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Vermögende Familien : Wer noch reicher ist als Jeff Bezos

Reiche, alte Familie: Die Kinder von Wal-Mart-Gründer Sam Walton, Jim, Alice und Rob Walton (v. l.n.r) auf der Hauptversammlung 2012. Bild: AP

Jeff Bezos ist der reichste Mann der Welt. Stimmt. Aber geht es um Familienvermögen, hängen ihnen andere Einzelhändler doch noch ab.

          3 Min.

          Familienunternehmen, vor allem aber Unternehmerfamilien haben einen gewissen Nimbus – besonders dann, wenn ihr Reichtum schon älteren Ursprungs ist. Dass sie sehr oft zurückhaltend sind, was ihr Auftreten in der Öffentlichkeit anbelangt, umgibt sie bisweilen eine Aura des Geheimnisvollen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Regelmäßig veröffentlicht der Finanzdienstleister Bloomberg eine Übersicht über die reichsten Unternehmerfamilien dieser Welt, die sich eben auf jenen eingesessenen Geldadel konzentriert: Menschen wie Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Boss Mark Zuckerberg oder Tesla-Gründer Elon Musk sucht man in dieser Auflistung vergeblich – trotz eines geschätzten Vermögens von rund 70 (Musk) oder 190 Milliarden Dollar (Bezos). Denn die Familienliste umfasst eben nur Familienvermögen, nicht die von Einzelpersonen – und nur solche, die mindestens schon eine Generation weiter gegeben wurden.

          „Neureiche“ wie Bezos haben hier nichts verloren – auch wenn sie die meisten Familien locker ausstechen könnten. Mit einer Ausnahme: Selbst der zuletzt reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, muss sich der Familie Walton unterordnen, die nichts mit der Fernsehfamilie zu tun hat, sondern die Hauptanteilseigner von Wal-Mart sind.

          Sam Walton hatte 1945 als Franchisenehmer einer Billigkette für Handwerksbedarf angefangen. Im Jahr 1962 öffnete der erste Wal-Mart seine Pforten. Heute gehört der Familie die Hälfte der Kette mit einem Umsatz von zuletzt mehr als 500 Milliarden Dollar – und damit ein Vermögen von 215 Milliarden Dollar.

          Die Nummer zwei der reichsten Familien muss sich allerdings Bezos schon unterordnen – und zwar mit „nur“ 120 Milliarden Dollar deutlich. Wer dachte, der Schokoriegel Mars sei nach dem Planeten benannt, täuscht sich. Frank und Ethel Mars gründeten die „Mars Candy Factory“ 1911 mit der Produktion von  Buttercremepralinen in der heimischen Küche in der 80.000-Einwohner-Stadt Tacoma im Bundesstaat Washington. Im Jahr 2008 wurde das Unternehmen durch den Kauf des Kaugummiherstellers Wrigley noch älter; der war schon 1883 als Seifenhändler entstanden.

          Recht bekannt ist mit einem Familienvermögen von 110 Milliarden Dollar die Familie des jüngst verstorbenen David Koch und seines Bruders Charles. Das liegt am vehementen politischen Engagement der Brüder für die libertär-konservative „Tea-Party-Bewegung“. Diese wurzelt wohl in der Familientradition. Denn das 1925 von Fred Koch mit gegründete Ingenieurbüro Winkler-Koch Engineering Company war etwas zu erfolgreich. Ein neuartiges Crackverfahren zur Benzingewinnung führte 1927 zu Patentklagen der Ölgesellschaften. Winkler-Koch musste ins Ausland gehen, unter anderem in die damalige Sowjetunion Stalins, über die Fred Koch 1960 schrieb, sie sei ein „Land mit Hunger, Armut und Terror“.

          Auf den weitere Plätzen finden sich bekannte und weniger bekannte Namen: Die saudi-arabische Königsfamilie etwa, über die Bloomberg anmerkt, ihr Vermögen sei vermutlich weitaus größer als die angesetzten 95 Milliarden Dollar. Aber auch die indische Familie Ambani, die einst mit dem Verkauf von Garn anfing und heute nicht zuletzt in der Petrochemie aktiv ist.

          Auf Platz sechs folgt mit Hermès und einem Vermögen von 64 Milliarden Dollar die erste europäische Familie, auf Platz neun und zehn die ersten deutschen: Wenig überraschend handelt es sich bei der letzteren um die Aldi-Inhaber Albrecht, die aus einem Essener Tante-Emma-Laden einen riesigen Lebensmitteleinzelhandelskonzern gemacht hat.

          Übertroffen wird die Familie Albrecht indes von der Familie Boehringer/von Baumbach, den Nachfahren des Gründers des Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim, das im Jahr 1885 mit dem Kauf einer Weinstein-Fabrik daselbst entstand. Tatsächlich ist das Familienvermögen noch älter. Gründer Albert Boehringer war der Enkel von Christian Friedrich Boehringer, der 1817 mit Christian Gotthold Engelmann in Stuttgart die „Drogen- und Materialwarenhandlung Engelmann & Boehringer“ gegründet hatte, aus der bis 1871 der spätere Diagnostika-Hersteller Boehringer Mannheim wurde.

          Dieser wurde wiederum 1997 an Hoffmann-La Roche verkauft, womit man bei Platz zwölf und der ersten Schweizer Familie, Oeri-Hoffmann, auf der Liste angekommen ist.

          Auch wenn der alte Geldadel in Zahlen zum großen Teil nicht mit den neureichen Bezos, Musk oder Zuckerberg mithalten kann, muss sich wohl niemand Sorgen machen, zu verarmen, wie dies bei altem Adel häufiger vorkommen sein soll, im Gegenteil: Das Vermögen der Familie Walton sei im Durchschnitt des vergangenen Jahres stündlich um drei Millionen Dollar gestiegen, heißt es von Bloomberg. Auch das Vermögen der Oeri-Hoffmanns ist um fast ein Viertel gewachsen. Nicht alle gehören aber laut Bloomberg zu den Gewinnern. Der Niedergang des Ölpreises etwa kostete die Kochs laut Bloomberg 15 Milliarden Dollar.

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