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Finanzprodukt : Investieren in den Deckungsstock der Allianz

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main Bild: Bloomberg

Wer dieser Tage in einer Commerzbank-Filiale Geld anlegen will, bekommt oft ein eher ungewöhnliches Produkt namens Index Select empfohlen. Was verbirgt sich eigentlich dahinter?

          3 Min.

          Die Erfahrung, was einem in Bankfilialen so empfohlen wird, ändert sich immer. Was aber raten die Banker einem Kunden im Augenblick, wenn er 10.000 Euro fest anlegen will, noch nicht genau weiß, wofür, und nicht gerade einen notleidenden Eindruck macht? Für Sparbriefe gibt es schließlich fast nichts mehr.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bundesanleihen haben sogar mit zehn Jahren Laufzeit eine negative Rendite. Und der noch vor wenigen Jahren üblichen Praxis, Kunden in solchen Fällen einfach einen Bausparvertrag zu empfehlen, auch wenn sie gar nicht bauen wollen, haben die Bausparkassen selbst mit ihrer Kündigungswelle und veränderten Tarifen den Garaus gemacht.

          „Investieren Sie doch in den Deckungsstock der Allianz“: Das ist eine Empfehlung, die man dieser Tage deshalb oft in den Filialen der Commerzbank hört. Die Begründung klingt ebenso einfach wie logisch: In einer Zeit, in der es am Markt fast keine Zinsen mehr gibt, lohne es sich für Anleger, sich einfach an diejenigen zu hängen, die noch die alten, hoch verzinsten Wertpapiere in ihren Portfolios haben - die Versicherer.

          „Sicherungsvermögen“ nennt sich dabei der Bestand der Versicherer an Vermögensgegenständen, die im Insolvenzfall mögliche Forderungen der Versicherungsnehmer abdecken sollen. Manche benutzen dafür weiter den alten eigentlich überholten Begriff des Deckungsstocks. Neben Anleihen aller Art finden sich darin beispielsweise auch sehr langfristige Investments in Infrastruktur.

          Jährliche Rendite niemals negativ

          Wie aber kann man als Privatanleger dort überhaupt investieren? Was die Commerzbanker gern empfehlen, ist weder die Aktie der Allianz, die in diesem Jahr auch noch nicht besonders gut gelaufen ist, noch eine Anleihe des Unternehmens. Es geht vielmehr um ein Produkt, das sich „Schatzbrief Index Select“ nennt; eigentlich eine Rentenversicherung.

          Aber wenn man den Commerzbankern glauben darf, eignet sich das Produkt auch dafür, einfach mal 10.000 oder 20.000 Euro fest anzulegen, wenn einem die Tagesgeldzinsen nicht reichen. „In Zeiten des Niedrigzinsumfelds ist es für viele sicherheitsorientierte Kunden attraktiv, ein Produkt zu wählen, hinter dem das Sicherungsvermögen und ein Garantieversprechen der Allianz stehen“, sagt Oliver Strube, Produktmanager Vorsorgeprodukte bei der Commerzbank. Beim Schatzbrief Index Select handele es sich um eine „Rentenversicherung der dritten Schicht“:

          Man zahlt einen festen Betrag ein, kann ihn unter Umständen aufstocken und erwirbt am Ende den Anspruch auf eine lebenslange Rente, die man sich auch als einmaligen Betrag auszahlen lassen kann. Die Laufzeit beträgt mindestens zwölf Jahre.

          Der Witz dabei: Jedes Jahr kann der Anleger entscheiden, ob er lieber einen festen Zinssatz bekommen will, den ihm die Allianz anbietet - oder eine Rendite, deren Höhe nach bestimmten Regeln an den Aktienindex Eurostoxx 50 gekoppelt ist, zu dem zum Beispiel Aktien wie Daimler, Bayer oder die ING Group gehören.

          Wer immer nur den festen Zinssatz wählt, für den ist das Produkt nicht attraktiv. Offenbar gibt es schon unter den Allianz-Produkten andere, die dann vorteilhafter sind. Das Prinzip lebt also davon, dass der Anleger zumindest in manchen Jahren die Variante „Partizipation am Aktienmarkt“ wählt.

          Dann aber gibt es eine besondere Konstruktion: Jedes Jahr legt die Allianz neu eine Obergrenze für die monatliche Rendite fest, den sogenannten Cap. Liegt die Rendite des Index darüber, fließt sie nur bis zu dieser Obergrenze mit in die Berechnung ein. Im Gegenzug gibt es am Jahresende eine Garantie, dass die jährliche Rendite niemals negativ wird.

          „Das ist weniger als bei vielen Fonds“

          Ein Beispiel: Dieses Jahr liegt die feste Verzinsung bei 2,9 Prozent. Der monatliche Cap für die Indexpartizipation (Stichtag 1. September) liegt bei 3,3 Prozent. Hat man die 2,9 Prozent gewählt, steht die Rendite fest. Hat man Indexpartizipation gewählt, orientiert sich die Rendite Monat für Monat am Index, bis zur Obergrenze 3,3 Prozent. Sollte sie fürs Gesamtjahr negativ werden, wird sie auf Null gesetzt. „Bruttobeitragsgarantie“ nennt sich das.

          Die Folge: Der Anleger profitiert von guten Börsenjahren, aber deutlich weniger, als wenn er direkt in den Index investieren würde, etwa über einen börsengehandelten Indexfonds (ETF). Dafür behält er in schlechten Börsenjahren zumindest sein Kapital. „Es gab Indexjahre, da hat der Eurostoxx 50 fast 20 Prozent gewonnen“, sagt Strube. Mit einem monatlichen Cap von 3,2 Prozent lag die Rendite aufs Jahr gerechnet bei 8 Prozent. Umgekehrt habe es aber auch Jahre gegeben, in denen der Index 18 Prozent verloren habe - dann wurde die Rendite auf Null gesetzt.

          Bild: F.A.Z.

          Die Garantie bezahlt der Anleger gleichsam mit dem Cap - und mit Kosten des Finanzprodukts. Sie hängen von der Höhe des angelegten Betrags und von der Laufzeit ab. Die Gesamtkostenquote liegt Strube zufolge zum Beispiel für einen Vertrag mit zwölf Jahren Laufzeit je nach Höhe des Einmalbetrags bei etwa einem Prozent pro Jahr. „Das ist weniger als bei vielen Fonds“, meint Strube.

          Unumstritten ist „Index Select“ gleichwohl nicht. Während das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) das Konzept in einem Vergleich mit der Note 1,1 lobt, gab es Kritik von Verbraucherschützern, dem Bund der Versicherten und der Zeitschrift Öko-Test.

          Manche nennen die Kosten zu hoch, andere nennen das Produkt zu intransparent. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisierte, dass durch Ausdrücke wie „Indexpartizipation“ der Eindruck erweckt werde, das Geld des Anlegers werde am Aktienmarkt investiert; dabei würden lediglich erwirtschaftete Überschüsse abzüglich der Kosten in Optionsgeschäfte gesteckt, welche die Entwicklung des Aktienindex simulierten.

          Die Allianz wies die Kritik zurück; das Produkt werde nur über Vermittler vertrieben, die dazu umfassend berieten.

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