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Übernahmen : Was der Fusionsmarkt noch in petto hat

Hunger nach mehr: Finanzinvestoren erwerben Unternehmen wie den Tierbedarf-Händler Zooplus. Bild: dpa

Am Übernahmemarkt herrscht Hochkonjunktur. In Deutschland waren fünf günstige Faktoren dabei eher schwach ausgeprägt, meint Goldman Sachs. Das lässt für 2022 noch mehr erwarten.

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          Der globale Fusions- und Übernahmemarkt kann das Jahr 2021 schon jetzt als sein bislang stärkstes verbuchen: Die kumulierten Volumina überstiegen im Laufe des Oktobers jene des bisherigen Rekordgesamtjahres 2007. In Deutschland sind frühere Höchststände noch nicht erreicht – aber auch hier steuert der Markt auf einen hohen Jahresabschluss zu. Und dabei sind hierzulande mehrere begünstigende Faktoren ausgeblieben oder schwach ausgeprägt gewesen, heißt es von der  Investmentbank Goldman Sachs.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tibor Kossa und Christopher Droege, in der Bank Ko-Leiter des Geschäfts für M&A (Mergers & Acquisitions) in Deutschland und Österreich, führen fünf Aspekte an: Die ganz großen transatlantischen Fusionen fehlten ebenso wie „transformatorische Deals“, welche die Branche maßgeblich verändern. Die Großfusion zwischen Vonovia und Deutsche Wohnen in der Immobilienbranche war eine Ausnahme. Weiterhin war es in Deutschland kein Jahr der „feindlichen Übernahmen“, also solcher gegen den Willen des Managements, und auch nicht der Mega-Übernahmen durch Private Equity, im Branchenjargon LBOs (Large Buy-outs) genannt. Schließlich fielen aktivistische Aktionäre nicht besonders auf – abgesehen von Enkraft Capital, das den Energiekonzern RWE seit einiger Zeit zu einem schnelleren Kohleausstieg auffordert.

          Private Equity sitzt auf immer mehr Geld

          Diese Faktoren sollen nach dem Dafürhalten der Banker das Geschehen bald wieder mehr beeinflussen. Beispiel Amerika: Leichteres Reisen, weniger politische Spannungen unter Präsident Joe Biden, das Streben nach geografischer Expansion und nach sicheren Lieferketten dürften Fusionen zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen begünstigen. Von Beteiligungsgesellschaften seien zunehmende Impulse zu erwarten, weil sie über immer weiter steigende Anlagesummen verfügten. „Es ist einfach mehr Geld da“, sagte Droege. Nach Daten der Statistikdienstleister Prequin und Pitchbook ist die Summe der von Private-Equity-Fonds verwalteten Vermögen global von 2,2 Billionen Dollar im Jahr 2013 zuletzt auf geschätzte 5,1 Billionen Dollar gewachsen. „Die Fonds werden immer größer“, sagte Droege. Die Investoren finanzieren einzelne Deals aus bestimmten Einzeltöpfen und können immer höhere Beträge daraus aufwenden – zusätzlich bleibt die Möglichkeit, zusammen mit Konkurrenten zu bieten.

          Zooplus als Musterfall

          Im Fall des Münchener Online-Tierbedarfshändlers Zooplus taten sich EQT und Hellman & Friedman zusammen, wenn auch nur, weil ihre Einzelgebote zu scheitern drohten. Mit solchen waren sie ins Rennen gegangen, hätten jeder für sich mehr als drei Milliarden Euro aufgebracht, in einem Deal, der bemerkenswerterweise ohne Kredit, nur durch Eigenkapital, finanziert war.

          In der Gesamtschau kommen also mehrere Faktoren zusammen, welche Großtransaktionen begünstigen. „Das macht den Ausblick für Super-LBOs sehr positiv“, resümierte Droege. Welche Rolle Private Equity dieses Jahr bisher spielte, leitet sich aus Zahlen des M&A-Datendienstleisters Refinitiv ab. Demnach entfielen 43 Prozent des Übernahmevolumens in aller Welt auf Transaktionen, in denen Private Equity als Käufer und/oder Verkäufer beteiligt war. Üblich waren in den vorangegangenen Jahren Werte um 30 Prozent.

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