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3,8 Prozent Inflation : Weniger fürs gleiche Geld

Höhere Lebenshaltungskosten: Nahrungsmittel wurden auf Jahressicht 4,3 Prozent teurer. Bild: dpa

Die Inflationsrate in Deutschland hat im Juli den höchsten Stand seit mindestens 25 Jahren erreicht. Wie gefährlich ist dieser Rekord?

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          Die Inflationsrate in Deutschland hat im Juli den höchsten Stand seit mindestens 25 Jahren erreicht: 3,8 Prozent – das gab es nicht, seit 1996 die harmonisierte Messung der Verbraucherpreise in Europa eingeführt wurde. Seither war die Teuerungsrate immer niedriger als in jener Zeit, in der Helmut Kohl Bundeskanzler war und Berti Vogts Bundestrainer.

          Löhne steigen bislang nicht mit

          Der neue Rekordwert klingt beunruhigend. Schließlich bedeutet Inflation nichts anderes, als dass die Bürger für das gleiche Geld weniger kaufen können. Das Preisniveau steigt, während die Löhne und Gehälter in Deutschland zumindest bislang nicht in gleichem Maße zulegen.

          Wie gefährlich ist das? Was im Moment zu beobachten ist, kann nicht mit der Hyperinflation im Deutschland während der 1920er Jahre verglichen werden. Immerhin aber erwartet Bundesbank-Präsident Jens Weidmann einen weiteren Anstieg der monatlichen Inflationsrate bis zum Jahresende in Richtung von fünf Prozent.

          Das kann schon weh tun, vor allem dann, wenn Sparer ihr Geld auf unverzinsten Girokonten parken. Sie sollten über Alternativen nachdenken.

          Gastronomen und Händler erhöhen ihre Preise

          Längst treiben nicht mehr allein die Energiepreise die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Im Juli wurde die Inflationsrate nochmal durch einen Sondereffekt gesteigert, weil jetzt Preise mit der höheren Mehrwertsteuer aus diesem Jahr mit denen aus dem vorigen Jahr mit einem geringeren Steuersatz verglichen werden.

          Aber auch jenseits dieses Effekts steigen die Preise für viele Waren, weil es Engpässe gibt. Und Gastronomen und Händler versuchen, Preiserhöhungen als Ausgleich für ihre Corona-Ausfälle durchzusetzen. Das kommt nicht unerwartet: Schon über eine historische Seuche, die Pest in Leipzig 1611, wird berichtet, nach all den Schrecknissen sei auch noch der Bierpreis in den Gasthäusern gestiegen.

          Derzeit sind viele Effekte wohl zeitlich begrenzt, weil sie mit dem Wiederanziehen der Wirtschaft zusammenhängen. Ob daraus am Ende dauerhaft mehr Inflation wird, dürfte auch davon abhängen, ob die Europäische Zentralbank im richtigen Moment den Mut und die Kraft hat, gegenzusteuern.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

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