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Was treiben die Banken? (7) : Warum Banken ihre eigenen Schulden lieben

Bild: Rüchel, Dieter

Banken leihen sich lieber Geld, als es von ihren Aktionären einzusammeln. Das erhöht das Risiko. Wenn’s schiefgeht, haftet der Steuerzahler.

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          Sind Bankenkrisen so etwas wie Naturkatastrophen, vergleichbar mit Erdbeben oder Hurrikans? Die Banken selbst wollen das gern glauben machen. Wenn man wenig tun kann gegen solche Krisen, sind strengere Regeln für Banken schwer zu rechtfertigen. Dann kann die Politik nur abwarten und im Notfall helfend eingreifen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für ihre Argumentation können die Banken anführen, dass es Bankenkrisen immer gegeben hat. Phasen wie zwischen 1940 und 1970, als es vergleichsweise wenig Zusammenbrüche und Krisen von Banken gab, waren in der Geschichte eher die Ausnahme. Seit 1970 ist die Zahl der Crashs gestiegen; sie war aber auch schon mal im 19. Jahrhundert recht hoch.

          Sind Bankenkrisen also etwas Schicksalhaftes? Ist es halt einfach nicht vermeidbar, dass immer mal wieder in der Geschichte alle Bankkunden zu ihrer Bank laufen und ihr Geld abheben, weil sie die Panik packt?

          Riskanter Hebel

          Ganz so unvermeidbar sind Bankenkrisen zum Glück nicht. Auch wenn es nicht leicht ist, sie zu verhindern. Es gibt aber eine wichtige Größe, die dabei eine Rolle spielt, sie entscheidet darüber, wie schnell eine Bank pleitegeht, wenn ihre Geschäfte schlecht laufen: Das ist das Mischungsverhältnis von Eigen- und Fremdkapital - also von Geld, das die Bank bei ihren Aktionären einsammelt, und dem Geld, das sie sich von anderen leiht.

          Die Bedeutung von eigenem und geliehenem Geld für das Risiko einer Bank hatten wir in Folge 2 dieser Serie erklärt. Und zwar am Beispiel von Melanie, die sich ein Haus baut: Je weniger eigenes Geld Melanie für ihr Haus einsetzt und je mehr sie sich leiht, desto größer sind die Gewinnchancen beim Verkauf des Hauses. Umgekehrt steigt leider auch das Verlustrisiko, je höher die Schulden sind.

          So ist es auch bei der Bank: Das geliehene Geld, das Fremdkapital, erhöht die Wirkung des eigenen Geldes im Kreditgeschäft. Bei einem guten Geschäft steigert es den Gewinn, bei einem schlechten ist ein höherer Verlust möglich. Das Fremdkapital wirkt in beide Richtungen als riskanter Hebel.

          Mischungsverhältnis von eigenem und geliehenem Geld entscheidend

          Nun können nicht alle Geschäfte einer Bank gut ausgehen. Es gibt immer Kredite, die nicht zurückgezahlt werden. Und es gibt Zeiten, in denen werden sogar auffällig viele Kredite nicht zurückgezahlt - weil etwa die Wirtschaft insgesamt gerade nicht gut läuft.

          In solchen Zeiten ist die Frage wichtig, wie das Mischungsverhältnis von eigenem und geliehenem Geld im Geschäft der Bank aussieht. Wenn eine Bank viel geliehenes Geld einsetzt, trifft sie der Ausfall härter, als wenn sie sich stärker auf die Möglichkeiten ihres eigenen Geldes beschränkt hätte.

          Zur Veranschaulichung kann wieder Melanie herhalten, die ihr Haus leider in einer Wirtschaftsflaute verkaufen muss: Wenn sie ihr Haus hauptsächlich selbst finanziert hatte, verliert sie zwar auch einen Teil ihres eingesetzten Geldes. Wenn sie sich aber zusätzlich zu ihrem eigenen Geld noch viel geliehen hatte und so ein teureres Haus kaufen konnte, als es ihr sonst möglich gewesen wäre, vervielfacht sich ihr Verlust. Es trifft sie härter - und sie muss womöglich Verwandte um Nothilfe bitten. So verhält es sich auch bei den Banken. Zu wenig Eigenkapital macht die Bank anfälliger. Wenn hingegen eine Bank mehr Geld bei ihren Aktionären einsammelt, sinkt das Risiko von Crashs und Insolvenzen. Sie wird sicherer.

          Mehr Eigenkapital

          Wem nützt das? Dazu muss man sich angucken, wer für das Versagen von Banken haftet. Wenn eine Bank mit ihren Geschäften Verluste macht, schrumpft zunächst das Eigenkapital - die Aktionäre verlieren Geld.

          Ist alles Eigenkapital aufgebraucht und die Bank geht pleite, verlieren eigentlich diejenigen Geld, die der Bank etwas geliehen haben. Das sind die Gläubiger. Für einen Teil des Geldes, das ihnen von den Sparern geliehen wurde, haben die Banken jedoch untereinander vereinbart, für Verluste einzustehen. Sie haben die sogenannte Einlagensicherung organisiert. Dann haften die anderen Banken für die Fehler der Kollegen.

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