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Folge des Bilanzskandals : Wettstreit um die Wirecard-Bestandteile

Für die Unternehmensteile des Zahlungsdienstleisters Wirecard gibt es zahlreiche Interessenten. Bild: AFP

Wer hat Interesse an Geschäftsbereichen des Zahlungsabwicklers? Prominente Namen machen die Runde – darunter auch die Deutsche Bank.

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          Nach der Ankündigung des Insolvenzverwalters, dass Wirecard womöglich in Einzelteilen geteilt und verkauft werden könnte, kursieren die ersten potentiellen Interessenten dafür. Wirecard galt über Jahre als erfolgversprechender Technologieführer; zumindest Teile des gestrauchelten Konzerns könnten für Wettbewerber und andere Investoren interessant sein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Vor allem das Kerngeschäft mit der Abwicklung von Bezahlungen im Handel und im Onlinegeschäft gilt als interessant, und hier vor allem die europäischen Teile. „Jede europäische Bank, die Wachstumsambitionen hat, wäre fahrlässig, wenn sie sich dieses Geschäft nicht angucken würde“, sagt ein Kenner der Bankenszene, der nicht namentlich in der Zeitung erscheinen will. Vor allem die beiden spanischen Häuser Santander und BBVA, aber auch die italienische Unicredit sieht er als mögliche Käufer. Für direkte  Wettbewerber wie den niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen erscheine es ihm interessanter, direkt an die verunsicherten Wirecard-Kunden heranzutreten.

          Adyen bestätigte auf Anfrage der F.A.Z., dass sie ihre Philosophie, Übernahmen zu vermeiden, nicht geändert hätten. Einige der Händler, mit denen Wirecard zusammengearbeitet habe, hätten Adyen schon kontaktiert, heißt es von dem Zahlungsdienstleister. Auf andere Kunden des Noch-Dax-Konzerns ginge der holländische Konkurrent aktiv zu. „Wirecards Händler-Portfolio ist riskanter als unseres“, teilte das Unternehmen mit. Aus diesem Grund sei nur ein kleiner Teil des Portfolios interessant für Adyen. Dabei handele es sich hauptsächlich um Händler in Deutschland, aber auch um Kunden im stationären Einzelhandel in der Region Asien und Pazifik (APAC).

          Auch die Deutsche Bank gilt als möglicher Interessent. Sie war erst kürzlich, wie von der F.A.Z. berichtet, in das Geschäft von Wirecard vorgedrungen, indem sie gemeinsam mit dem Zahlungsabwickler First Data Kassenterminals für deutsche Einzelhändler ins Angebot nahm. Über den Zukauf der Wirecard-Technik samt ihrer Kunden könnte sie in dem Feld einen großen Sprung nach vorne machen. Umstritten ist allerdings einerseits wie gut und einzigartig die Technologie von Wirecard ist und wie sich sicherstellen ließe, dass die Kunden auch mitzögen.

          „Niemand will Rechtsnachfolger von Wirecard werden“

          Großes Interesse wird auch dem Wirecard-Konkurrenten Worldline nachgesagt. Der französische Zahlungsabwickler, der auch in Deutschland aktiv ist, soll sich früh in Aschheim gemeldet haben. Er könnte versucht sein, deutsche Kunden auf die eigene Plattform zu lotsen, falls die Händler hierzulande Sorgen haben sollten, ihr Zahlungsverkehr könnte über die Insolvenz von Wirecard zum Erliegen kommen. Wordline hat bereits zu Beginn dieses Jahres in Frankreich den Wettbewerber Ingenico für fast acht Milliarden Euro gekauft. Die beiden französischen Unternehmen sind durch den Zusammenschluss zum größten Zahlungsdienstleister in Europa aufgestiegen.

          Im Geschäft mit der Zahlungsabwicklung sind schon seit Jahren Zusammenschlüsse und Übernahmen an der Tagesordnung, weil in dem margenschwachen Geschäft die Zahl der abgewickelten Transaktionen entscheidend ist. Zuletzt haben daher auch immer wieder Finanzinvestoren versucht, durch das Zusammenführen unterschiedlicher Unternehmen, werthaltige größere Unternehmen zu schaffen.

          Als möglicher Interessent für Teile von Wirecard gilt daher auch der zuletzt in der Branche rührige Finanzinvestor KKR. Eine komplette Übernahme von Wirecard durch eine Bank oder einen anderen Investor gilt indes als unwahrscheinlich, schon wegen der diversen Rechtsrisiken. „Niemand will Rechtsnachfolger von Wirecard werden“, sagt der Bankenfachmann.

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