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: Welthandel hilft Deutschland mehr als Amerika

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ham. FRANKFURT, 4. August. Marktteilnehmer stufen die Aussichten für den deutschen und den amerikanischen Aktienmarkt derzeit offenbar unterschiedlich ein. Während im weniger exportorientierten Amerika eine Debatte über einen schnellen ...

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          ham. FRANKFURT, 4. August. Marktteilnehmer stufen die Aussichten für den deutschen und den amerikanischen Aktienmarkt derzeit offenbar unterschiedlich ein. Während im weniger exportorientierten Amerika eine Debatte über einen schnellen Rückfall in die Rezession tobt und die Aktienkurse belastet, halten viele Analysten dank des Aufschwungs der Weltwirtschaft die Gewinne der vielen deutschen Exportunternehmen für robust. Der deutsche Aktienindex Dax hat im Handel am Mittwoch mit 6362 Punkten sogar vorübergehend ein neues Jahreshoch erklommen. Den amerikanischen Aktienindex Dow Jones hingegen trennt von seinem Jahreshoch in Höhe von 11 258 Punkten derzeit ein Abstand von 6 Prozent.

          Wichtig für die weiteren Aussichten des deutschen Aktienmarktes ist, ob sich die Weltwirtschaft weiter kräftig von der Krise erholt. Als gute Pulsmesser für die Weltkonjunktur gelten die Frachtraten für Schiffe. Denn mehr als 90 Prozent der für den Welthandel vorgesehenen Güter werden auf dem Seeweg mit Bulkern, Containerschiffen und Tankern transportiert.

          Kohle und Eisenerz dienen der frühzyklischen Stahlbranche als Vorprodukte. Konjunkturpessimisten verweisen deshalb derzeit gerne auf den Baltic Dry Index, der die Preisentwicklung des Transports auf 26 Hauptschifffahrtsrouten von Schüttgütern wie Kohle, Eisenerz und Getreide misst. Der Baltic Dry Index hat sich seit der Krise kaum erholt und ist zuletzt sogar gefallen, obwohl die Welthandelsorganisation WTO für dieses Jahr einen Zuwachs des Welthandels um mindestens 10 Prozent vorhersagt. Auch deshalb hat der Baltic Dry für viele Volkswirte an Bedeutung verloren. "Zu Recht", sagt auch Carsten Klude von M.M. Warburg & Co. "Der Baltic Dry Index spiegelt nur einen kleinen Ausschnitt des Welthandels wider. "

          Verlässlich ist der Baltic Dry gleichwohl dann, wenn das Angebot an Frachtraum weitgehend konstant ist und damit eine sich verändernde Nachfrage nach Fracht unmittelbar auf die Raten wirkt. Genau das aber ist derzeit nicht der Fall - weder bei den vom Baltic Dry erfassten Raten für Schüttgüter transportierende Bulker noch bei Fertig- und Halbfertigprodukte wie Computer und Textilien transportierenden Containerschiffen. Für Bernd Runde, der für die Nord LB Schiffsfinanzierungen analysiert, steht außer Frage, dass die Containerschifffahrt nach dem Einbruch zum Jahresende 2008 wieder kräftig anzieht. "Die Charterraten sind zwar trotz starker Erholung noch weit unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2008. Aber die Umschlagsmengen in den Häfen und die Frachtraten, also die Transportgebühren je Container und damit die Einnahmen der Reedereien, sind nahezu wieder auf Vorkrisenniveau."

          Dies ist nach Ansicht von Runde umso bemerkenswerter, als das Angebot deutlich zugenommen hat. Viele neue Containerschiffe seien auf den Markt gekommen, und auch die Zahl der wegen mangelnder Nachfrage zwischenzeitlich nicht genutzten Schiffseinheiten sei von in der Spitze fast 12 Prozent auf aktuell 2 Prozent der gesamten Flotte zurückgegangen. "Das Angebot an Tonnage beziehungsweise Ladekapazität aller Containerschiffe wird deshalb in diesem Jahr real um über 10 Prozent steigen", sagt Runde. Dies sei bei der Bewertung und Aussagekraft von Indizes wie dem Baltic Dry für Bulker oder dem Harpex für die Containerschifffahrt zu berücksichtigen.

          Auch Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, meint: "Der zuletzt schwache Baltic Dry Index ist mehr ein Zeichen eines zu hohen neuen Angebots an Transportkapazität als ein Zeichen einer einbrechenden Nachfrage - auch wenn die abnehmende Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft sicherlich ein Faktor für den schwächeren Baltic Dry Index war." Hürkamp hält die OECD-Frühindikatoren für ein besseres Maß, um den Welthandel zu prognostizieren. "Viele Investoren unterschätzen, dass dieser Indikator auf einem Allzeithoch notiert, obwohl die Wirtschaftsentwicklung sowohl in der Euro-Zone als auch in den Vereinigten Staaten relativ enttäuschend verläuft", sagt Hürkamp. Das Geheimnis dahinter sei, dass der OECD-Frühindikator für Asien ein so starkes Momentum aufweise, dass er die Wachstumsschwäche in etablierten Volkswirtschaften wie dem Euro-Raum und Amerika mehr als kompensiere. So liegt der OECD-Frühindikator für Asien um mehr als 30 Prozent über dem Niveau von Mitte 2006. Der Indikator für den Euro-Raum dagegen liegt 6 Prozent, der Indikator für Amerika 3 Prozent unter dem Niveau von Mitte 2006.

          Die deutsche Industrie ist für den von Asien aus angetriebenen Welthandel offensichtlich hervorragend positioniert. 2009 gingen deutsche Waren im Wert von 59 Milliarden Euro nach Nordamerika - weniger als nach Asien mit 112 Milliarden Euro. Allein China nahm deutsche Güter im Wert von 41 Milliarden Euro ab. "Viele Unternehmen klagen derzeit über eine enttäuschende Geschäftsentwicklung in Europa. Unternehmen mit Zugang zum asiatischen Konsumenten strotzen dagegen vor Selbstbewusstsein", sagt Hürkamp mit Blick auf die gerade veröffentlichten Gewinne zum Beispiel der deutschen Automobilindustrie im zweiten Quartal.

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