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Weltenbürger Dax : Zu wenig deutsche Aktienkäufer

Der ruhmreiche Dax Bild: Reuters

Selbst in Zeiten niedriger Zinsen machen die Deutschen weiterhin einen Bogen um die Börse. Selbst schuld – so werden die üppigen Dividenden zunehmend von ausländischen Anlegern eingestrichen.

          Das vermag die angekratzte deutsche Exportseele doch ein wenig zu beflügeln. Die Aktien der größten börsennotierten Konzerne hierzulande sind im Ausland heiß begehrt, wie eine aktuelle Auswertung zeigt – erlahmende Weltkonjunktur hin oder her.

          Mehr als die Hälfte der Anteilsscheine wird von ausländischen Investoren gehalten. Die Deutschen haben dagegen zunehmend weniger Aktien der 30 Dax-Mitglieder im Depot. Selbst die deutschen Autohersteller, die sich mitten im größten Strukturwandel ihrer jüngeren Geschichte befinden, stoßen bei ausländischen Anlegern noch auf Vertrauen.

          Die meisten Dax-Mitglieder sind mittlerweile längst zu weltumspannenden Konzernen gereift, die ihren Hauptsitz zwar in Deutschland haben, im Durchschnitt aber fast zwei Drittel ihrer Mitarbeiter jenseits der Landesgrenzen beschäftigen.

          Aus dieser Entwicklung folgt zweierlei: Zum einen wächst der Einfluss der ausländischen Investoren auf die Unternehmenspolitik und damit langfristig auch auf Entscheidungen über Investitionen und Arbeitsplätze. Gegensteuern könnten die deutschen Anleger. Doch – und das ist die zweite Erkenntnis – selbst in Zeiten niedrigster Zinsen machen viele weiterhin einen großen Bogen um die Börse. Die vergleichsweise üppigen Dividenden streichen deshalb zunehmend ausländische Anleger ein. Der Dax ist längst ein Weltenbürger.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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