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Bank of England : Was die britische Notenbank zu negativen Leitzinsen sagt

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Gebäude der Bank of England in London Bild: AFP

An der Geldpolitik ändert sich in Großbritannien aktuell nichts. Doch Fachleute diskutieren, wie eine Äußerung der Währungshüter zu möglichen negativen Leitzinsen zu verstehen sein könnte.

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          Trotz der weiter auf der Wirtschaft lastenden Corona-Krise kommt für die britische Notenbank eine Senkung der Zinsen unter null zurzeit nicht infrage. Die Währungshüter um Notenbankchef Andrew Bailey beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag bei 0,1 Prozent und das Volumen ihres laufenden Wertpapierkaufprogramms bei 895 Milliarden Pfund. Zugleich signalisierten sie, dass sie derzeit keine negativen Zinsen anvisieren. Am Geldmarkt sorgte der Wink dafür, dass ein solcher Schritt nun erst für Februar 2022 und nicht mehr für August erwartet wird.

          Lange Vorbereitung nötig

          Nach Erkenntnissen der Bank of England (BoE) bräuchten die Geldhäuser auf der Insel mindestens en halbes Jahr, um sich auf ein von negativen Leitzinsen geprägtes Umfeld einzustellen. Dies ergab eine Umfrage bei HSBC, Lloyds, Barclays & Co. NordLB-Analyst Bernd Krampen liest aus der Ankündigung der Währungshüter heraus, dass diese sich auch in Zukunft mit aller Macht gegen die Krise stemmen wollen und dass Zinssenkungen perspektivisch nicht grundsätzlich vom Tisch seien. „Die BoE bedient sich dabei jedoch eines gewissen Bluffs, jederzeit noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben, ohne es aber eigentlich einsetzen zu wollen“, erläuterte Krampen. Bailey betonte, die Finanzmärkte sollten nicht von den jetzigen Entscheidungen der Notenbank auf die Zukunft schließen. „Wir sind dabei sehr transparent. Doch niemand sollte daraus Signale herauslesen.“

          Der Notenbankchef hatte sich unlängst eher skeptisch zur Option negativer Zinsen in Großbritannien geäußert. Darunter könne etwa die Kreditvergabe an Unternehmen leiden. Die Europäische Zentralbank (EZB) und auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) sind nicht dieser Auffassung und haben bereits vor Jahren negative Zinsen eingeführt. Der sogenannte Einlagezins liegt bei der EZB bereits seit 2014 im negativen Bereich und wurde zuletzt im September 2019 von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Bei der SNB liegt der sogenannte Zins auf Sichteinlagen noch tiefer bei minus 0,75 Prozent.

          Was ist der „Umkehrzins“?

          In Notenbank-Fachkreisen wird schon seit längerem über den sogenannten „Umkehrzins“ diskutiert. Das ist das Zinsniveau, von dem aus weitere Senkungen schädliche Auswirkungen für eine Volkswirtschaft haben. Wo diese Zinsuntergrenze genau liegt, ist aber von Volkswirtschaft zu Volkswirtschaft unterschiedlich. Für die Euro-Zone vertreten viele Währungshüter die Auffassung, dass es beim Einlagesatz nach wie vor Spielraum nach unten gibt. Erst Ende Januar hatte der Notenbank-Chef der Niederlande, Klaas Knot, so argumentiert.

          Auch wenn die Folgen des mittlerweile dritten Lockdowns in Großbritannien schwer auf der Wirtschaft lasten, geben die Fortschritte bei der Impfkampagne auf der Insel laut Bailey Grund zur Zuversicht. Zudem ist die Gefahr eines harten Brexit mittlerweile vom Tisch, vor der die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals lange gezittert hatte.

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