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Was treiben die Banken (10) : Die gute Bank hat viel Kapital

Was läuft da schief? Banker und Lobbyisten wehren sich gegen eine schlichte Regulierungsidee Bild: dpa

Es gibt eine einfache Regel, die das Finanzsystem sicherer macht. Sie lautet: Viel mehr Eigenkapital. Gut eingesetzt ist es ein Puffer für eine mögliche Krise.

          Man würde gerne glauben, dass sich die Verhältnisse seit der Finanzkrise grundlegend gebessert hätten. Man möchte doch meinen nach all den politischen Ankündigungen, das Finanzsystem müsste sicherer geworden sein. Von wegen. „Das Bankensystem von heute, selbst einschließlich der vorgeschlagenen Reformen, ist genauso gefährlich und zerbrechlich wie das System, das uns in die Krise geführt hat“, schreiben die Ökonomen Anat Admati und Martin Hellwig in ihrem Buch „Des Bankers neue Kleider“. Nur zur Erinnerung an 2007 und was danach geschah:

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Banken hatten Risiken übernommen, die sie nicht tragen konnten. In der Folge mussten sie mit gewaltigen Summen gestützt werden, die von den Steuerzahlern stammen. Die zweite Gruppe Leidtragender sind Millionen von Arbeitslosen, welche die der Bankenkrise folgende Weltwirtschaftskrise produziert hat. Wenn Hellwig und Admati recht haben, blüht eine Neuauflage der Krise, weil der Bankensektor immer noch nicht gesund ist, genauer gesagt: Immer noch voller Risiken ist.

          Zwei Methoden, um Geschäfte zu finanzieren

          Was läuft da also schief? Banker und Lobbyisten wehren sich gegen eine schlichte Regulierungsidee, die inzwischen vom ökonomischen Mainstream getragen wird wegen ihrer eleganten Schlichtheit: Mehr Eigenkapital im Verhältnis zu den Schulden. Oder anders ausgedrückt: Eine Schuldengrenze. Beim Eigenkapital handelt es sich um eine profane Bilanzgröße, in der sich spiegelt, wie Banken sich ihr Geld besorgen, um damit zu arbeiten: Wie alle anderen Unternehmen auch haben sie zwei Methoden, ihre Geschäfte zu finanzieren: Sie leihen sich Geld von anderen (Fremdkapital), oder sie holen sich Geld von ihren Eigentümern (Eigenkapital).

          Fürs Fremdkapital müssen die Banken selbst regelmäßig Zinsen und Tilgungsraten zahlen. Aufs Eigenkapital gibt es Dividende, vorausgesetzt, die Geschäfte werfen Gewinn ab. Verluste schmälern das Eigenkapital. Es wird damit zum Krisenpuffer. Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Krisenpuffer heißt nicht, die Bank hält das Eigenkapital quasi als Cash-Reserve für Notfälle. Nein, die Bank nutzt das Eigenkapital genauso für Ausleihungen an Kunden wie das geliehene Geld. Deshalb ist auch das damit verbundene Argument, Banken müssten die Kreditversorgung der heimischen Wirtschaft drosseln, wenn sie ihr Eigenkapital aufzustocken hätten, schlicht falsch und ein Beitrag zur bewussten Irreführung des Publikums. Der Unterschied liegt nicht in der Verwendung von Eigenkapital und Fremdkapital, er liegt in der Rechtsstellung.

          Schulden aufnehmen ist billiger

          Im Krisenfall werden die Gläubiger (Fremdkapitalgeber) befriedigt, im schlimmsten Fall bis zur kompletten Auszehrung des Eigenkapitals (Insolvenz): deshalb der Begriff Krisenpuffer. So ist es keine komplizierte Folgerung, dass Unternehmen mit großem Krisenpuffer ceteris paribus sicherer sind als Unternehmen mit kleinem Puffer. Die Eigenkapitalquote (das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme) der Dax30-Unternehmen hat sich von 2007 bis 2012 verbessert auf rund 35 Prozent. Geldinstitute wie die Deutsche Bank haben auch leicht gewonnen - auf eine Eigenkapitalquote von ungefähr drei Prozent. In anderen Banken ist es nicht anders: Eine notorische niedrige Ausstattung mit Eigenkapital im Vergleich zur klassische Wirtschaft gehört zu den allgemeinen Gepflogenheiten.

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