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Rückzug aus der Fläche : Warum Banken immer mehr Filialen schließen

  • -Aktualisiert am

Ein Bus der Mittelbrandenburgischen Sparkasse wartet auf Kunden. Das Foto stammt aus dem Jahr 2017. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr machten Banken tausende Zweigstellen dicht, wie die Bankstellenstatistik der Bundesbank zeigt. In die Bresche springen sollen das Onlinebanking oder Busse als mobile Zweigstellen.

          Der Rückzug der Banken aus der Fläche beschleunigt sich. Das zeigen am Donnerstag veröffentlichte Zahlen der Bundesbank zur Bankstellenentwicklung.

          Danach verringerte sich die Zahl der inländischen Zweigstellen 2018 sehr deutlich um 2239 auf 27.887. Das entspricht einem Rückgang um 7,4 Prozent.

          Im Vorjahr hatten Banken 1900 Zweigstellen abgebaut. Zu den Zweigstellen zählt die Bundesbank klassische Filialen sowie Selbstbedienungs-Terminals mit zusätzlicher Beratungsmöglichkeit. Reine Selbstbedienungs-Terminals sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

          In der Entwicklung spiegelt sich nach Ansicht der Bundesbank der Einfluss der Digitalisierung auf die Vertriebswege aufgrund einer verstärkten Nutzung des Online-Bankings wider.

          „Filialschließungen sind für den Verbraucher im Einzelfall bedauerlich“, sagte Joachim Wuermeling, der im Vorstand der Bundesbank unter anderem für den Bereich Bankenaufsicht zuständig ist.

          Aus Sicht von Wurmeling hat Deutschland jedoch weiterhin ein breites Filialnetz. Auch könnten Kunden  zunehmend digitale Angebote nutzen, ohne auf persönliche Ansprechpartner verzichten zu müssen.

          Banken schließen Filialen nicht zum Spaß. Sie tun das, weil sie sparen müssen. Auch die Finanzaufsicht hat die knappen Margen deutscher Banken bemängelt. Mit ihrem Sparkurs folgen die Kreditinstitute also auch den Wünschen der Aufseher.

          Mit jeder geschlossenen Filiale steigt die Abhängigkeit der Kunden vom Onlinebanking. Auf IT-Störungen wie kürzlich bei der Commerzbank dürften Kunden künftig mit immer weniger Verständnis reagieren, weil sie nicht mehr so einfach auf den Service in der nächsten Filiale zurückgreifen können. 

          Die Zahl der Filialen sank laut Bundesbank per Saldo in nahezu allen Sektoren des Kreditgewerbes. Eine Ausnahme waren ausgerechnet die Zweigstellen ausländischer Kreditinstitute.

          Alternativen zur Filiale

          Auffällig ist die Entwicklung bei den kommunal und regional tätigen Sparkassen. So war laut Bundesbank im Sparkassenbereich 2018 abermals ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die Zahl der Sparkassen-Filialen ging mit minus 442 auf 9732 zurück. Die Bundesbank zählt auch die Filialen der Landesbanken zum Sparkassensektor, weil die Sparkassen an den Landesbanken beteiligt sind.

          Damit fiel die Gesamtzahl der Filialen im Sparkassensektor erstmals unter die Grenze von 10.000. Mit einem Anteil von 34,9 Prozent unterhalten Sparkassen jedoch weiterhin die größte Zahl inländischer Zweigstellen.

          Aber es gibt auch Alternativen. So schicken einige Sparkassen außerhalb von großen Städten Busse als mobile Filialen übers Land, um die dortigen Kunden mit Bankdienstleistungen zu versorgen.

          Im genossenschaftlichen Sektor, zu dem etwa die Volks- und Raiffeisenbanken zählen, wurden noch mehr Filialen abgebaut als im Sparkassensektor. Hier fiel die Zahl der Zweigstellen um 500 auf 8.955. Der Anteil der Genossen an den inländischen Zweigstellen liegt mit 32,1 Prozent knapp hinter den Sparkassen.

          Aber auch die privaten Banken streichen kräftig. Die von der Bundesbank in der Kategorie Kreditbanken erfassten Institute verringerten die Zahl ihrer Zweigstellen um 1272 auf 7770. Das entspricht einem Minus von 14,1 Prozent. 

          Filialen werden oft nach Bankfusionen abgebaut. So haben die Deutsche Bank und die Postbank laut Bundesbank nach ihrer Fusion 1085 Inlandsfilialen geschlossen.

          Die Bausparkassen dagegen verzeichneten anders als die Banken nur leichte Rückgänge. Die öffentlichen Bausparkassen reduzierten ihre Filialen um 44 auf 485, dagegen erhöhten die privaten Bausparkassen die Zahl ihrer Filialen sogar um 16 auf 872.

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