinavischen Bank Nordea, Juliana Hansveden, erwartet aus zwei Gründen, dass die Fed eine mögliche Rückkopplung ihrer Zinsentscheidungen in den Schwellenländern im Blick hat. Erstens wirke sich die Fed-Politik auf die Nachfrage nach amerikanischen Produkten und auf die Ölpreise aus. Zweitens gebe es strategische Gründe, um Verbündete mit Devisenswap-Linien zu stabilisieren. Hier erhalten ausländische Notenbanken im Tausch gegen ihre Währung von der Fed Dollar, die sie dann ihren Geschäftsbanken und damit der Wirtschaft zur Verfügung stellen können.

          Auf den Schwellenländern, unter ihnen so unterschiedliche Volkswirtschaften wie China, die Türkei, Russland oder Mexiko, lastet die Corona-Krise. Nach einem Papier des internationalen Bankenverbands Institute of International Finance (IIF) sind die Staatsschulden der Schwellenländer in der Pandemie rasch gestiegen. Gleichwohl bewegen sie sich mit gut 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt; BIP) auf einem im Vergleich zu den Industrieländern noch immer geringen Niveau.

          Hohe Dollarschulden

          Jedoch ist die hohe Dollarverschuldung in diesen wachstumsstarken Ländern, die vor allem Unternehmen betrifft, ein Problem, weil in Amerika in Erwartung einer kräftigen Wirtschaftserholung mit Inflationsschub die Zinsen gestiegen sind. Zwar liegt die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe mit 1,5836 Prozent um 0,18 Prozentpunkte unter dem Ende März erreichten Hoch, aber im Vergleich zum Juni 2020 noch immer fast einen Prozentpunkt höher.

          Da sorgt die gegenwärtige Dollarschwäche für Entspannung, weil das höhere Zinsniveau nicht auch noch den Dollarkurs nach oben treibt. Nach Angaben von Nordea-Fachfrau Hansveden hat die Dollarzentrierung außerhalb der Vereinigten Staaten zugenommen, insbesondere in den Schwellenländern. Dort seien die Unternehmen vorsichtiger geworden und benötigten in einigen Fällen mehr Dollar als harte Währung, antwortet sie auf Anfrage der F.A.Z. „In manchen Ländern wie der Türkei kann man sogar von einer Dollarisierung sprechen“, fügt sie hinzu. Generell sei ein Anwachsen der Dollarliquidität in Schwellenländern festzustellen.

          Gleichzeitig hätten aber einige Länder versucht, ihre Bindung an den Dollar zu reduzieren, sowohl als Transaktionsmittel als auch als Reservewährung. Das gelte hauptsächlich für Russland, gefolgt von China. Am höchsten seien die Dollarrisiken in China und auch in Mexiko. Angesichts der Schwäche des Mexikanischen Pesos erwartet die Nordea-Fondsmanagerin, dass ein Großteil der Dollarschulden wahrscheinlich in die Landeswährung getauscht werde.

          Sie betrachtet die in einer Wirtschafts- und Währungskrise steckende Türkei als Hochrisikoland. Hier bestehe das Problem in einem übermäßigen Fokus auf die Generierung von Wachstum, was zu hoher Inflation und damit zu einer Dollarisierung der Einlagen führe. In der Entwicklung am Aktienmarkt hinken die Schwellenländer in diesem Jahr hinterher. Seit Jahresanfang weist der Weltaktienindex MSCI World ein Plus von fast 10 Prozent auf. Das Schwellenländer-Pendant MSCI Emerging Markets ist nur um gut 5 Prozent gestiegen.

          Weitere Themen

          Angriff auf die Kryptowährungen

          Digitaler Euro : Angriff auf die Kryptowährungen

          Fabio Panetta von der EZB kündigt den digitalen Euro als Schutz für die monetäre Souveränität der Eurozone an. Wird das digitale Zentralbankgeld den Kryptos den Stecker ziehen?

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.