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Mögliche Verstaatlichung : Was Uniper-Aktionäre jetzt wissen sollten

Aktionäre von Uniper haben harte Monate hinter sich. Was steht noch bevor? Bild: AFP

Der Bund prüft, die Mehrheit an dem strauchelnden Gaskonzern zu übernehmen. Für Anleger gibt es nun im Grunde noch zwei Möglichkeiten, Kursgewinne mit der Aktie zu erzielen. Beide sind allerdings hochspekulativ.

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          Wer im vorigen Winter Aktien des Energieunternehmens Uniper gekauft hat, hat schwere Monate hinter sich. Vom Aktienkurs von gut 40 Euro damals sind heute gerade einmal 4 Euro übrig. Die hohe Abhängigkeit des Unternehmens von russischem Gas hat die Eon-Abspaltung zum Schmuddelkind der deutschen Börse gemacht – und zu einem der größten Kursverlierer in Folge des Angriffskriegs auf die Ukraine.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun plant der Staat offenbar, seine schon im Juli eingeleitete Beteiligung von 30 Prozent noch einmal deutlich zu erhöhen. Gespräche über eine Mehrheitsbeteiligung wurden bestätigt. Das Unternehmen würde damit faktisch verstaatlicht. Was bedeutet das für die verbliebenen Aktionäre?

          Das Urteil der Börse war deutlich: Als die Überlegungen am Mittwoch bekannt wurden, rauschte der Aktienkurs noch einmal um 17 Prozent in die Tiefe. Im frühen Handel am Donnerstag ging es dann kurzzeitig um mehr als 7 Prozent nach oben. Doch im weiteren Tagesverlauf sank der Kurs dann wieder auf die 4 Euro vom Vortag. Für die meisten Marktteilnehmer scheint klar: Auf absehbare Zeit überwiegen die Risiken in der Aktie die Chancen bei Weitem. Unmittelbar würde eine weitere Kapitalerhöhung den Aktienkurs weiter verwässern, weil eventuelle Gewinne in jedem Fall auf mehr Aktien verteilt werden.

          Was bringt eine Verstaatlichung?

          Und wenn der Staat bei der neuen Kapitalerhöhung wieder so vorgeht wie zuletzt bei der Lufthansa und die Aktien nur zum Nennwert kauft, dann würde das Uniper auch kein nennenswertes neues Geld in die Kassen spielen. Die Ratio wäre wohl eher, dass der Bund als Hauptaktionär die Ratings von Uniper deutlich verbessern würde – und im Geschäft mit Terminkontrakten ist das Vertrauen der Gegenpartei in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens nun einmal das A und O.

          „Sollte der Staat seinen Anteil an Uniper auf über 50 Prozent erhöhen, dürfte er das wieder zum Nennwert der Aktie machen“, erklärt Guido Hoymann, der die Uniper-Aktie für das Bankhaus Metzler analysiert. „Der liegt bei 1,70 Euro, also weit unter dem aktuellen Börsenkurs.“ Hier habe der Staat seit der Bankenkrise dazu gelernt, als er bei der Commerzbank zu Kursen auf Marktniveau eingestiegen war. Aber für die bestehenden Aktionäre ist das freilich keine erfreuliche Aussicht.

          UNIPER SE NA O.N.

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          Analyst Vincent Ayral von der amerikanischen Großbank JP Morgan zeigte sich enttäuscht von der Aussicht auf eine Ausweitung der Staatsbeteiligung. Es sei wenig überraschend, dass der Versorger und die Bundesregierung nach abermaligen Stabilisierungsmaßnahmen suchten, schrieb er in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Erstaunt zeigte er sich aber über die Idee einer Eigenkapitalerhöhung inklusive daraus folgender signifikanter Mehrheit des Bundes. Als die Bundesregierung im Juli ihren ersten Stabilisierungspakt mit dem Unternehmen geschlossen habe, hätte es schließlich noch geheißen, dass eine weitere wirtschaftliche Verwässerung der Uniper-Aktionäre vermieden werden solle.

          Zwei Möglichkeiten für Kursgewinne

          Für Aktionäre gibt es nun im Grunde noch zwei Möglichkeiten, Kursgewinne mit der Aktie zu erzielen, die aber beide hochspekulativ sind. Die eine wäre, dass Russland seine Gaslieferungen wieder normalisiert und dadurch die Marktpreise rasch wieder sinken. Am Finanzmarkt wird spekuliert, dass Uniper nach dem nun fast vollständigen Ausbleiben der russischen Gaslieferungen für die Erfüllung seiner eigenen langfristigen Lieferverträge bis zu 120 Millionen Euro am Tag verlieren könnte. Eine Entspannung am Gasmarkt ist aber wohl erst nach einer Veränderung der politischen Verhältnisse in Moskau zu erwarten.

          Die andere Möglichkeit für Kursgewinne für die Anleger besteht darin, dass der Bund nach einem Mehrheitseinstieg Uniper auch komplett übernehmen und von der Börse nehmen könnte. Auf diese Weise würde der Bund dann den bisherigen Großaktionär Fortum los, hinter dem der finnische Staat steht, der dadurch bei allen wichtigen Entscheidungen mitreden darf.

          Hoymann vom Bankhaus Metzler umreißt dieses Szenario so: „Nach einer solchen Kapitalerhöhung könnte der Bund das Delisting des Unternehmens von der Börse beschließen und müsste den verbliebenen Aktionären den Durchschnittspreis der vergangenen sechs Monate zahlen.“ Statt der aktuellen 4 Euro könnte dann zum jetzigen Stand ein Preis um die 10 Euro gezahlt werden. Allerdings ist offen, ob der Staat so plant und wenn ja, wann er ein solches Angebot zu welchem Preis machen würde. Hoymann rät von solchen Spekulationen ab: „Darauf, dass dabei ein höherer Preis als der aktuelle gezahlt wird würde ich als Anleger nicht wetten.“

          Für Fortum wieder könnte ein solches Vorgehen Vorteile bringen, wie das amerikanische Analysehaus Bernstein Research hervorhebt. Die Aktien des finnischen Energiekonzerns beließ Analystin Deepa Venkateswaran nach Bekanntwerden der Übernahmepläne auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 15 Euro belassen.

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