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Geldwäsche-Sanktionen : Bankenflucht aus Osteuropa hat weitreichende Folgen

Immer mehr Banken ziehen sich aus Osteuropa zurück. Bild: dpa

Aus Angst, in illegale Geldgeschäfte hineingezogen zu werden, ziehen sich immer mehr Banken aus Osteuropa zurück. Geldgeschäfte werden damit komplexer und teurer – mit Folgen für die Wirtschaft und die Länder.

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          Als Anfang August bekannt wurde, dass Österreichs Raiffeisen Bank International (RBI) keine internationalen Geldtransfers mehr für die staatliche Belarusbank durchführt, da machte das international ein paar Schlagzeilen. Das von Machthaber Aleksandr Lukaschenko unterdrückte Land steht auf Sanktionslisten der EU und der Vereinigten Staaten, das Regime in Minsk unter internationaler Beobachtung. Deshalb wurde öffentlich wahrgenommen, was sonst still und leise passiert: der Abschied westlicher Korrespondenzbanken aus Zentral-, Südost- und Osteuropa. Der teilweise Rückzug von Deutsche Bank, Commerzbank, City oder JP Morgan steht als Beispiel für viele andere.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Für die einzelne Bank ist das verlorene Geschäft in Summe oft nicht relevant, für die betroffenen Länder jedoch durchaus, wie eine neue Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW Mannheim zeigt. Jene Länder, in denen die Zahl der Korrespondenzbanken stark abnahm, hätten größere wirtschaftliche Einbußen verzeichnet, sagt ZEW-Bankenexpertin Karolin Kirschenmann. „Hier lag die Wachstumsrate der Exporte um durchschnittlich sechs bis acht Prozentpunkte niedriger als in Ländern, aus denen sich Korrespondenzbanken kaum zurückgezogen hatten.“ Beispiele sind Lettland, Estland, Moldau, Nordmazedonien oder Montenegro. Dabei spiele die geographische Entfernung von wichtigen Handelspartnern eine Rolle – aber auch Geldwäsche und Korruption.

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