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Konkurrenz für Wework : Co-Working ohne „Co“

Sarva ist ein Serienunternehmer und hat oft in seinem Leben Vielseitigkeit demonstriert. Er studierte Volkswirtschaft und Philosophie, und in Philosophie machte er seinen Doktortitel. Er hat eine Handvoll Unternehmen mitgegründet, darunter einen Mobilfunkanbieter, einen Spezialisten für Bürosoftware und den Entwickler einer Technologie, die das Gehirn von Menschen stimulieren und besseres Lernen ermöglichen soll. Die Idee für Knotel kam ihm, als er in den New Yorker Büros seiner vorherigen Unternehmen überschüssigen Platz hatte und ihn untervermietete. Er stellte fest, dass ihm das ein stattliches Nebeneinkommen brachte und beschloss, daraus ein eigenständiges Geschäft zu machen. Offiziell gegründet wurde Knotel 2016. Sein Unternehmen ist heute noch in vielerlei Hinsicht deutlich kleiner als der ältere Wettbewerber Wework. Beispielsweise hat Wework von Investoren schon mehr als 12 Milliarden Dollar eingesammelt, Knotel liegt erst bei 160 Millionen Dollar, und dieses Missverhältnis wird sich nach Sarvas Worten auch nach einer weiteren Finanzierungsrunde, über die er gerade verhandelt, nicht sonderlich ändern. Der Knotel-Chef zeigt sich aber nicht davon beunruhigt, dass Wework viel finanzkräftiger ist: „Mehr Geld zu haben, kann ein Fluch sein und einen schlechter machen.“ Und Marktpositionen seien vergänglich. Sarva erinnert daran, wie deutlich der Online-Händler Ebay von seinem Rivalen Amazon.com abgehängt wurde, oder einst das soziale Netzwerk Myspace von Facebook.

Im Moment ist Wework noch weitaus größer und betreibt zum Beispiel allein in New York mehr Bürofläche als Knotel insgesamt. Aber Sarva sagt, sein Unternehmen hole schnell auf, und das nicht nur in seiner Heimatstadt. Auch im Ausland ist Knotel auf Expansionskurs und hat zum Beispiel mittlerweile vier Standorte in Berlin. Nach Sarvas Worten gibt es auch Gespräche mit Vermietern in Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf, und er hofft, bis Ende des Jahres zumindest in zwei dieser Städte vertreten zu sein.

Es gibt viele Skeptiker, die den Rummel um Wework und auch die Bewertung des Unternehmens für völlig überzogen halten. Sie sagen, jenseits seiner hippen Außendarstellung sei Wework im Kern ein Untervermieter von Gewerbeimmobilien und bewege sich damit in einem Geschäft, das anfällig für konjunkturelle Schwankungen und auch nicht einmal sonderlich glamourös sei. Ähnlich ließe sich auch bei Knotel argumentieren, aber Sarva sieht sein Unternehmen besser aufgestellt. Er sagt, im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs sei es eher ein Wework-Freiberufler, der sich einen billigeren Arbeitsplatz suche, etwa in einer Starbucks-Filiale. Für seine Hauptklientel größerer Unternehmen sei sein Angebot dagegen gerade in schwierigen Zeiten attraktiv, weil sie sich bei ihm nicht langfristig an eine Immobilie binden müssten.

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