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Was treiben die Banken? (1) : Da schau her: Die Banker sind nackt

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Das kann etwa passieren, wenn die Zinsen einer Volkswirtschaft über ein paar Jahre hinweg deutlich steigen. Dann steigen nämlich auch die Zinsen, die die Bank fürs Tagesgeldkonto ihres Kunden zahlen muss - oder er wandert ab zur Konkurrenz. Was aber dummerweise nicht parallel steigt, sind die Zinsen, die der Hausbauer zahlt, der von der Bank vor Jahren einen Kredit bekommen hat. In solch einem Fall gerät die Bank über kurz oder lang in eine Klemme. Denn irgendwann muss sie höhere Zinsen zahlen, als sie hereinbekommt. Das kann in die Insolvenz führen.

Ebenfalls höchst gefährlich ist es, wenn sich das, wofür der Kredit gegeben wird, als keine gute Investition erweist. Wenn etwa die Hauspreise in einer Region, wo die Bank viele Immobilienkredite vergeben hat, sinken. Dann zahlt der Kreditnehmer ein Haus womöglich jahrzehntelang zu einem mittlerweile völlig überhöhten Wert ab. Solange er das tut, gibt es wenig Probleme. Die Frage lautet: Wird er das dauerhaft tun? Wenn nämlich nicht, dann hat die Bank zwar ein Haus, auf das sie zurückgreifen kann. Aber das ist deutlich weniger wert als ursprünglich angenommen. Die Bank verliert.

Hoch gefährliche Sache

Schlimm wird es, wenn viele Hauseigentümer sich auf einmal ihr überteuertes Haus nicht mehr leisten können (etwa weil parallel die Wirtschaft einbricht und viele ihre Stellen verlieren) oder wollen. Dann kann es für die Bank schnell existenzbedrohend werden. Wie in der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008. Hinter all den komplizierten Produkten, die dort für das Wanken der Banken sorgten, steckten nämlich simple Kredite an amerikanische Hausbauer - die nicht mehr entsprechend der ursprünglichen Konditionen bedient wurden, weil die Hauspreise auf breiter Front sanken.

Das zeigt: Das Geschäft mit Krediten, ein scheinbar so einfaches und berechenbares Instrument, ist eine hoch gefährliche Sache. Schon dieses Kerngeschäft der einfachen Sparkasse ist pure Spekulation. Und genau deshalb riskant. Natürlich beschafft sich eine moderne Bank ihr Geld nicht nur über Girokonten. Und sie gibt es auch nicht bloß in Form von Krediten an Privatpersonen und Firmen weiter. Aber die meisten der weiteren Geschäfte, die eine Bank macht, funktionieren auch nicht groß anders.

Geld wird eingesammelt auf vielfältige Weise: Fonds, Tagesgeld, Festgeld, Kredite von anderen Banken. Und Geld wird vergeben, um es möglichst irgendwann mit Gewinn zurückzubekommen: als Hauskredit, als Investition in Aktien, Staatsanleihen oder auch in komplizierte Wertpapiere wie CDS und ABS. Vieles, was die vielgescholtenen Investmentbanker an ihren Bildschirmen in London, Tokio und New York tun, mag riskant sein. Doch es geht auch dort vor allem darum, das kurzfristig von Anlegern bekommene Geld möglichst so weiterzugeben, dass es mehr einbringt, als es die Bank kostet.

Und wenn eine Bank wirklich arge Probleme hat, dann steckt dahinter meist am Ende ein ganz simples Produkt: ein fauler Kredit oder genauer massenhaft faule Kredite. Das war nicht nur in der Finanzkrise so. Auch die Euro-Krise ist in ihrem Kern eine Überschuldungskrise. Banken haben Staaten Kredit gegeben (über Staatsanleihen), den einzelne Länder auf einmal nicht mehr bedienen können. Siehe da: Auch die Kreditvergabe an Staaten ist kein sicheres Geschäft.

Die neue Serie der F.A.S.: Was treiben die Banken?

The Bankers’ New Clothes, die neuen Kleider der Banker, heißt ein Buch der Ökonomen Martin Hellwig und Anat Admati (Princeton University Press, 18,95 Euro), in dem diese die Bankenwelt entzaubern.

Das Buch hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung für eine neue Serie inspiriert: In zehn Folgen sollen die wichtigsten Themen zum Verständnis des Geschäfts und der Risiken der Finanzwelt beschrieben werden.

Los geht es in dieser Woche mit einem Beitrag darüber, dass Bankgeschäft ursprünglich Kreditgeschäft ist, auch wenn es oft in einem ganz anderen Gewand daherkommt.

Nächste Woche beschäftigen wir uns damit, was eigentlich genau passiert, wenn jemand einen Immobilienkredit erhält. (“Immobilienkredite - Melanie finanziert ein Haus“)

In weiteren Folgen werden die Funktion von Eigen- und Fremdkapital für Banken beschrieben, die Rolle von Sparern und Gläubigern sowie Maßstäbe für den Erfolg von Banken. sibi.

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