https://www.faz.net/-gv6-97hnk

„Performance kommt und geht“ : Warren Buffett und sein atemraubender Wettsieg

  • Aktualisiert am

Legendär: Warren Buffett ist durch Anlage an den Finanzmärkten einer der reichsten Menschen der Welt geworden. Bild: Reuters

Warren Buffett ist an den Finanzmärkten eine Legende. Nun verrät er, was eine Zehnjahreswette mit einem Vermögensverwalter seiner Ansicht nach zeigt. Und kritisiert einen Bereich der Finanzbranche mit harschen Worten.

          Der berühmte Anleger Warren Buffett brennt offenkundig auf große Firmenzukäufe. „Eine oder mehrere gewaltige Akquisitionen“ seien nötig, um die Gewinne seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway substanziell zu verbessern, teilte er an diesem Samstag in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre mit. Die frei verfügbaren Mittel, über welche die 87 Jahre alte Investoren-Legende mit ihrer Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway verfügt, wuchs im vergangenen Jahr 2017 von 86,4 Milliarden auf rund 116 Milliarden Dollar.

          Er würde dieses Geld gerne für Übernahmen einsetzen. So könnte die Firma mehr Renditen erwirtschaften, als beispielsweise mit niedriger verzinsten Staatsanleihen. Allerdings hadert Buffett (hier entlang geht es zum Original, auf Englisch) mit den aus seiner Sicht hohen Bewertungen an den Kapitalmärkten, die es derzeit schwer machten, Unternehmen zu „vernünftigen Kaufpreisen“ zu finden.

          Wichtige Wette

          In seinem Schreiben an die Aktionäre erinnerte Buffett an eine nun zu Ende gegangene Zehnjahreswette mit dem Vermögensverwalter und Beratungsunternehmen Protégé Partners. Buffett schloss die Wette am 19. Dezember 2007 ab - und gewann. Er wettete dabei, dass er durch eine Investition in einen einfachen Indexfonds, der sich am Börsenindex S&P 500 orientiert, besser abschneiden werde als eine Auswahl von Hedgefonds, die versprechen, besser als der Markt abzuschneiden. „Diese Frage zu adressieren, ist von enormer Bedeutung“, schreibt Buffett: „Amerikanische Anleger zahlen jährliche atemberaubende Beträge an Berater. (...) Bekommen die Anleger den Wert ihres Geldes? Bekommen Anleger irgendetwas für ihre Ausgaben?“

          Protégé Partners habe fünf sogenannte „Funds of Funds“ ausgewählt. Das sind Vermögensverwalter, die ihrerseits das ihnen anvertraute Geld an eine Auswahl verschiedener Hedgefonds verteilen - mit dem Hintergedanken, das Risiko breit zu streuen. In dieser Wette hätte schlussendlich ein Pool aus ungefähr 200 Hedgefonds dahinter gestanden, schreibt Buffett weiter. „Die Auswahl war eine elitäre Gruppe, ausgestattet mit Grips, Adrenalin und Selbstvertrauen.“

          Buffett, so bilanzierte er nun, schloss mit seiner Wahl auf einen einfachen Indexfonds besser ab als die Auswahl seines Wettgegners. „Lassen Sie mich betonen, dass es nichts Außergewöhnliches am Marktverhalten in den vergangenen zehn Jahren gegeben hat“, schreibt er. „In der Tat verdienten die ,Helfer' der Wall Street atemberaubende Summen. Während diese Gruppe prosperierte, erlebten viele ihrer Anleger eine verlorene Dekade.“ Buffett bringt das in seinem Rundschreiben dann so auf den Punkt: „Performance kommt, Performance geht. Gebühren schwanken nie.“

          Die Wette hat aus seiner Sicht eine weitere Lektion ergeben: Während Märkte allgemein rational funktionierten, machten sie gelegentlich „verrückte Dinge“. Die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, „erfordert keine große Intelligenz, keinen Abschluss in Wirtschaftslehre oder Vertrautheit mit dem Sprachgebrauch an der Wall Street wie etwa Alpha und Beta. Was Anleger dann stattdessen brauchen, ist die Fähigkeit, die Angst der Masse zu missachten und ein paar einfache Grundsätze zu beachten“. Und er fügte dem an: „Die Bereitschaft, eine Zeit lang ideenlos zu erscheinen - oder sogar dumm - ist ebenfalls essentiell.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.