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Scherbaums Börse : Wenn die Nachhaltigkeit in den Hintergrund rückt

  • -Aktualisiert am

In den Rohren schwarzes Gold: Die Investition in die Ölfirma Occidental Petroleum hat sich für Warren Buffett bisher gelohnt, hier die Ölgewinnung in Hobbs, New Mexico Bild: Reuters

Einstmals hochgejazzte Technologiewerte werden abgestoßen und dafür Öl-Aktien gekauft, die früher verpönt waren. Wie geht es mit diesen neuen Stars nun weiter?

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          Das Börsenjahr 2022 hat so manche Anlegerstrategie etwas auf den Kopf gestellt. Wer bis zum Jahresanfang eine Aktienanlage machen wollte, mit der man quasi im Schlaf seine Rendite machen konnte, der investierte einfach in Amerikas große Tech-Werte Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Co. Das Investment war hipp, die Kurse kannten eigentlich nur eine Richtung und entsprechend war die Rendite gut. Dann kam der Ukrainekrieg und alles übrige, mit den Kursen der von vielen Investoren geliebten Tech-Werte ging es erst (einmal) bergab.

          Mit dem Ukraine-Konflikt veränderte sich auch bei vielen Anlegern die Sichtweise auf das bis dato wichtige Thema Nachhaltigkeit. Dieses rückte bei Investments auf einmal in den Hintergrund, und so prognostizierten nicht wenige Marktexperten im Frühjahr ein Comeback der Öl-Aktien – und dies obwohl man gerade in Europa versuchte wegen des Ukraine-Konflikts noch schneller vom Öl wegzukommen.

          Christoph Scherbaum
          Christoph Scherbaum : Bild: Christoph Scherbaum

          Einer, der bereits schon wesentlich früher in Öl-Unternehmen investiert war und im Laufe des ersten Halbjahres 2022 seine Positionen ausbaute, war Warren Buffett. Amerikas Star-Investor hatte schon Ende 2020 damit begonnen, in den Ölkonzern Chevron zu investieren und baute diese Position daraufhin konsequent aus. Das gleiche Spiel machte Buffett bei Occidental Petroleum. Manch Buffett-Fan mag dies nicht verstanden haben. Denn Buffett ist bekannt dafür, dass er mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ausschließlich in Substanzwerte investiert, die langfristige Positionen im Depot darstellen. Doch in Ölwerte langfristig eine Position aufbauen – wo alle Welt ausschließlich die erneuerbaren Energien favorisiert?

          Öl-Aktien gehören zu den Top-Gewinnern 2023

          Warren Buffett tat es – wohl wie immer aus rein fundamentalen Kriterien. Bis jetzt zahlt sich das Investment vom Altstar der Börse in Öl-Aktien aus. Schaut man auf die Kursentwicklung aller im breiten S&P500-Index gelisteten Unternehmen, dann befinden sich auf Jahressicht unter den besten zehn Aktien acht Unternehmen aus dem Bereich Energie und Öl.

          Absoluter Spitzenreiter ist das Buffett-Investment Occidental Petroleum. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate kletterte der Kurs um fast 130 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgen Titel wie EQT Corp., Marathon Petroleum, Valero Energy, Marathon Oil und auch Exxon Mobil. Der Aktienkurs des Chevron-Konkurrenten konnte im gleichen Zeitraum fast 80 Prozent hinzugewinnen. Chevron-Aktien legten dagegen „nur“ um knapp 58 Prozent zu. Die Liste lässt sich durchaus weiter fortführen – allein unter den Top20 des S&P500 sind zwölf Unternehmen aus den Bereichen Öl und Gas vertreten.

          Was bringt 2023 für Öl-Aktien?

          Stellt sich die Frage für den langfristig orientierten Anleger: Was wird das Jahr 2023 in Bezug auf Energie- und Ölpreise bringen? Eine Möglichkeit, das Thema Öl-Aktien im Depot zu integrieren, nicht aber zu sehr fokussiert auf Einzelwerte zu sein, wäre ein Derivate-Investment.

          Verschiedene Derivate bieten einerseits die Möglichkeit, von der Entwicklung der Ölnotierungen zu profitieren. Andere wiederum nehmen die Aktien von Öl- und Gaskonzernen in den Blick. Der Vontobel Oil-Strategy Index bietet die Möglichkeit, beide Vorgehensweisen zu verbinden. Entsprechend der Marktlage ist der Strategie-Index entweder stärker in Aktien von Ölunternehmen oder in entsprechenden Energiepreis-Futures involviert. Bei den Aktien des Vontobel Oil-Strategy Index handelt es sich um die Titel der nach Marktkapitalisierung zehn größten Ölunternehmen mit Sitz in Amerika oder Kanada.

          Schaut man als Anleger auf Warren Buffett, dann dürfte das Jahr 2023 für Öl-Aktien weiterhin gut verlaufen. Der Öl-Konzern Chevron ist aktuell die drittgrößte Position im Portfolio von Berkshire Hathaway und nimmt über acht Prozent davon ein.

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