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Kriminalität : Warum immer häufiger Geldautomaten gesprengt werden

Arbeiter räumen nach der Sprengung eines Geldautomaten vor einer Bankfiliale auf. Bild: dpa

Es werden so viele Geldautomaten gesprengt wie nie zuvor. Viele Täter kommen aus den Ausland nach Deutschland und nutzen immer häufiger Sprengstoff. Woran liegt das?

          3 Min.

          Im Jahr 2020 haben Täter versucht, so viele Geldautomaten zu sprengen wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2005. Das geht aus dem Bundeslagebild „Angriffe auf Geldautomaten“, welches das Bundeskriminalamt (BKA) kürzlich veröffentlichte. So gab es im vergangenen Jahr 414 Sprengungen und Sprengversuche, während es im Jahr 2019 noch 349 Fälle waren. Dabei blieb es aber in 62 Prozent der Fälle beim Versuch. Insgesamt stieg die Zahl der physischen Angriffe – etwa mit Winkelschleifern oder hydraulischen Spreizern – auf Geldautomaten um 28,2 Prozent auf 704 Fälle. Im Jahr 2019 waren es noch 549 Fälle.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auffällig ist, dass die Sprengungen besonders in Nordrhein-Westfalen sprunghaft angestiegen sind, von 105 Fällen im Jahr 2019 auf 176 Fälle. Und das liegt tatsächlich an der Nähe zu den Niederlanden. Zwei Drittel aller ermittelten Tatverdächtigen besitzen die niederländische Staatsangehörigkeit. Und in der Tat ist es zu einem regelrechten „Geldautomatensprengungstourismus“ gekommen. 72 Prozent aller Täter sind demnach als „reisend“ einzustufen, sie haben also keinen regionalen Schwerpunkt. Die Polizei selbst spricht von Verdrängungseffekten. Fast alle mutmaßlichen Täter kämen aus dem Großraum Amsterdam und Utrecht und haben einen marokkanischen Migrationshintergrund, schreibt das BKA. Man gehe von einer Szene von bis zu 500 Personen aus, die ein Netzwerk bilden. Die Taten in Westdeutschland sind daher deutlich gestiegen, während die in Ostdeutschland eher gesunken sind.

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