https://www.faz.net/-gv6-a26ol

Warnung von Experten : Im Herbst droht eine Welle von Privatinsolvenzen

  • Aktualisiert am

Überschuldung wirkt sich oft auch auf das Privatleben aus (Illustration). Bild: dpa

Europaweit erhalten Schuldnerberatungen deutlich mehr Anfragen verzweifelter Verbraucher. Fachleute rechnen mit einer stark steigenden Zahl von Privatpleiten – und gehen davon aus, dass es eine „eher unübliche Klientel“ trifft.

          1 Min.

          Bald könnte eine Welle von Privatinsolvenzen auf Europas Verbraucher zurollen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert Vertreter von Schuldnerberatungen aus verschiedenen europäischen Ländern, laut denen seit dem Frühjahr deutlich mehr Privathaushalte den Rat von Verschuldungsspezialisten gesucht hätten. „Der Bedarf an Beratung wird deutlich steigen“, sagte demnach etwa Roman Schlag, Sprecher des Verbands der deutschen Schuldnerberatungen (AG SBV). Schlag ist Schuldnerberater beim katholischen Wohlfahrtsverband Caritas

          Auch laut Maria Kemmetmüller vom österreichischen Schuldnerberatungsverband seien in einigen Bundesländern schon deutlich mehr Anfragen von Verbrauchern zu beobachten. „Im Herbst erwarten wir einen Anstieg der Beratungen im Umfang von insgesamt 40 Prozent“, sagte Kemmentmüller laut Bloomberg.

          Das europäische Schuldnernetzwerk European Consumer Debt Network schätzt, dass schon 10 Prozent der Haushalte europaweit ein Problem haben. Berater Costa Skliris meint, dass sich diese Quote verdoppeln dürfte.

          Ansturm von Verbrauchern erwartet

          Die Nachfrage bei den großen Schuldnerberatungen von Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritas und Deutschem Roten Kreuz (DRK) ist deutschlandweit einem Bericht zufolge coronabedingt stark gestiegen. Die Caritas meldet laut der Nachrichtenagentur KNA einen Zuwachs an Neuregistrierungen für die Schuldnerberatung um 13 Prozent von März bis April und um weitere 13 Prozent von April bis Mai.

          Das ergab eine schon in der vergangenen Woche veröffentlichte Umfrage der „Augsburger Allgemeinen“. Einen Ansturm erwarten die Schuldnerberatungen demnach ab dem Herbst. Dann liefen viele staatliche Corona-Hilfen aus, zudem rechne man mit zeitverzögert eintretenden Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten.

          Die Schuldenberater gehen zudem davon aus, bald auf eine „eher unübliche Klientel“ zu treffen, wie es weiter hieß. „Menschen aus der Mittelschicht, die bis zur Pandemie gut über die Runden gekommen sind, vielleicht ein Auto oder ein Haus abbezahlen müssen und durch Corona völlig unerwartet in eine finanzielle Schieflage geraten“, so AWO-Expertin Sabine Weisgram. Das DRK teilte ferner mit, man erwarte einen „deutlichen Zuwachs“ beim Bedarf an „sozial-emotionaler Unterstützung“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.