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Kursachterbahn : Die total verrückte Tesla-Aktie

Vollgas auch an der Börse: Teslas neues Model Y. Bild: EPA

Die Kursschwankungen der vergangenen Woche waren selbst für die Tesla-Aktie stark. Was steckt dahinter? Und lohnt sich der Einstieg noch?

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          Wer in dieser Woche den Kurs der Tesla-Aktie verfolgte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben. Innerhalb von nicht einmal 48 Stunden stieg der Kurs der Aktie um 40 Prozent, kratzte zwischenzeitlich gar an der 1000-Dollar-Marke, um dann am Mittwoch wieder um 20 Prozent zu fallen. Am Ende der Woche steht immerhin noch ein sattes Plus von zehn Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Wertpapier sogar um ganze 70 Prozent zugelegt. Was steckt hinter dieser Entwicklung?

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für die starken Kursschwankungen gibt es zwei Erklärungen. Zum einen gelang es dem Tesla-Chef Elon Musk tatsächlich, eine Reihe guter Nachrichten zu verkünden, die dem Kurs Auftrieb verschafft haben dürften. Seine Gigafactory3 in Schanghai nahm nach nicht einmal zehn Monaten Bauzeit Anfang Januar den Betrieb auf. Die ersten Teslas der Baureihe Model 3 rollten dort bereits vom Band. Zudem wies das kalifornische Auto-Unternehmen Ende des vergangenen Jahres zum zweiten Mal in Folge schwarze Zahlen aus.

          Für Musks Firma ist das nicht gerade Normalität. Bislang war Tesla vor allem als Geldverbrenner bekannt. Aber selbst zu schlechten Zeiten genoss Musk immer das Vertrauen der Investoren. Nun können sich auch die Produktionszahlen 2019 sehen lassen. Dem Geschäftsbericht zufolge wurden im vergangenen Jahr mehr als 350.000 Autos ausgeliefert. Dieses Jahr sollen es planmäßig mehr als eine halbe Million Fahrzeuge sein, die an die Kunden übergeben werden. Und dann kündigte Musk auch noch gewohnt großspurig an, dass Tesla nun regelmäßig Gewinn machen werde.

          Die andere Erklärung hingegen hat weniger mit dem operativen Geschäft und dem aktuellen Erfolg von Tesla zu tun – und erklärt, warum der Höhenflug nur von kurzer Dauer war. Denn Tesla ist seit Jahren das Objekt der Begierde von sogenannten Shortsellern. Diese sind der Meinung, dass die Aktie zu hoch bewertet ist, und spekulieren mit Leerverkäufen auf einen fallenden Kurs, sie verkaufen also Tesla-Aktien, die sie vorher geliehen hatten. Weil der Kurs zuletzt unerwartet stieg und die Wette damit nicht aufging, mussten sie Aktien teurer als geplant kaufen, um sie an die Entleiher zurückgeben zu können. Dadurch treiben sie den Preis nun noch weiter in die Höhe. Der Kurs steigt sprunghaft an.

          Das bestätigt Auto-Analyst Frank Schwope von der Nord LB: „Der Kursverlust von Mittwoch relativiert den starken Kurssprung vom Wochenbeginn und zeigt, dass Spekulation über Fundamentaldaten dominierte.“ Es waren also weniger die positiven Nachrichten aus dem Geschäft, die die Aktie beflügelten, sondern sich verkalkulierende Spekulanten.

          Was bedeutet das nun für Privatanleger? Die meisten Analysten halten einen Preis zwischen 300 und 500 Dollar für gerechtfertigt. Damit haben viele ihre Bewertungen bereits angehoben. Denn Tatsache ist: Tesla ist derzeit auf einem guten Weg in die Profitabilität. Musk und sein Team haben die anfänglichen Schwierigkeiten der Massenproduktion überwunden, das Megaprojekt in China ging rechtzeitig an den Start, und der Ausblick für dieses Jahr lässt hoffen.

          Die Tesla-Aktie bleibt jedoch nach wie vor nur etwas für risikofreudige Anleger. Die Kursschwankungen sind noch zu stark, das Risiko nach wie vor schwer kalkulierbar. Und noch immer kommen auf das Unternehmen hohe Investitionskosten zu, die mit der Einführung neuer Modelle wie dem Tesla Model Y und dem Tesla Truck einhergehen.

          Bis Analysten wirklich zum Kauf der Aktie raten, müsste Tesla regelmäßig schwarze Zahlen schreiben – zunächst im laufenden Quartal. Außerdem muss sich erst noch zeigen, ob die Gigafactory3 in China trotz der Ausbreitung des Coronavirus die Produktion voll aufnehmen kann. Noch ist das Werk nicht betroffen. Das könnte sich kurzfristig ändern und hätte sinkende Produktionszahlen und somit auch niedrigere Umsätze zur Folge.

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