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F.A.S. Exklusiv : Wer wird das neue Gesicht der Autobranche?

  • -Aktualisiert am

Hildegard Müller auf einer Bilanzpressekonferenz von Innogy Bild: Picture-Alliance

Beide haben Karriere in der Politik gemacht. Jetzt sind Hildegard Müller (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) die Favoriten für den Vorsitz des Automobilverbandes VDA.

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          Wer wird neuer Präsident des deutschen Automobilverbandes (VDA) und damit Cheflobbyist der wichtigsten deutschen Industrie? Es soll jemand aus der Politik werden, da sind sich die Unternehmen einig, zwei Favoriten wurden ausgeguckt: Hildegard Müller (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD).

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer von den beiden den Vorzug erhält, darüber liegen die Konzerne noch im Clinch, die beiden Namen aber werden von mehreren Beteiligten bestätigt. Politischen Instinkt haben beide, und das ist ein wichtiges Kriterium nach den misslichen Erfahrungen mit dem VDA-Präsidenten Bernhard Mattes. Dem ehemaligen Ford-Chef war mangelndes politisches Gespür angekreidet worden, was ihn so schnell scheitern ließ. Noch während der Internationalen Automobilausstellung im September kündigte Mattes seinen Rückzug an. Zum Jahreswechsel ist er weg, folglich drängt die Zeit, einen Nachfolger zu präsentieren.

          Die formelle Entscheidung fällt der VDA-Vorstand in der ersten November-Woche, zuvor führte das Präsidium, in Person von Daimler-Chef Ola Källenius und Familienunternehmer Arndt Kirchhoff, die maßgeblichen Gespräche mit den beiden Kandidaten. Das Profil für den zu besetzenden Posten ist diffizil: Die Konzernchefs müssen sie oder ihn akzeptieren, gleichzeitig darf er oder sie ihnen nicht zu selbstbewusst daher kommen.

          Für Sigmar Gabriel, Jahrgang 1959, spricht seine Erfahrung in der Autobranche, schließlich war er als Ministerpräsident Niedersachsens seinerzeit VW-Aufsichtsrat. „Gabriel kennt unsere Industrie, er war ein guter Wirtschaftsminister und wäre eine gute Wahl für den VDA“, lobt ihn nun ein Auto-Vorstand, allerdings hat Gabriel im Laufe seiner langen Karriere auch schon so manchen verstört.

          Hildegard Müller (rechts) lädt mit anderen Politikern ein Stromauto

          Das provoziert Widerstände in einzelnen Konzernzentralen, zumal nicht ausgemacht ist, wie sehr ihn der Posten wirklich reizt. Ein VDA-Präsident verdient zwar mehr als die Bundeskanzlerin, trotzdem lässt sich eine Laufbahn vom ehemaligen Vize-Kanzler zum Lobbyisten nicht unbedingt als Aufstieg lesen. Und dann ist die Frage: Was nützen der Autoindustrie die Kontakte eines ehemaligen SPD-Vorsitzenden, wenn dessen Partei auf absehbare Zeit nicht mehr regieren wird?

          Argument der Macht

          Dieses Macht-Argument spricht für Hildegard Müller, Jahrgang 1967 und seit Jugendtagen in der CDU aktiv. Ein weiterer Trumpf ist ihr Geschlecht. Eine Frau an der Spitze trauen den Autobossen die wenigsten zu, das ließe sich als Aufbruch verkaufen, zumal die Kompetenzen Müllers unstrittig sind. Die gelernte Bankkauffrau (mit anschließendem BWL-Studium) war einst die erste Frau an der Spitze der Jungen Union, dann Abgeordnete im Bundestag und schließlich Staatsministerium im Kanzleramt unter Angela Merkel. 2008 wechselte sie die Seiten, wurde Chefin des Branchenverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

          Wie Lobbyismus funktioniert, muss ihr niemand erklären. Wie es in Konzernen zugeht auch nicht. Zuletzt wirkte Müller im Vorstand des Energiekonzerns Innogy, über die Elektromobilität und den Aufbau der Ladesäulen geriet sie dabei in Kontakt mit den Autoherstellern. Nachdem Innogy jetzt Teil von Eon wird, wird der dortige Vorstand überflüssig. Müller braucht eine neue Aufgabe. Auf die Frage, ob sie die bei den Autos sieht, mailt sie, dass sie sich jetzt erstmal im Urlaub erholen will. Ein Dementi ist dies nicht. Bis zum Jahreswechsel bleibt noch genügend Zeit zum Ausspannen.

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