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Zukunft klassischer Geldhäuser : Kurz vor der Bankendämmerung

Der Letzte macht das Licht aus: Blick auf die Frankfurter Skyline Bild: Getty

Zahlungen abwickeln? Ist im Internet bequemer. Geldanlage, Kredit? Können Fintechs besser. Wozu also brauchen wir in der digitalisierten Welt noch Banken?

          Es ist ein unerhörter Gedanke: Was wäre, wenn es in der Welt keine Banken mehr gäbe? Thomas Weinmann, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Kapitalanlagegesellschaft Astorius, kann das nicht schrecken. Er erlebt tagtäglich, dass Banken längst nicht mehr die Rolle innehaben, die sie zu früheren Zeiten spielten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Viele seiner Kunden, durchweg vermögende und eher konservative Klientel, sparen sich die traditionelle Hausbank. Sie regeln ihre Bankgeschäfte online, verzichten bei der Geldanlage auf den Bankberater und entscheiden selbst, welche Wertpapiere sie kaufen. In einer Bankfiliale schauen sie höchstens noch zum Geldabheben vorbei – das Einzige, wozu die Bank darüber hinaus noch nötig ist, ist für ein Konto. So betrachtet, ist es weniger verwegen, als es klingt, wenn Weinmann die Prognose wagt: „Das Sterben der Banken kommt erst noch richtig in Fahrt. In fünf bis zehn Jahren haben die Großbanken nur noch wenige Filialen – wer soll da auch noch hingehen?“

          Weinmann ist keiner, der den Banken den Untergang wünscht, er selbst hat einst bei der Dresdner Bank gelernt. Der aktuelle Trend passt auf jeden Fall zu seiner Prognose. In der vergangenen Woche hat die Bundesbank die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Bankfilialen bekanntgegeben: 2017 gab es 1900 Filialen weniger in Deutschland als 2016. „Der Rückgang der Zweigstellen spiegelt auch den Trend zur Digitalisierung und vermehrten Nutzung von Online-Banking wider“, vermerkt die Bundesbank dazu.

          Es geht, das zeigt dieser nüchterne Satz, um mehr als nur um einige Filialen. Die viel größeren Fragen lauten: Welche Zukunft haben die Banken noch in einer digitalisierten Welt, in der sich andere Unternehmen viel besser auskennen als sie selbst? Braucht man in Zukunft überhaupt noch Banken? Und falls ja: Was haben diese Banken noch mit den klassischen Banken gemein, wie sie die Deutschen seit Jahrzehnten kennen?

          Mehr als nur schlechte Nachrichten für klassische Banken

          Die Diskussion ist längst entbrannt, deutlich vernehmbar in der akademischen und publizistischen Welt (davon zeugen Buchtitel wie Jonathan MacMillans „Das Ende der Banken: Warum wir sie nicht brauchen“) – leiser, dafür aber umso besorgter, in den Vorstandsetagen der Banken. Dort verursachen Zahlen wie die jüngste Umfrage des IT-Verbands Bitkom Aufregung, wonach 20 Prozent der Deutschen überhaupt keine Bankfiliale mehr aufsuchen und 40 Prozent der Bundesbürger dafür offen wären, ihre Bankgeschäfte auch über Apple, Google und Amazon vorzunehmen, sobald möglich.

          Für die klassischen Banken wie Deutsche Bank und Commerzbank sind das nicht einfach nur schlechte Nachrichten. Nein, es ist mehr als das: Früher oder später kann sie diese Entwicklung in ihrer Existenz bedrohen.

          Besonders in einem Geschäftsfeld müssen sich die Banken schon seit längerer Zeit härtester Konkurrenz erwehren. Die Rede ist vom Geschäft mit Zahlungsdienstleistungen. Dahinter versteckt sich ein relativ simpler Vorgang: der elektronische Transfer von Geld von Konto A zu Konto B.

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          Es handelt sich um eine ureigene Domäne der Banken, trotzdem ist es Diensten wie Paypal gelungen, hier mit großem Erfolg einzudringen. Paypal bietet den Kunden kein Bankkonto an. Aber die Firma hat verstanden, was Banken wohl zu spät begriffen haben – dass Bezahlen ein lästiger Vorgang ist, den sich die Menschen so einfach wie möglich machen wollen.

          In seinem Paypal-Account muss man nur ein einziges Mal die Daten seiner Bankverbindung oder Kreditkarte hinterlegen. Wählt man dann bei einem Online-Einkauf Paypal als Bezahlmöglichkeit aus, braucht man nicht bei jedem neuen Online-Anbieter wieder alle seine Zahlungsdaten neu eintippen, es reicht die Eingabe des eigenen Passworts.

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