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Kryptobörse : Wer ist der Sport-Sponsor Crypto.com?

Die Los Angeles Lakers spielen in der Crypto.com-Arena. Bild: AP

Zuerst die Formel 1, nun die Fußball-WM. Die Kryptobörse sucht die große Bühne, dabei kämpft sie selbst um das Vertrauen ihrer Nutzer in der aktuellen Krise. Dahinter steckt ein knallhartes Kalkül.

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          Digitalwährungen sind in aller Munde. Die aktuelle Krise rund um die Börse FTX und die generelle Unsicherheit sind in der Branche mit Händen zu fassen. Ein Bitcoin kostete diese Woche zeitweise weniger als 16 .000 Dollar. Doch gerade in dieser Zeit findet sich in der höchst umstrittenen Fuß­ballweltmeisterschaft in Qatar an vielen Banden Werbung von Crypto.com – Reihe in Reihe mit globalen Marken wie Qatar Airways, Adidas oder Coca-Cola. Auch in der Formel 1 ist das Unternehmen schon länger vertreten und macht mit Werbung auf den Boliden von Aston Martin auf sich aufmerksam.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer steckt hinter diesem Sponsor? Die Kryptobörse soll eigenen Angaben zufolge die am schnellsten wachsende App auf dem Markt sein. Vor sechs Jahren ge­gründet, hat die Börse schon 70 Millionen Nutzer. Der heutige Chef Kris Marszalek ist einer der Mitgründer, zusammen mit Bobby Bao, Rafael Melo und Gary Or. Die Namensähnlichkeit zum Wirecard-Betrüger Jan Marsalek ist übrigens rein zufällig. Das Unternehmen hat seinen Geschäftssitz in Singapur, der Mutterkonzern ist allerdings auf Malta registriert. Das Land hat durch seine kryptofreundliche Regulierung viele Un­ternehmen der Branche angelockt, da­runter auch den FTX-Rivalen Binance.

          Auch Basketball wird gesponsort

          Mit Formel 1 und Fußball-WM ist für Crypto.com noch keineswegs Schluss. In den Vereinigten Staaten haben sie die Namensrechte an der Heimstätte des Basketballteams Los Angeles Lakers gekauft, die mittlerweile Crypto.com Arena heißt. Sogar an der Champions League hatte das Unternehmen Interesse: Die Handelsbörse hatte für Gazprom parat gestanden, als der Vertrag mit dem russischen Gasriesen aufgelöst wurde – eine halbe Milliarde Dollar wollte das Unternehmen dafür springen lassen. Letzten Endes gab es dann Bedenken be­züglich der Lizenzen in Großbritannien und Italien, sodass der Vertrag nicht zu­stande kam.

          Hinter dem rührigen Sport-Engagement steckt knallhartes Kalkül. Nicht von ungefähr tauchen aktuell sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs) auf, eine Art digitale Sammelbilder. Wie ein Panini-Album in digital, nur dass das Geschäft deutlich größer ist. Und diese NFTs sollen dann eben auf Crypto.com gehandelt wer­den.

          Eigene Digitalwährung eingebrochen

          Dieses Vorgehen ist eine riskante Wette, denn letzten Endes basiert es auf der Hoffnung, dass viele Menschen Interesse an diesen NFTs haben und auch bereit sind, dafür einen stolzen Preis zu zahlen. Doch spätestens nach der FTX-Pleite mehren sich die Zweifel an solchen Geschäftsmodellen, so auch an dem von Crypto.com. Zumindest die Kapitalabflüsse sollen nach Angaben der Großbank JP Morgan im Vergleich zur Krypto-Konkurrenz besonders stark zu sein. Die hauseigene Cronos-Digitalwährung fiel von 0,1267 Dollar auf bis zu 0,05691 Dollar – deutlich stärker als andere Digitalwährungen.

          Im Gegensatz zur insolventen Börse FTX ist jedoch die hauseigene Währung nicht als Sicherheit für die Kundengelder hinterlegt. Die JP-Morgan-Analysten erwarten daher, dass die Unsicherheit und der Kapitalabzug über Wochen an­halten werden. Keine guten Aussichten also, wenn zudem noch Millionen in das Sportsponsoring fließen.

          Crypto.com versuchte immerhin, für etwas Transparenz im Geschäft zu sorgen. 30 Prozent seiner Reserven liegen demnach in der ältesten Digitalwährung Bitcoin. Diese ist halbwegs wertstabil, aber eben nicht ganz: Seit der FTX-Pleite ist der Kurs der Währung von rund 22 000 Dollar auf weniger als 16 000 Dollar eingebrochen – ein Minus von rund 27 Prozent. Und schon die zweitgrößte Position ist die Kryptowährung Shiba Inu, die eigentlich als Satire auf Digitalwährungen gestartet war.

          Zweifel bleiben

          Die Größe der Position überrascht, da der Shiba Inu nur auf Platz 15 der größten Digitalwährungen rangiert. Crypto.com veröffentlichte daraufhin weitere Wallet-Adressen, auf denen Digitalwährungen liegen, um das nötige Vertrauen herzustellen. Ob das ausreicht, um bei einem Kapitalabzug in großem Umfang gegenzuhalten, ist offen. Vorstandschef Marszalek betont indessen, dass „Abhebungen wie gewohnt funktionieren“.

          Doch viele Zweifel bleiben. Beispielsweise wurden zuletzt 400 Millionen Dollar an eine andere Kryptobörse geschickt – ein Versehen, wie es dann hieß. Solch ein Versehen war auch eine Überweisung von 10 Millionen Dollar, obwohl nur 100 Dollar abgehoben werden sollten – was allerdings erst Monate später auffiel. Wenn man sich die Folgen solcher Missgriffe vor Augen führt, wundert es nicht, dass bei der insolventen Kryptobörse FTX Kundengelder verschwunden sind.

          Erschwerend hinzu kommen die internen Aufsichtsprobleme, die zum Abbruch der jüngsten Champions-League-Verhandlungen führten. Die Finanzaufsicht Bafin prüft zur Zeit, ob das Unternehmen in Deutschland überhaupt aktiv werden und um Kunden werben darf. Die österreichische Finanzaufsicht FMA ging sogar wegen der fehlenden Lizenzen gegen das Unternehmen vor.

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