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Niedrigzinsen : Wie Anleger die Inflation schlagen

Etwas höhere Inflation: Auch die Mieten sind weiter gestiegen. Bild: dpa

Die Inflation in Deutschland ist im Januar auf 1,7 Prozent gestiegen. Unter anderem Strom und Mieten verschlingen mehr Geld. Für Sparer ist es nicht leicht, diese Teuerungsrate zu schlagen. Aber es gibt Möglichkeiten.

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          Die Inflation in Deutschland ist wieder etwas höher ausgefallen: Um 1,7 Prozent haben sich die Verbraucherpreise im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Schon im Dezember hatte sich ein gewisser Anstieg gegenüber den sehr niedrigen Vormonatswerten angedeutet. Unter den Posten, die teurer wurden, finden sich auch solche, über die zuletzt viel in der Öffentlichkeit diskutiert wurde: So wurde Tanken teurer, der Preis für Kraftstoffe stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,2 Prozent. Auch Strom wurde für Verbraucher abermals teurer, der Preis erhöhte sich um 3,9 Prozent. Und auch die Mieten haben noch mal zugelegt, auch wenn zwischenzeitlich schon anderes berichtet worden war. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Nettokaltmieten im Jahresvergleich um 1,4 Prozent.

          Mit Festgeldkonten wird es schwer

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings dürfte die etwas höhere Inflation im Januar eher eine Art "Ausrutscher" gewesen sein und noch nicht typisch für das gesamte Jahr sein. Die Kerninflation, also die Inflation ohne Energie und Lebensmittel, ist nach Berechnungen der Commerzbank sogar leicht zurückgegangen von 1,7 auf 1,5 Prozent.
          Was heißt das nun für Anleger? Der Anleiheinvestor Pimco meint, für die Entwicklung der Anleiherenditen sollte man bislang weder hierzulande noch in Amerika mit allzu viel Inflation rechnen: "In unserem Basisszenario erwarten wir weiterhin eine gedämpfte Inflation über den zyklischen Horizont hinweg", sagte Pimco-Portfoliomanager Konstantin Veit.
          Mit Sparbüchern, Tagesgeld und Festgeld jedenfalls könnten die Sparer eine Inflation von 1,7 Prozent im Moment schwer schlagen, meint Max Herbst von der FMH-Finanzberatung: "Selbst bei einer italienischen Bank über das Internetportal Weltsparen gibt es bei Festgeld auf zehn Jahre derzeit maximal eine Rendite von 1,54 Prozent", sagt Herbst. "Also keine Chance, die Inflation zu überbieten."
          Auch mit sogenannten sicheren Anleihen sei es im Moment schwierig, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden. "Zehnjährige Bundesanleihen werfen eine Rendite von rund minus 0,4 Prozent ab, und auch mit dreißigjährigen erreicht man nur 0,1 Prozent." Auch unter Inkaufnahme eines Währungsrisikos sehe es im Dollar nicht viel besser aus. Zehnjährige Renditen lägen bei gut 1,5 Prozent, dreißigjährige bei gut 2 Prozent, also nur leicht über der Inflationsmarke.

          Immobilienfonds sind im Moment noch eine Möglichkeit

          Bei Unternehmensanleihen sehe es bei höherem Risiko etwas besser aus, meint Stephan. Hingegen rentierten gute Bonitäten im Euroraum derzeit im Schnitt nur mit etwa 0,4 Prozent, im Dollar bei 2,6 Prozent. "Besser sollten sich Anleger mit Bonds aus den Emerging Markets schlagen." Die Renditen lägen im Schnitt in Abhängigkeit von Währung und Bonität zwischen 3,5 Prozent und 5,8 Prozent. Natürlich sei aber auch das Risiko höher. Anlagefachmann Stephan meint gleichwohl: "Ich finde Schwellenländeranleihen mit entsprechender Diversifikation interessant."
          Mit Gewerbeimmobilien ließen sich derzeit 3 bis 5 Prozent Rendite erwirtschaften, entsprechende Immobilienfonds lägen bei 2,5 Prozent. "Die anhaltend lockere Geldpolitik und die damit verbundene hohe relative Attraktivität von Immobilien dürften kurz- bis mittelfristig zu weiter steigenden Preisen in diesem Segment führen", meint Stephan: "Grundsätzlich sind Immobilien sicherlich eine geeignete Möglichkeit, der Inflation zu begegnen."

          Am besten geht es mit Aktien

          Höhere Renditen versprechen Aktien. "Im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen schütten europäische Konzerne weiterhin einen großen Teil ihrer Gewinne als Dividenden aus", hebt Stephan hervor. Die erwartete Dividendenrendite im breit aufgestellten Index Stoxx 600 liege derzeit bei 3,5 Prozent und damit deutlich über dem Inflationsniveau. Dax, CAC 40 und FTSE 100 kämen auf eine Dividendenrendite von drei, 4,4 beziehungsweise 4,5 Prozent. "Unter den Sektoren stechen Öl- und Gas- sowie Telekommunikationsunternehmen und Banken mit Dividendenrenditen zwischen fünf und sechs Prozent hervor", sagt Stephan.

          Selbstverständlich unterstünden Aktien aber Preisschwankungen - auch Dividendentitel, die sich häufig über ein stabiles Geschäftsmodell auszeichneten, seien gegen Kursrücksetzer nicht gefeit. In den vergangenen Jahren hätten sich die Kurse dieser Aktien mit starkem Anleihecharakter jedoch aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds gut entwickelt. "Da ich nicht erwarte, dass die Zinsen in absehbarer Zeit deutlich steigen, könnte diese Entwicklung anhalten", meint Stephan: "Eine gut diversifizierte Anlage bietet sich an."

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