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Börsenwoche : Wer beeinflusst die Finanzmärkte stärker: Putin oder die Fed?

Auch die Finanzmärkte befassen sich mit Wladimir Putin. Bild: EPA

Die Fed konkurriert um die Aufmerksamkeit der Investoren: Der Ukraine-Konflikt hat nicht nur Auswirkungen auf den Ölpreis. Anlagenfachleute sagen, welche Wertpapiere jetzt gewinnen oder verlieren könnten.

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          Der Ölpreis hat am Freitag die Marke von 90 Dollar überschritten – und führt zu immer wilderen Pro­gnosen darüber, wo er dieses Jahr noch landen könnte. 100 Dollar hält die Investmentbank Goldman Sachs für möglich. Die Fondsgesellschaft Salytic Invest spricht nun sogar von 150 Dollar. Sie nennt vor allem den Konflikt mit Wladimir Putin als Grund für den heftigen Preisanstieg – die Angst vor einem Krieg.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Putin bewegt die Finanzmärkte. Allerdings konkurrierte in der zurückliegenden Woche Amerikas Notenbank Federal Reserve mit ihren Plänen für Zinserhöhungen um die Aufmerksamkeit der Investoren. Sie dominierte wohl. Der Goldpreis beispielsweise gab im Wochenverlauf spürbar nach, auf zuletzt 1790 Dollar je Feinunze (31 Gramm). Das dürfte der Fed geschuldet gewesen sein; auch wenn manche Rohstoffanalysten meinten, der Preis wäre noch stärker gefallen, wenn die geopolitischen Unsicherheiten nicht manche Anleger zum Edelmetall greifen ließen. Aber das weiß man nicht.

          Und die Aktienmärkte? Der Dax näherte sich am Freitag mit einem Wochenverlust von gut 2 Prozent dem Wochenende. Wie viel davon der Fed und wie viel dem Konflikt mit Putin zuzuschreiben war, sei nicht ganz einfach zu trennen, meinte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Aber die Aktienkurse der Dax-Unternehmen lägen, verglichen mit ihren für dieses Jahr erwarteten Gewinnen, mittlerweile nur bei 13,5. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis entspreche dem Zehnjahresdurchschnitt, obwohl die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen noch immer negativ sei und somit echte Alternativen zu Aktien nach wie vor rar seien. Krämer meinte: „Das ist ein Hinweis darauf, dass die Aktienmärkte nicht nur unter sich abzeichnenden höheren amerikanischen Leitzinsen leiden, sondern auch unter Putin.“

          Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden, rät: „Insbesondere die Energiepreise dürften weiter steigen – energieintensive Unternehmen wären folglich stark betroffen und müssten möglicherweise die Produktion sogar vorübergehend einschränken.“ Im Gegenzug könnten Aktien von Unternehmen, die Flüssiggas LNG liefern, profitieren.

          Bisher besonders stark seien die Kursverluste in Russland und der Ukraine. Die Aktien an Moskaus Börse seien seit Mitte November um 25 Prozent eingebrochen; Finanztitel verloren 35 Prozent, Energiewerte 17 Prozent. „Zweifellos fällt der Konflikt in eine Phase, in der die Märkte wegen Omikron und den Lieferketten sowie Inflation und Notenbanken ohnehin verunsichert sind“, sagt Stephan: „Alle weiteren Schlussfolgerungen hängen von der Frage ab, ob diplomatische Lösungen gefunden werden können – eine Eskalation würde zu Volatilität an den Märkten führen.“

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