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Wochenausblick : China bleibt für Dax-Anleger das Zünglein an der Waage

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Die andauernden Turbulenzen an Chinas Börsen haben in der letzten Woche auch den deutschen Aktienmarkt weiter in die Tiefe gerissen. Bild: dpa

Schwarzseher scheinen nach dem Fehlstart des Dax in das neue Jahr derzeit Hochkonjunktur zu haben. Das verwundert auch kaum angesichts der weltweiten Börsenbeben nach dem Crash in China sowie der Spannungen im Nahen Osten.

          Die erste Handelswoche im neuen Jahr fiel für viele Dax-Anleger ernüchternd aus: Ein Börsenbeben in China riss auch den deutschen Leitindex Dax in die Tiefe. Er legte am Montag mit einem Abschlag von mehr als vier Prozent den schlechtesten Jahresauftakt seiner Geschichte hin - das Wochenminus betrug 8,3 Prozent.

          Angesichts der Sorgen um die chinesische Wirtschaft müssten sich die Investoren kurzfristig weiter auf starke Kursausschläge einstellen, meint Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM. Mittelfristig - so sehen es die Analysten der Commerzbank - haben Aktienanleger dank der Stärke der USA und des moderaten Wachstums im Euro-Raum allerdings bessere Karten. Entscheidend dürfte die Reaktion der Fed sein, meinen die Commerzbank-Experten Bernd Weidensteiner und Zhou Hao. "Solange die amerikanische Notenbank nicht in Panik verfällt, wird sich die Lage in den nächsten Monaten beruhigen." Zuletzt rechneten viele Ökonomen damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen bis Ende des Jahres die Zinsen auf 1 bis 1,25 Prozent anheben wird. Die Währungshüter hatten Mitte Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Geldpolitik gestrafft.

          Einige Investoren fürchten, dass sich die Fed nun zurückhaltender zeigen könnte. Dies würde Spekulationen schüren, dass die Lage in der Volksrepublik der US-Wirtschaft doch mehr zusetzt. In den vergangenen Tagen hatte die Abwertung des Yuans durch die chinesische Zentralbank die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. In der Volksrepublik selbst beendeten die Behörden den Aktienhandel an zwei Sitzungstagen vorzeitig, weil die Leitindizes  jeweils um rund sieben Prozent abstürzten. Am Freitag sorgte die Aufhebung dieses Mechanismus wie auch die leichte Aufwertung des Yuans für eine Stabilisierung. Unterdessen wurde bekannt, dass die Erzeugerpreise im Dezember im 46. Monat in Folge sanken. Weitere Hinweise auf den Zustand der chinesischen Wirtschaft dürften am Mittwoch die Außenhandelsdaten liefern.

          Auch in den Vereinigten Staaten endete die Börsenwoche mit einem dicken Minus. Der Dow-Jones-Index verlor 6,2 Prozent, der S&P 500 sechs Prozent und die Nasdaq 7,3 Prozent. In den kommenden Tagen stehen für die Amerikaner vor allem die Einzelhandelsumsätze für Dezember (Freitag) im Fokus, die ein Indikator für den privaten Konsum sind. Letzterer steht für etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft. Ebenfalls am Freitag veröffentlicht werden das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und die Lagerbestände. Im Euro-Raum richtet sich der Blick auf die Daten zur Industrieproduktion (Mittwoch).

          Auf der Unternehmensseite könnte der Start der US-Berichtssaison den Märkten Schwung verleihen. Der Aluminiumkonzern Alcoa macht am Montag den Auftakt, zum Ende der Woche folgen mit JP Morgan Chase (Donnerstag), Citigroup und Wells Fargo (jeweils Freitag) die ersten Bankbilanzen.  Schließlich erhalten die Anleger in der neuen Woche noch einen Vorgeschmack auf die Berichtssaison in Deutschland. So legt direkt am Montag der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental vorläufige Jahreszahlen vor.  Ebenfalls zu Wochenbeginn berichtet Konkurrent Hella  über die Entwicklung des zweiten Geschäftsquartals. Am Dienstag folgt dann die Umsatzmeldung des Handelskonzerns Metro für das Weihnachtsquartal 2015. Experten rechnen hier mit einer ordentlichen Geschäftsentwicklung. Der Zuckerkonzern Südzucker legt am Mittwoch Zahlen vor, bevor sich am Donnerstag der Konsumgüterkonzern Beiersdorf zum Umsatz äußert.

          Ansonsten achten automobilbegeisterte Anleger zu Wochenbeginn auf Nachrichten von der Branchenmesse in Detroit. Zwei Themen dürften die diesjährige Veranstaltung dominieren: Der Abgas-Skandal bei Volkswagen (VW), der die Branche seit Monaten in Atem hält, und die niedrigen Ölpreise, die in Amerika weiter die Nachfrage von schwergewichtigen Spritschluckern boomen lassen und den Herstellern 2015 Rekordergebnisse bescherten.

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