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Warren Buffetts Jubiläum : „Ich suche Firmen, die auch ein Idiot führen könnte“

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Warren Buffett (r.) auf dem diesjährigen „Woodstock für Kapitalisten“ - mit dabei war auch Microsoft-Gründer Bill Gates. Bild: dpa

Warren Buffett steht nun seit 50 Jahren an der Spitze der Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway. Anleger himmeln ihn an, er ist als großzügiger Philanthrop beliebt. Und er ist ein überzeugter Kapitalist. Ein Porträt.

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          Investoren-Ikone, Philanthrop, Superstar und netter Opa von nebenan: Warren Buffett ist der wohl beste Werbeträger, den der amerikanische Finanzkapitalismus sich wünschen könnte: Während Hedgefonds und private Beteiligungsgesellschaften (“Heuschrecken“) öffentlich einen schlechten Ruf haben, und die Wall Street infolge der Finanzkrise kräftig in Misskredit geraten ist, studiert Buffett altmodisch Bilanzen und spendet große Teile seines Vermögens. Trotzdem zählt der inzwischen 84jährige mit einem geschätzten Vermögen von rund 70 Milliarden Dollar seit Jahren zu den reichsten Menschen der Welt. Und nicht nur seine Anleger finden, dass er einer der besten Anleger aller Zeiten ist.

          Sein Erfolgsgeheimnis: „Ich versuche Aktien von Unternehmen zu kaufen, die so wunderbar sind, dass ein Idiot sie führen könnte - denn früher oder später wird es einer tun.“ In Buffetts Welt gelten einfache Regeln: Geld wird nur in Firmen gesteckt, deren Geschäftsmodell auf Anhieb verständlich ist. Derivate, die komplexen Wetten der Finanzindustrie, seien „Massenvernichtungswaffen“, warnte er einmal.

          „Es ist wie ein großes Kasino“

          Und er hatte auch nie ein Problem damit, eigene Fehler einzugestehen und sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Einmal im Jahr spielt er während des „Woodstock des Kapitalismus“ genannten Aktionärstreffens seiner Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska) den Showmaster. Dort posierte er vor Jahren auf einer Harley, in diesem Jahr, seinem 50. Dienstjubiläum an der Spitze des Unternehmens, machte er in einem Video unter anderem Späße mit Drogen-Koch Walter White aus der beliebten Fernsehserie „Breaking Bad“.

          Doch auch ohne den Spaßfaktor ist Buffett eine Ausnahmeerscheinung in der Finanzwelt. Buffett versteht sich als langfristiger Anleger, nicht als kurzfristiger Spekulant. Für vieles, was an der Wall Street geschieht, hat er nur Spott übrig. „Du hast es mit vielen albernen Leuten zu tun, es ist wie ein großes Kasino, in dem sich alle betrinken“, sagte er schon im Jahr 1974. Buffett hat eine Vorliebe für amerikanische Traditionsunternehmen wie Coca-Cola oder IBM und betont auch sonst häufig seine patriotische Einstellung.

          Doch so sympathisch das Bild vom netten Investoren-Opa ist, der mit Bescheidenheit, Charme und Genialität besticht - auf den zweiten Blick passt es dann doch nur bedingt. Es stimmt zwar: Buffett spendet in großem Stil und genehmigt sich als Chef von Berkshire Hathaway lediglich ein geringes Jahresgehalt. Doch letztlich will natürlich auch er vor allem eines: Geld verdienen. Während der Rezession infolge der Finanzkrise entließen auch Buffetts Firmen Tausende Mitarbeiter, er selbst gewährte der Investmentbank Goldman Sachs einen mit für ihn selbst sehr guten Konditionen ausgestatteten Milliardenkredit.

          Buffett arbeitete während Übernahmen - im Jahr 2013 im Falle von Heinz Ketchup und jüngst bei dessen Fusion mit Kraft Foods - wiederholt mit der als knallharter Sanierer geltenden Beteiligungsgesellschaft 3G zusammen. Außerdem war Buffett einer der Kreditgeber und Architekten, als die Fastfood-Kette Burger King im vergangenen Jahr die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons schluckte und so den Firmensitz verlegte: Vor allem steuerliche Aspekte galten als Beweggründe diesees Deals. Auch dies könnte ein gutes Geschäft für ihn und seine Aktionäre werden.

          „Was für mich am meisten zählt, ist, dass es Berkshire gut geht“, sagte der Multimilliardär während der letzten Hauptversammlung in Omaha. Das ist überhaupt nicht problematisch, es zeigt vielmehr, dass hinter den vielen Buffett-Verklärungen ein Mann steht, der von Kapitalismus und Marktwirtschaft und ihren Gesetzmäßigkeiten grundsätzlich überzeugt ist.

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