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Börsenwoche : Wer kauft noch etwas, wenn alles teurer wird?

Die Inflation mindert die Kaufkraft. Bild: dpa

Wertentwicklungen auf dem Aktienmarkt sorgen für eine geringere Kaufkraft des Verbrauchers. Dennoch sollte man nicht täglich auf seinen Finanzstatus schauen.

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          Lohnt sich der tägliche Blick auf die Wertentwicklung des eigenen Aktienportfolios? Jan Pieter Krahnen, der wissenschaftliche Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung Safe und Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Frankfurter Goethe-Universität, hat da eine klare Meinung: „Ich rate davon ab, täglich den Finanzstatus zu überprüfen“, sagte er jüngst in einem Interview mit „Der Zeit“.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Schaut man zurück auf die Märkte in dieser Woche, dann empfahl sich wirklich kein täglicher Blick auf die Wertentwicklung des eigenen Aktien-Portfolios. Die Frustration wäre zu groß gewesen – vielleicht mit Ausnahme des Freitags. Schwache Märkte in Deutschland und Europa wurden von noch stärkeren Einbrüchen in den USA übertroffen, was wiederum für noch schlechtere Vorgaben in Asien und Europa sorgte.

          Der Mittwoch war so ein Beispiel. Die Inflation sorgt dafür, dass Verbraucher Kaufkraftverluste hinzunehmen haben. Entsprechend sind am Mittwoch an der Wall Street, wo der breit angelegte S&P 500 Index im Handelsverlauf um 4 Prozent absackte, insbesondere die notierten Handelsgruppen Walmart und Target unter die Räder gekommen. Die Aktie der Düsseldorfer Handelskette Metro tat es den US-Händlern gleich. Nun sind die größten Händler in Deutschland nicht börsennotiert. Aber auch sie spüren den Trend. Lebensmittel explodieren regelrecht im Preis.

          Wer auf sein Auto angewiesen ist – und das sind im ländlichen Raum viele –, sprengt derzeit an der Tankstelle fast das Limit seiner Kreditkarte. Erst das Entlastungspaket wird die Spritpreise hierzulande wohl wieder unter die magische Grenze von 2 Euro je Liter fallen lassen. Die Folgen der Inflation besorgen die Deutschen laut einer Umfrage noch mehr als der Überfall Russlands auf die Ukraine. Fast ein Drittel befürchtet, den eigenen Lebensstil einschränken zu müssen, und gespart wird jetzt schon kräftig: vor allem bei den Ausgaben für Kosmetik, Bekleidung, Unterhaltung und Reisen.

          Der Umstand, dass die Konsumenten in absehbarer Zeit wenigstens keine Negativzinsen auf ihre inflationsbedingt stets schrumpfenden Ersparnisse zahlen müssen, macht die Aussichten für die Märkte auch nicht besser. Denn Sorgen über zu aggressive Zinsschritte insbesondere der US-Notenbank Fed belasten die Börsen mindestens ebenso stark wie die hohe Teuerungsrate. Da sind chinesische Konjunkturhilfen, die den Märkten zum Wochenschluss Auftrieb gaben, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch in der kommenden Woche sollten Investoren den täglichen Blick aufs Portfolio lieber lassen.

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