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Commerz Real : Die heimliche Perle der Commerzbank

Andreas Muschter, Chef der Commerz Real Bild: Commerz Real

Die Commerzbank wird die M-Bank in Polen verkaufen und die Comdirect auflösen – an ihrer Leasing- und Fondsgesellschaft aber hält sie fest. Was macht die Tochter so wertvoll?

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          Jedes Jahr im September treffen sich Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank und beraten über die Strategie. Im Privatkundengeschäft stellten sich in den vergangenen Jahren nach Informationen der F.A.Z. Fragen wie: Passt die M-Bank in Polen noch zu uns? Wie sinnvoll ist es, in Deutschland mit zwei Banken und zwei Marken im Konzern – Commerzbank und Comdirect – auf Kundenfang zu gehen? Und wie sinnvoll ist es, noch eine eigene Fondsgesellschaft zu haben, wo doch der eigene Anspruch lautete, die Privatkunden „kompetent und fair“ zu beraten, ihnen also hauseigene Fonds nicht mehr per se ins Depot zu drücken?

          Andere längst verkauft

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In diesem September haben Vorstand und Aufsichtsrat zwei dieser drei sich schon länger stellenden Fragen ein für alle Mal beantwortet: Die M-Bank wird verkauft, die Comdirect wird auf die Commerzbank verschmolzen. Die Fondsgesellschaften Jupiter, Adig und Cominvest hat die Commerzbank schon vor mehr als zehn Jahren verkauft. Und die Commerz Real? Warum wird die Wiesbadener Fonds- und Leasinggesellschaft, die der Commerzbank zu hundert Prozent gehört, nicht auch verkauft? „Das müssen Sie die Commerzbank fragen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Muschter. Im Gespräch mit der F.A.Z. wird aber schnell deutlich, auf welche Stärken der Commerz Real die Commerzbank nicht verzichten will.

          Mit einer Bilanzsumme von rund 1,8 Milliarden Euro bewegt die Commerz Real weniger als 0,5 Prozent des Geschäftsvolumens der Commerzbank und bindet insofern wenig Eigenkapital. Mit einer Kosten-Ertrags-Quote von weniger als 50 arbeitet sie aber ziemlich effizient: Denn diese Quote sagt aus, dass Commerz Real weniger als 50 Cent ausgeben muss, um einen Euro Ertrag zu erzielen. Zum Vergleich: Das gesamte Privatkundengeschäft der Commerzbank, dem die Commerz Real zugeordnet ist, gibt rund 80 Cent aus, um einen Euro Ertrag zu erlösen. Hilfreich in der Niedrigzinsphase ist auch, dass Commerz Real so gut wie keine Erlöse aus dem Zinsgeschäft generiert, sondern fast ausschließlich Gebühren. Auch der reine Gewinnbeitrag ist nicht zu verachten. Commerz Real führte schon 2018 nach der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz einen dreistelligen Millionenbetrag an die Commerzbank ab und trug damit wesentlich dazu bei, dass das Privatkundengeschäft vor Steuern einen Gewinn von 735 Millionen Euro erzielte. Für das gerade abgelaufene Jahr wird Commerz Real die Muttergesellschaft mit einer noch höheren Gewinnabführung erfreuen. „Wir haben 2019 das dritte Rekordergebnis nacheinander eingefahren“, sagt Muschter. Doch mit was?

          Das verkannte Leasing

          Bekannt ist Commerz Real vor allem für den Immobilienfonds Hausinvest, weniger bekannt für das Leasinggeschäft. Dabei spielt Letzteres mit einem Neugeschäft von mehr als 1 Milliarde Euro im Jahr keine unwichtige Rolle. Zumal Leasing oft im Vergleich zum Kredit die günstigere Lösung gerade für ein kleine Firma wie eine Arztpraxis oder eine Rechtsanwaltskanzlei ist. In dieser Zielgruppe „Unternehmerkunden“, die dem Segment Privatkunden zugeschlagen ist, sieht die Commerzbank besonderes Wachstumspotential. Dazu passend gingen gut 200 Millionen Euro des Leasing-Neugeschäfts an Unternehmerkunden. Anders als beim Hausinvest, der zu 70 Prozent außerhalb der Commerzbank-Kundschaft abgesetzt wird, gilt beim Leasing: „Jeder Leasing-Kunde ist Commerzbank-Kunde“, sagt Muschter.

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