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Im Nasdaq notiert : Warner Music gelingt bislang größter Börsengang des Jahres in Amerika

Rapperin Cardi B hat ihr erstes Album auf Atlantic Records veröffentlicht. Bild: dpa

Das Label von Ed Sheeran, Coldplay oder Cardi B kehrt an die Börse zurück und sammelt fast zwei Milliarden Dollar ein. Der Erfolg kommt nicht überraschend.

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          Der Musikkonzern Warner Music hat eine gelungene Börsenrückkehr hingelegt. Der Ausgabepreis lag mit 25 Dollar je Aktie am oberen Ende der Spanne von 23 und 26 Dollar. Statt der ursprünglich geplanten 70 Millionen Aktien wurden am Mittwoch 77 Millionen ausgegeben, womit Warner Music insgesamt 1,93 Milliarden Dollar einsammelt. Knapp 14 Prozent der Anteile wurden angeboten. Die Bewertung dürfte bei rund 12,8 Milliarden Dollar liegen. Der erste Kurs lag mit 27 Dollar 8 Prozent über dem Ausgabepreis von 25 Dollar. Notiert ist das Unternehmen an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Geld geht allerdings nicht an das Unternehmen, sondern an die Anteilseigner – allen voran die Beteiligungsgesellschaft Acceess Industries des russischen Oligarchen Leonard „Len“ Blavatnik, die auch weiterhin die Kontrolle über Warner Music haben wird. Blavatnik hatte Warner Music im Jahr 2011 für damals 3,3 Milliarden Dollar übernommen und von der Börse genommen.

          Warner ist mit einem Umsatz von zuletzt 4,5 Milliarden Dollar weltweit die Nummer drei unter den Musikunternehmen, hinter den beiden anderen sogenannten „Majors“, Sony Music und der Universal Music Group. Zu Warner gehören die Labels Atlantic Records, Elektra und Parlophone ebenso wie der Musikverlag Warner Chappell.

          Vor allem Streaming sorgt für Wachstum

          Populäre Künstler wie Ed Sheeran, die amerikanische Rapperin Cardi B oder Coldplay stehen bei Warner-Labels unter Vertrag. Die Börsenrückkehr war schon Mitte Februar 2020 angekündigt, aber auf Grund der Corona-Pandemie zunächst verschoben worden. Der Plan, am Dienstag die Details zum Börsengang zu nennen, wurde wiederum auf Grund der Solidaritätsaktion „Blackout Tuesday“ nicht in die Tat umgesetzt. Mit dieser sollte in den sozialen Medien nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, auf Rassismus aufmerksam gemacht werden.

          Leonard „Len“ Blavatnik im Februar 2019

          Das Warner-Comeback an der Börse fällt nun zwar mitten in die Corona-Pademie. Aufgrund der Entwicklung des weltweiten Markts für Musikaufnahmen kommt der Schritt dennoch nicht völlig überraschend – zumal der Tiefpunkt in der Corona-Krise fürs Erste überwunden zu sein scheint.

          So war 2019 das fünfte Wachstumsjahr in Folge, was vor allem an den rasant steigenden Erlösen aus dem Musik-Streaming liegt. Laut dem Branchenverband Ifpi wurden im vergangenen Jahr mit Musikaufnahmen 20,2 Milliarden Dollar umgesetzt.

          Auch Universal soll an die Börse

          11,4 Milliarden Dollar stammten aus den Einnahmen über Streamingdienste wie Spotify, Apple Music oder Amazon. Schon der zu Beginn diesen Jahres verkündete Einstieg eines Konsortiums angeführt von dem chinesischen Internetriesen Tencent bei der Vivendi-Tochtergesellschaft Universal Music Group hatte die Erholung der Musikbranche unterstrichen. Tencent zahlte für 10 Prozent der Anteile 3 Milliarden Euro, womit Universal Music auf eine Bewertung von mehr als 30 Milliarden Euro kam. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, ist Tencent auch an Warner-Anteilen interessiert. Bis spätestens Anfang 2023 will Vivendi derweil Blavatniks Beispiel folgen und Universal an die Börse bringen.

          Die Coronakrise hat freilich, auch wenn die Streaming-Abrufe konstant bleiben sollten, Auswirkungen auf das Geschäft der Musikunternehmen. Neue Alben werden teilweise erst später veröffentlicht, der physische Handel leidet und durch den Wegfall von Konzerten sowie die Verschiebung von beispielsweise Filmen fallen auch Einnahmen über den Verlag weg, der die Rechte für die Nutzung von Werken vermarktet.

          Im zweiten Geschäftsquartal, das im März endete fiel für Warner entsprechend ein Verlust von 74 Millionen Dollar an. Im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 67 Millionen Dollar zu Buche gestanden. Ein weiteres potentielles Problem hatte Warner schon im Februar im Antrag an die amerikanische Börsenaufsicht SEC thematisiert: So positiv das Wachstum auf Grund der guten Entwicklung im Streamingbereich auch aussieht.

          Macht von Spotify & Co wächst

          Dass mittlerweile mehr als 50 Prozent der weltweiten Einnahmen mit Musikaufnahmen über die Streamingdienste generiert wird, stärkt die Position von Spotify und Co. in Verhandlungen um die Lizensierung der Musikkataloge, an denen die Labels die Rechte halten. Außerdem haben Künstler heutzutage deutlich mehr Macht als noch zu den Hochzeiten der CD.

          Schließlich ist der Vertrieb von Musik über die digitalen Plattformen deutlich günstiger und unkomplizierter. Musikern haben es so einfacher auch ohne eines der großen Labels im Rücken erfolgreich zu werden. Auf diese Entwicklung muss auch Warner Music reagieren. Zumal schon vor der Coronakrise immer wieder Stimmen laut wurden, die beklagten, dass die Labels einen übergroßen Anteil an den Einnahmen aus dem Streaming einbehielten, obwohl ihre Kosten gesunken seien.

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