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Scherbaums Börse : Was bringt die neue Dividenden-Saison?

  • -Aktualisiert am

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse Bild: Wolfgang Eilmes

Dividenden sind wichtiger Bestandteil für viele Aktien-Anleger beim persönlichen Vermögensaufbau. Diese Rendite dürfte 2020 bei vielen Konzernen mager oder gar ganz ausfallen. Wie attraktiv sind dann überhaupt Dividenden-Aktien noch?

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          Eigentlich ist jetzt an der Börse für viele Anleger eine gute Zeit. Jedes Frühjahr finden die alljährlichen Hauptversammlungen der börsennotierten Konzerne statt. Auf den Aktionärstreffen werden dann viele wichtige Entscheidungen getroffen. Die für Anleger oftmals wichtigste ist die, über die jährlichen Ausschüttungen der Gewinne. Ein teilweise sehr schöner zusätzlicher Geldregen stellt sich also in der ersten Jahreshälfte bei vielen Aktionären, neben den bereits gewonnenen Kursgewinnen ein. So war das in den vergangenen Jahren zumindest.

          2020 wird es anders sein. Hatten Prognosen noch zum Jahresanfang Rekordsummen an Dividenden für das Geschäftsjahr 2019 vorhergesagt, dürfte sich die Situation durch die Folgen der Corona-Krise gehörig geändert haben. Bei vielen Konzernen kam bereits schon die Ankündigung, dass man die Ausschüttung kürzen bzw. ganz streichen werde.

          Optisch hohe Kursverluste an den Tagen „ex-Dividende“, also am Tag nach der Hauptversammlung der jeweiligen Konzerne, dürften dieses Jahr eher Seltenheit sein. Entsprechend dürfte die Zahl der sogenannte Dividendenjäger ebenfalls kleiner sein. Diese haben in der Vergangenheit traditionell gute Aktien sehr kurz vor den Aktionärstreffen gekauft, die Dividende mitgenommen und nach einer entsprechenden Kurserholung nach „ex-Dividende“ wieder verkauft.

          Kappungen von Dividenden

          Robert Halver, Marktexperte von der Baader Bank, ist beim Thema Dividende skeptisch: „Aus der bevorstehenden US-Berichtsaison für das erste Quartal 2020 lässt sich kaum ein stimmungsfestigender Optimismus ableiten. Das gilt auch für weitere Aussetzungen und Kappungen von Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen.“ Er sagt aber auch: „Dennoch kann man auf die Ausblicke gespannt sein. Angesichts einer Erwartungshaltung die gegen null tendiert, wird jede kleine Aufhellung positiv gewertet.“

          Auch bei Janus Henderson Investors, die jedes Jahr den gleichnamigen Global Dividend Index veröffentlichen, ist man der Ansicht, dass sich die Dividendensituation weltweit angesichts der Corona-Pandemie und deren Folge deutlich ändern wird. Sie habe für die Weltwirtschaft sowohl einen Nachfrage- als auch einen Angebotsschock zur Folge, mit dramatischen Auswirkungen auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, die Unternehmensgewinne und die Dividenden, so Jane Shoemake von Janus Henderson. „Angesichts des Drucks auf die Einnahmen, den Cashflow und die Gewinne haben einige Unternehmen bereits angekündigt, dass sie die Dividendenzahlungen in diesem Jahr aussetzen werden, und wir erwarten, dass weitere folgen werden.“

          Manche Unternehmen sind widerstandsfähiger

          Laut früheren Ergebnissen des Janus Henderson Global Dividend Index sind etwa 60 Prozent der weltweit dividendenzahlenden Unternehmen konjunkturabhängig. Die Dividendenzahlungen solcher Unternehmen dürften unter Druck geraten. Allerdings dürften rund 40 Prozent dieser Unternehmen weltweit defensiver positioniert sein, so dass ihre Dividenden trotz des herausfordernden Umfelds widerstandsfähiger sein dürften, so die Experten weiter.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.

          Hierzu gehören Sektoren wie Versorgung, Basiskonsumgüter, Kommunikationsdienste, Technologie und Gesundheitswesen, aus denen auch die meisten sogenannten Dividendenaristokraten kommen. Darunter versteht man Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen und die Ausschüttung an ihre Anteilseigner regelmäßig steigern. Sie sind die heimlichen Börsenstars vieler Anleger.

          Es sind Werte, denen der Umstand zugute kommt, dass auch in schwächeren Konjunkturphasen Geld für Essen, Medizin oder Produkte des täglichen Bedarfs ausgegeben werden muss. Zu den Dividendenaristokraten zählen Konzerne wie Coca-Cola, Procter & Gamble, Johnson & Johnson oder Colgate-Palmolive. Diese vier amerikanischen Konzerne haben ihre Dividenden nicht nur mindestens 25 Jahre in Serie angehoben, sondern nun schon mindestens 50 Mal hintereinander.

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