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Ende einer Ära : Buffetts Nachfolger gewinnen Einfluss

  • -Aktualisiert am

Begehrter Gesprächspartner: Warren Buffett auf der letzten Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway Bild: AP

Die Beteiligung von Berkshire Hathaway an Apple gibt neue Hinweise auf die Zeit nach der Ära Buffett. Der Starinvestor hatte mit dem Kauf gar nichts zu tun.

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          An der Wall Street war es die Nachricht des Tages. Berkshire Hathaway, die vom Starinvestor Warren Buffett geleitete Anlagegesellschaft, gab am Montag eine Beteiligung am Elektronikriesen Apple bekannt. Der zuletzt wegen des nachlassenden Absatzes von iPhone-Handys unter Druck geratene Kurs von Apple kletterte am Montag an der Wall Street daraufhin um fast 4 Prozent und tendierte am Dienstag im frühen Handel mit nur leichten Abschlägen. So geht es häufig, wenn Berkshire neue Beteiligungen bekanntgibt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Kaum ein anderer Investor wird an der Wall Street so bewundert und nachgeahmt wie der 85 Jahre alte Milliardär aus Nebraska, das „Orakel von Omaha“. Der Kauf von Apple-Aktien im Wert von rund 1 Milliarde Dollar wirkte für Buffettologen an der Wall Street geradezu sensationell. Noch vor vier Jahren hatte Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire gesagt, dass er Aktien wie die von Apple oder Google nicht anpacke, weil er die Technologiebranche nicht verstehe. „Ich weiß einfach nicht, wie ich sie bewerten soll“, sagte Buffett damals.

          Aktionäre von Berkshire müssen sich aber nicht sorgen, dass Buffett mit zunehmendem Alter Milliarden in Wertpapiere steckt, von denen er keine Ahnung hat. Buffett hatte mit dem Apple-Kauf nämlich gar nichts zu tun. Die Entscheidung trafen die beiden ehemaligen Hedgefonds-Manager Todd Combs und Ted Weschler, die Buffett vor ein paar Jahren in die Berkshire-Zentrale nach Omaha gelockt hatte. Buffett teilte das dem „Wall Street Journal“ in einer E-Mail mit. Er machte allerdings keine Angaben, wer der beiden den Kauf verantwortete. Sowohl Combs als auch Weschler verwalten jeweils rund 9 Milliarden Dollar des Aktienportfolios von Berkshire und sprechen sich bei ihren Entscheidungen nicht vorher mit Buffett ab. Der Kauf der Apple-Aktien gibt einen Hinweis auf die Zeit nach dem Ende der Ära Buffett. Combs und Weschler sollen das aktuell knapp 130 Milliarden Dollar schwere Wertpapierportfolio verwalten, wenn Buffett sterben oder nicht mehr Herr seiner Sinne sein sollte.

          Buffetts Nachfolge ist heiß diskutiertes Thema

          Die beiden Fondsmanager scheinen auch insgesamt eine zunehmend wichtigere Rolle bei Berkshire zu spielen. So soll Weschler die Übernahme des deutschen Motorradausrüsters Detlev Louis verhandelt haben, den Berkshire 2015 für 400 Millionen Euro übernommen hatte. Combs hatte Buffett nach einer anfänglichen Beteiligung am Luftfahrtausrüster Precision Castparts auf die Idee gebracht, das Unternehmen komplett zu übernehmen. Der Kauf im Wert von 37 Milliarden Dollar war die bisher größte Akquisition in der Geschichte von Berkshire.

          Die Nachfolge von Buffett ist angesichts der Bedeutung von Berkshire an der Wall Street seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Berkshire ist gemessen am Börsenwert von rund 350 Milliarden Dollar die fünfgrößte amerikanische Aktiengesellschaft – hinter Apple, der Google-Muttergesellschaft Alphabet, dem Softwarekonzern Microsoft und dem Energieriesen Exxon Mobil. Im Kern ist Berkshire eine Versicherungsgesellschaft. Das Geschäftsmodell besteht darin, Prämieneinnahmen der Versicherer in Aktien oder ganzen Unternehmen anzulegen. Zu den größten Aktienpositionen von Berkshire gehören die Bank Wells Fargo, der Getränkehersteller Coca-Cola und der Kreditkartenkonzern American Express. Seit 2011 hält Berkshire auch eine Beteiligung am Computerriesen IBM, der bislang einzigen großen Beteiligung an einem Technologiekonzern. Diesen Vorstoß verantwortete Buffett. Der Aktienkurs von IBM ist seither um rund 20 Prozent gefallen.

          Chance aus dem Schatten des Mentors zu kommen

          Neben Precision Castparts befinden sich auch mehr als 80 weitgehend unabhängig geführte Tochtergesellschaften unter dem Dach von Berkshire. Dazu gehören unter anderem Branchengiganten wie Rückversicherer General Re und der Autoversicherer Geico, die große Eisenbahngesellschaft BNSF und der Versorger Berkshire Energy. Zu mittelständischen Firmen gehören der Cowboystiefel-Produzent Justin Brands und der Süßwarenhersteller See’s Candies.

          Buffett ist derzeit in Personalunion Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman), Vorstandsvorsitzender (CEO) und Chefanleger. Diese Aufgaben sollen später dreigeteilt werden. Als zukünftiger Chairman ist Buffetts ältester Sohn Howard vorgesehen, der in dieser Aufsichtsfunktion die besondere Kultur des Unternehmens garantieren soll. Der Name des CEO, der zukünftig die Übernahme von ganzen Unternehmen verantworten soll, wird vom Verwaltungsrat geheimgehalten. Buffett sagt nur, dass es einen konkreten Kandidaten gebe. Die Aufgabe des Chefanlegers scheint mit Combs und Weschler aber klar geregelt.

          Berkshire gibt in der Regel nicht bekannt, welcher Fondsmanager für bestimmte Positionen verantwortlich ist. Buffett deutete aber an, dass die kleineren Positionen meistens von seinen Adjutanten kommen. Dazu gehören Kreditkartennetzwerk-Betreiber wie Visa oder Mastercard und kleinere Technologiefirmen wie Verisk Analytics oder Verisign. Aber keine Aktie war bisher so prominent wie Apple. Bekannte Investoren wie Carl Icahn waren kürzlich ausgestiegen. Für Warren Buffetts designierte Nachfolger bietet sich die Chance, aus dem Schatten ihres Mentors herauszutreten.

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