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Nach Greensill-Pleite : Deutscher Banker hilft Credit Suisse

Großer Name: Markenzeichen von Credit Suisse an einer Filiale in Basel Bild: Reuters

Investoren von Lieferketten-Fonds des Schweizer Geldhauses könnten durch die Greensill-Turbulenzen viel Geld verlieren. Das hat personelle Konsequenzen. Ein deutscher Manager soll nun für einen Neustart des betroffenen Geschäftsbereichs sorgen.

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          Die Schweizer Großbank Credit Suisse muss vier Lieferketten-Finanzierungsfonds auflösen, die eng mit dem insolventen britisch-australischen Finanzhaus Greensill Capital verbunden sind. Dies könnte die CS und die Investoren, die rund 10 Milliarden Dollar in diese vermeintlich sicheren Anlagevehikel gesteckt haben, noch teuer zu stehen kommen.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Wie teuer es wird, hängt auch davon ab, wie geschickt die Bank bei der weiteren Abwicklung der Problem-Fonds vorgeht. Dabei setzt sie nun auf die Erfahrung eines Deutschen: Ulrich Körner soll am 1. April die Führung der Sparte Asset Management übernehmen. Unter deren Dach wurden die Greensill-Fonds strukturiert und vertrieben.

          Mit Schweizer Pass

          Der 58 Jahre Manager, der auch einen Schweizer Pass hat, leitete bis 2019 das Asset Management des großen CS-Rivalen UBS. Der gebürtige Freiburger ist aber auch gut mit der Credit Suisse vertraut. Von 1998 bis 2009 arbeitete der Betriebswirt, der an Universität St. Gallen promoviert wurde, für die CS und stieg dort bis zum Finanzvorstand auf.

          Varvel, der seit 2016 das Asset Management der CS leitete, muss die Bank zwar nicht verlassen. Aber der Amerikaner (Jahrgang 1963), dessen Dienstsitz in New York ist, muss sich fortan auf seine Rollen als Amerika-Chef und Chairman der Investmentbank beschränken. In den Medien war zuletzt auch spekuliert worden, dass der Stuhl der CS-Risikochefin Lara Warner ins Wanken kommen könnte. Denn sie habe schon im vergangenen Jahr erfahren, dass ein wichtiger Vertrag zur Versicherung möglicher Ausfälle in den Greensill-Fonds nicht verlängert werde. Dies dementierte eine Sprecherin der Bank auf Anfrage: Warner habe den ersten Hinweis auf eine am 1. März 2021 ablaufende Versicherungstranche erst am 22. Februar erhalten. Die Nicht-Verlängerung des Versicherers Tokio Marine war ein zentraler Grund für die Schließung der Fonds.

          Mit dem Personalwechsel an der Spitze des Asset Managements geht ein Umbau einher. Die Sparte, die sich vor allem mit Anlagen für professionelle Anleger wie zum Beispiel Pensionsfonds befasst, wird aus dem Geschäftsfeld Vermögensverwaltung ausgegliedert und fortan als separate Einheit geführt. Damit strahlen mögliche Sonderlasten aus der Greeensill-Affäre nicht mehr auf die Paradedisziplin des Konzerns ab. Anders als Varvel wird Körner in die oberste Konzernleitung einziehen und direkt an den CS-Vorstandsvorsitzenden Thomas Gottstein berichten.

          Gottstein steht seit Mitte Februar 2020 an der Spitze der Bank. In dieser Zeit verdiente der Schweizer 8,5 Millionen Franken. Sein Vorgänger Tidjane Thiam, der wegen einer internen Bespitzelungsaffäre das Feld räumen musste, hatte 2019 noch 10,7 Millionen Franken erhalten. Der in Kürze ausscheidende Verwaltungsratspräsident Urs Rohner strich unverändert 4,7 Millionen Franken ein. Der gesamte Bonus-Topf schrumpfte um 7 Prozent auf 2,95 Milliarden Franken.

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