https://www.faz.net/-gv6-a3ifi

Stewardship Report : Was Blackrock an deutschen Konzernen auszusetzen hat

Auf der Hauptversammlung der Lufthansa stimmte Blackrock gegen das Vergütungssystem für Vorstandschef Carsten Spohr und seine Kollegen. Bild: dpa

Der weltgrößte Vermögensverwalter hält Anteile an fast allen Dax-Unternehmen. Wo er zuletzt besonders kritisch war, hat er nun veröffentlicht.

          2 Min.

          Der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock hat in vielen deutschen Großunternehmen seine Finger im Spiel. An Siemens etwa hält der Konzern über seine Fonds und ETF insgesamt 6,3 Prozent der Anteile, an SAP 5 Prozent und an der Allianz sogar 6,4 Prozent. Der weltgrößte Vermögensverwalter, der mehr als 7 Billionen Dollar auf sich vereint, gilt als eines der mächtigsten Unternehmen der Welt, auch wenn dort immer wieder betont wird, dass man das Geld ja nur treuhänderisch im Namen unzähliger Anleger investiere.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass Blackrock sehr wohl mitredet in den Konzernen, an denen er beteiligt ist, zeigt dessen nun vorgelegter Stewardship Report. Zwischen Anfang Juli 2019 und Ende Juni 2020 hat der Vermögensverwalter demnach mehr als 3000 sogenannter Dialoge mit Unternehmen geführt. Die Zahl sei damit im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent gestiegen, hieß es von Blackrock. Bei vielen Gesprächen standen demnach die Qualität des Aufsichtsrats, die Unternehmensstrategie und Umweltrisiken im Vordergrund. Aber auch der Umgang mit der Corona-Pandemie und die damit für die Unternehmen verbundenen Herausforderungen hätten die Gespräche geprägt. „Das dürfte in den kommenden Monaten so bleiben“, sagte ein Sprecher des Vermögensverwalters.

          Kritik an Heidelberg-Cement

          Bei netten Gesprächen blieb es aber nicht in allen Fällen. Insgesamt 5100 Mal hat Blackrock nach eigenem Bekunden gegen Aufsichtsratsmitglieder gestimmt; in den zwölf Monaten vor dem Berichtszeitraum seien es 4800 Fälle gewesen. Bei ausgewählten Unternehmen veröffentlicht und begründet der Vermögensverwalter sein Abstimmungsverhalten bei Hauptversammlungen nun auch in sogenannten Vote Bulletins. Im bisherigen Jahresverlauf hat Blackrock 45 solcher Bulletins vorgelegt; in den drei Jahren davor waren es insgesamt nur zehn gewesen.

          Auch deutsche Unternehmen zogen den Missmut der Amerikaner auf sich. Beispiel Heidelberg-Cement: Weil der Baustoffkonzern nicht genug dafür tue, seine Klimarisiken offenzulegen, habe man gegen die Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz-Jürgen Heckmann gestimmt, heißt es in einem solchen Bulletin. Bei der Deutschen Lufthansa stimmte Blackrock auf der Hauptversammlung im Mai sogar in zwei Punkten gegen die Verwaltung: Den Aufsichtsrat strafte der Vermögensverwalter ab, weil er ebenfalls aus seiner Sicht nicht genug für die Aufklärung der Klimarisiken tut. Und auch die Vorschläge zur Vorstandsvergütung missbilligte er.

          Zu viel Gehalt für den Google-Chef

          Blackrock ist nicht der einzige große Vermögensverwalter, der auch mal querschießt, wenn es in einem seiner Portfoliounternehmen nicht nach seinem Willen geht. Zuletzt hatte der zweitgrößte amerikanische Vermögensverwalter Vanguard für Aufsehen gesorgt, als er dem Vorstand des Google-Konzerns Alphabet die Zustimmung zu seinen Millionengehältern verweigerte. Allein der Vorstandsvorsitzende sollte laut Vanguard für das Jahr 2019 Aktien im Wert von 276 Millionen Dollar bekommen, was nach Ansicht des Vermögensverwalters nicht angemessen für seine Leistung gewesen sei.

          Blackrock will nun alle Vierteljahr darüber informieren, inwiefern er in seinen Portfoliounternehmen mitgemischt hat. Neben Klimaschutz und Nachhaltigkeit setzt sich Blackrock auch immer wieder für mehr Frauen in den Führungsetagen ein. Hier sieht der Vermögensverwalter vor allem bei kleineren europäischen Unternehmen Nachholbedarf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) stürmen in Calw während einer Übung in eine Tür (Archivbild).

          Wehrbeauftragte Eva Högl : „Es wäre falsch, das KSK aufzulösen“

          Das Kommando Spezialkräfte wird grundlegend reformiert, um rechtsextreme Umtriebe künftig unmöglich zu machen. Die Wehrbeauftragte war bei der „Höllenwoche“ des Verbands dabei. Ein Gespräch über ihre Eindrücke.
          SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach

          SPD-Gesundheitsexperte warnt : Lockdown möglicherweise schon in wenigen Wochen

          Die jetzigen Einschränkungen reichten nicht aus, um einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen zu verhindern, sagt Karl Lauterbach laut einem Bericht. Er fordert mehr Homeoffice und eine Aufteilung von Schulklassen. Auch der Außenhandelsverband warnt vor einem neuen Lockdown.

          Verbannung beim FC Arsenal : Warum Mesut Özil polarisiert und spaltet

          Mesut Özil wird beim FC Arsenal nicht mehr gebraucht. Sein Verhalten auf und neben dem Platz wirft Fragen auf, auf die es keine Antworten gibt. Denn Politik lässt sich nicht mit Fußballschuhen vermessen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.