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Wirecard : Das Kartenhaus

Wirecard-Chef Markus Braun musste zurücktreten. Bild: Reuters

Der Skandalkonzern Wirecard kämpft ums Überleben und blamiert Deutschland. Warum ist dieses Schurkenstück erst jetzt aufgeflogen?

          6 Min.

          Jetzt geht es um alles für Wirecard: Nachdem in Asien Firmenguthaben von 1,9 Milliarden Euro nicht mehr auffindbar sind, kämpft der Dax-Konzern aus dem Münchner Vorort Aschheim ums Überleben. Das Unternehmen stellt sich als mutmaßliches Opfer von organisierter Kriminalität dar, aber dieser Finanzskandal ist noch lange nicht aufgeklärt. Einen vergleichbaren Fall hat es in der ersten Liga der börsennotierten deutschen Unternehmen noch nicht gegeben. Der Aktienkurs von Wirecard ist seit Donnerstag ins Bodenlose gestürzt. In zwei Tagen ging der Börsenwert um neun Milliarden Euro auf drei Milliarden Euro zurück. Es klingt wie ein schlechter Scherz: Wirecard verdient sein Geld damit, den Zahlungsverkehr von Händlern sicher abzuwickeln – hat aber selbst keinen Schimmer, wo im eigenen Unternehmen Milliardenbeträge abgeblieben sind.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch zum Lachen ist niemand zumute: In der Nacht zum Samstag stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote von Wirecard um gleich sechs Stufen auf Ramschniveau nach unten. Es bestehe ein „hohes Risiko“, dass es wegen des Vertrauensverlusts zu einem raschen Exodus der Kunden komme. Wer will schon seine Zahlungen von einem Unternehmen weiter abwickeln lassen, das selbst mit so massiven Finanzproblemen kämpft? Bislang arbeitet Wirecard mit 280000 Unternehmen zusammen, von Aldi über BASF und Ikea bis zur Flugbranche, zudem mit Finanzdienstleistern wie Visa, Mastercard, Apple Pay und Alipay.

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