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Weltwirtschaftsforum : EZB-Präsidentin Lagarde legt nach

EZB-Präsidentin Christine Lagarde trifft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Bild: EPA

Nur einen Tag nach der Ankündigung für ein Aus der Negativzinsen im September kündigt die EZB-Präsidentin in Davos an: Der Einlagezins könnte in dem Monat sogar schon „leicht über null“ liegen. Will sie alle nur verwirren - oder was steckt dahinter?

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          Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat mit Aussagen über einen strafferen geldpolitischen Kurs auch am Dienstag abermals für Bewegung an den Finanzmärkten gesorgt. Nachdem sie zu Wochenbeginn ein Ende der Negativzinsen bis Ende September in Aussicht gestellt hatte, legte sie am Dienstag in Davos im Interview mit Bloomberg TV nach: Der Einlagenzins könnte dann bei null oder auch „leicht darüber“ liegen, führte sie aus. Damit könnte die EZB im Sommer auch einen größeren Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt in Erwägung ziehen. Lagardes Äußerungen vom Montag waren so gedeutet worden, dass sie für Juli eine Anhebung des Einlagenzinses von minus 0,5 auf minus 0,25 Prozent plane und dann bis Ende September bei null Prozent ankommen wolle.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Äußerungen bewegten die Märkte. Der Euro stieg am Dienstag bis auf ein Vierwochenhoch von 1,0735 Dollar. Am Aktienmarkt gehörten Bankaktien zu den Gewinnern, die Kurse vieler Immobilienaktien gaben nach. Banken gelten bei Investoren oft als Profiteure steigender Zinsen, Immobilienunternehmen dagegen leiden eher darunter.

          Lagarde verteidigte in dem Interview, dass die EZB bei den Zinserhöhungen „graduell“ vorgehen wolle, also schrittweise, nicht mit sehr kräftigen Zinserhöhungen gleich zu Anfang. Die Situation sei anders als in den Vereinigten Staaten. Wenn eine „Entankerung“ der Inflationserwartungen zu beobachten wäre, wenn diese sich also völlig ungebremst weiter vom Inflationsziel der EZB entfernen sollten, oder auch wenn es einen starken Druck vonseiten der Nachfrage auf die Inflation gäbe, könnte ein anderes Vorgehen geboten sein – das sehe man im Euroraum aber nicht. Die Inflation werde durch Engpässe im Angebot getrieben. Deshalb bewege sich die EZB in Richtung Normalisierung der Geldpolitik, sie verfalle aber nicht in Panik. Die Inflation im Euroraum lag im April auf dem Rekordwert von 7,4 Prozent, mehr als dem Dreifachen des EZB-Ziels.

          Dass die EZB-Präsidentin am Montag mit einem Blogbeitrag gleichsam den kommenden Sitzungen des EZB-Rates vorgegriffen hatte, war von Beobachtern zum Teil als ungewöhnlich bewertet worden. Commerzbank-Ökonom Michael Schubert sprach jedenfalls von einem „sehr klaren“ Si­gnal. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi war kritisiert worden, dass er bisweilen Entscheidungen öffentlich ankündigte und dem EZB-Rat danach nicht viel anderes übrig blieb, als die Beschlüsse abzunicken, wenn er keine größeren Irritationen der Finanzmärkte riskieren wollte. Im Bloomberg-Interview schloss Lagarde auf die Frage, für wen sie diese Äußerungen getätigt habe, zumindest nicht aus, dass auch die EZB-Ratsmitglieder mitgemeint gewesen sein könnten. Zuletzt hatten sich ungewöhnlich oft EZB-Ratsmitglieder öffentlich zu der Frage geäußert, wann denn die EZB nun die Zinsen anzuheben gedenke.

          Der Niederländer  Klaas Knot hatte eine Zinsanhebung um 0,5 statt 0,25 Prozent im Juli als ersten Schritt  ins Gespräch gebracht.  Auch das lettische Ratsmitglied Martins Kazaks und der Österreicher Robert Holzmann zogen einen solchen Schritt öffentlich in Erwägung. Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau sagte hingegen in Davos Bloomberg TV, eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht Konsens im EZB-Rat.

          Lagarde sagte im Interview, die Unterschiede hinsichtlich der Inflation in den verschiedenen Euroländern beschäftigten sie. Sie seien groß, etwa zwischen den baltischen Ländern, von denen Estland bei 19 Prozent Inflation angekommen ist, und anderen wie Frankreich mit einem „viel niedrigeren Niveau“. Die französische Inflationsrate hatte zuletzt, wohl auch aufgrund politischer Eingriffe vor der Wahl, 5,4 Prozent betragen. Das war zusammen mit Malta der niedrigste Wert.

          Zu den Spekulationen, dass der Wechselkurs des Euros zum Dollar die EZB zuletzt stärker beschäftigt habe, äußerte Lagarde sich sehr zurückhaltend. Zu einer möglichen Angst vor der Euro-Dollar-Parität, also einem Austauschverhältnis von eins zu eins, wollte sie nichts sagen. Ansonsten merkte sie nur an, man verfolge die Entwicklung des Wechselkurses, weil dieser über die Preise für Importe etwa von Energie Auswirkungen auf die Inflation habe.

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