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Weltweites Phänomen : Warum die Zentralbanken weniger Gold kaufen

Goldbarren in einem Lager der Deutschen Bundesbank Bild: Bundesbank / Nils Thies

Die Nationalbanken haben im zweiten Quartal 2020 im Schnitt 50 Prozent weniger Goldreserven erworben. Russland soll die Einkäufe sogar ganz eingestellt haben. Experten nennen verschiedene Gründe.

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          Sie haben im vergangenen Jahr Gold gekauft wie verrückt, dürften zumindest anfangs wesentlich zum sensationellen Anstieg des Goldpreises mit beigetragen haben – entziehen dem glänzenden Edelmetall aber jetzt in der Krise offenbar ihre Zuneigung: Die Notenbanken der Welt kaufen weniger Gold. Sei es, weil die Barren mittlerweile so teuer geworden sind, dass langfristige Investoren wie Staaten oder Notenbanken lieber einen günstigeren Zeitpunkt abwarten – sei es, dass die Notenbanken der Welt mit ihren vielen Sonderprogrammen zur Corona-Pandemie im Augenblick wirklich anderes zu tun haben, als Edelmetall zu kaufen. Beides möge eine Rolle spielen, meint Frank Schallenberger, Gold-Fachmann der Landesbank Baden-Württemberg. Der Ökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank hält auch Aspekte des Währungsmanagements der Notenbanken für eine Ursache; die Notenbanken wollten den Goldanteil an ihren Währungsreserven dann doch nicht zu hoch werden lassen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Sicher ist: Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben die Notenbanken nach Zahlen der Branchenorganisation World Gold Council rund 233 Tonnen Gold erworben. Das klingt auf Anhieb nicht wenig; im Vergleich zu den hohen Zahlen aus dem Vorjahreszeitraum aber war es immerhin ein Rückgang um 39 Prozent. Im zweiten Quartal gingen die Goldkäufe der Notenbanken sogar noch stärker zurück, nämlich um rund 50 Prozent auf 115 Tonnen. „Russland als mit Abstand stärkster Käufer in den vergangenen Jahren hat im zweiten Quartal die Goldkäufe sogar komplett eingestellt“, sagt Gold-Fachmann Schallenberger.

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