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Deutsche EZB-Direktorin : Warum die Position Isabel Schnabels so wichtig ist

Isabel Schnabel ist nun Deutschlands mächtigste Notenbankerin Bild: EPA

Die Aufgaben im neuen Führungsgremium der EZB sind nun verteilt. Obwohl jeder Direktor eine Stimme hat, gelten manche Ressorts als besonders einflussreich.

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          Die Deutsche Isabel Schnabel bekommt eine wichtige Aufgabe im Führungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB): Sie wird im neuen Direktorium zuständig für das Schlüsselressort „Market Operations“, wie die EZB auf ihrer Internetseite mitteilte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das bedeutet, dass Schnabel künftig damit betraut ist, die Geldpolitik der Euro-Währungshüter konkret umzusetzen. Dazu zählen beispielsweise Kaufprogramme für Staatsanleihen oder andere Wertpapier-Typen.

          Der Aufstieg der zuvor in Bonn lehrenden Wirtschaftsprofessorin ist Teil eines umfassenderen Personalwechsels an der Spitze der zweitbedeutendsten Notenbank der Welt. Anfang November trat die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die Nachfolge des EZB-Präsidenten Mario Draghi an. Zudem schieden mit Benoît Cœuré und Sabine Lautenschläger zwei weitere EZB-Direktoren aus ihren Ämtern.

          Wichtiger Chefvolkswirt

          Neben Schnabel ist der stellvertretende italienische Notenbank-Präsident Fabio Panetta zu Jahresbeginn in den Turm im Frankfurter Ostend eingezogen. Panetta übernimmt das Ressort „International and European Relations“, das zuvor Cœuré innehatte. Panetta wird als neuer „Außenminister“ der Notenbank diese etwa während Treffen der Euro-Finanzminister vertreten oder zu anderen Anlässen in Brüssel oder auch beim IWF in Washington. Das EZB-Direktorium besteht inklusive der Notenbank-Präsidentin Lagarde aus sechs Mitgliedern. Gemeinsam mit den Präsidenten der nationalen Euro-Notenbanken entscheidet die EZB-Führungsspitze regelmäßig über die Geldpolitik für die Währungsunion.

          Obwohl die einzelnen EZB-Direktoren jeweils über eine Stimme verfügen, können sie auch qua Zuständigkeit durchaus unterschiedlich einflussreich sein. Als besonders herausgehoben gilt etwa die Position des EZB-Chefvolkswirts. Seine Mitarbeiter analysieren die wirtschaftliche Situation und erdenken geldpolitische Maßnahmen, wie darauf zu reagieren ist.

          Der Chefvolkswirt hält zu Beginn der Ratssitzungen einen entsprechenden Vortrag, der in der Regel die Ausgangsbasis für die folgende Diskussion ist. Erster EZB-Chefvolkswirt war der deutsche Ökonom Otmar Issing, gegenwärtig verantwortet der Ire Philip Lane diesen Bereich.

          Infolge der Euro-Krise hat sich indes die Bedeutung der Position, die nun Schnabel bekleidet, an die des Chefvolkswirts angenähert. Grund dafür ist, dass die EZB eine ganze Serie neuer Instrumente anwendete, um die Krisenfolgen abzumildern: Die Währungshüter senkten die Schlüsselzinssätze auf Tiefstände. Sie verliehen zudem auch langfristiger Geld an die Geschäftsbanken. Vor allem aber legte auch die EZB umfangreiche Anleihe-Kaufprogramme auf.

          Um die geeignete Größe solcher Programme im Vorfeld zu ermitteln, aber auch um die überhaupt vorhandenen Möglichkeiten an den Finanzmärkten dafür zu erschließen, sind Mitarbeiter beschäftigt, die nun Schnabel unterstehen. Aufgrund ihrer Position hält sie zu Anfang der Ratssitzungen ebenfalls einen Vortrag und schildert darin wichtige Preisbewegungen und Stimmungen an den Finanzmärkten – ähnlich wie der Chefvolkswirt das für die Konjunktur macht.

          Vor ihrer Berufung in die EZB-Führung lehrte Schnabel in Mainz und Bonn und war eine der fünf „Wirtschaftsweisen“. Öffentlich hat sich die international renommierte Expertin gerade auch in Deutschland oftmals zu geldpolitischen Entwicklungen und Fragen der Bankenregulierung eingebracht.

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