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Wichtiger Index : Ein anderer Grund für den Aktien-Crash in China

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Heute ist die Stimmung an Chinas Börse wieder besser gewesen - die Kurse sind wieder gestiegen. Bild: dpa

Wachstumsschwäche, Übertreibung, fällige Korrektur: Es kursieren viele Gründe für den Aktienkurs-Absturz in China. Etwas ganz anderes könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben - schlicht Angebot und Nachfrage.

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          Die einzige und endgültige Erklärung für den Aktienkurs-Rutsch in China zu Wochenbeginn gibt es noch nicht. Wie immer gibt es natürlich auch für diese Kursbewegung im Nachhinein vielfältige Erklärungsansätze, die häufig auf eines abzielen: sogenannte „fundamentale“ Gründe. Da ist etwa von Sorge um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung die Rede, von möglichen blasenähnlichen Übertreibungen, von Verschuldung in einer ausländischen Währung, die gerade wertvoller wird und damit Schuldentilgung verteuert. All das kann natürlich eine Rolle gespielt haben. Aber all das hat sich nicht erst in den letzten Tagen dramatisch geändert, es war schon so als die Kurse noch stiegen.

          Möglicherweise steckt noch ein weiterer, anders gelagerter Grund hinter dem Kurseinbruch in Fernost. Es ist einer, der auf den Aktienmarkt als Markt abzielt, auf dem wie auf jedem anderen Markt auch Käufer und Verkäufer aufeinander treffen und der Preis dann Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Oder erwartetes Angebot und erwartete Nachfrage.

          400 Milliarden Dollar

          Letztere ist Mitte Juni womöglich unerwartet geschrumpft. Da teilte der wichtige Aktienindex-Anbieter MSCI mit, dass er die sogenannten A-Aktien an den chinesischen Festlandbörsen in Schanghai und Shenzhen nun erst einmal doch nicht in seinen globalen und viele Investoren orientierenden Schwellenländer-Index aufnehmen wird, sondern wohl erst im Jahr 2017.

          Beinahe genau zu diesem Zeitpunkt hatten die chinesischen Indizes ihre Höhepunkte erreicht – von da ab ging es steil bergab. Zunächst um rund 30 Prozent in der zweiten Junihälfte und Anfang Juli. Und dann, nach einer als eher unglücklich bewerteten Kommunikation seitens der chinesischen Behörden und der leichten Abwertung der Währung Yuan, noch einmal in den vergangenen Tagen.

          Warum könnte die Nachricht des Indexanbieters bedeutend gewesen sein? Weil es viele professionelle Anleger gibt, die ihre Portfolios an seinen Welt-Aktienindizes orientieren und gewichten. Wären die chinesischen Aktien aufgenommen worden, wären einige Anleger sogar faktisch gezwungen gewesen, einen Teil des von ihnen verwalteten Vermögens darin anzulegen. Neue Käufer also, die gute Preise (Kurse) zahlen müssen. In der Rückschau ist unter diesem Gesichtspunkt zumindest bemerkenswert, dass die Kurs-Rallye in China ab März noch einmal deutlich an Fahrt gewann unter steigenden Umsätzen. So, als ob hier vielleicht auch der eine oder andere gekauft hat im Vertrauen darauf, dass er demnächst einer viel größeren Nachfrager-Gruppe gegenübersteht.

          Nach einem Bericht der „Financial Times“ sagte MSCI selbst voraus, dass globale Fonds zunächst 20 Milliarden Dollar in die chinesischen Börsen gesteckt hätten, die britische Bank HSBC ging demnach von 50 Milliarden Dollar aus. Der Finanzdienst Reuters berichtete, dass MSCI insgesamt sogar schätzte, dass in der Folge Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Versicherer auf der ganzen Welt rund 400 Milliarden Dollar in die entsprechenden chinesischen Aktien stecken würden. Für den Anfang. Und abhängig davon, wie sehr China seinen Aktienmarkt ausländischen Investoren zugänglich macht in der Zukunft.

          Ob der Indexanbieter nun wirklich mit seiner Entscheidung den Kursrutsch (mit) auslöste, lässt sich natürlich nicht klar nachweisen. Es bleibt die zeitliche Übereinstimmung und die Plausibilität: Wenn in China viele Aktien vorab gekauft wurden in der festen Erwartung auf viele Milliarden Dollar neue Nachfrage, dann dürften viele Rechnungen nicht aufgegangen sein. Neben den vielen „fundamentalen“ Gründen, die derzeit angeführt werden, könnte das zumindest aber auch eine Rolle gespielt haben.

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